Tonnenweise Nahrungsmittel landen auf dem Müll

Fabian Peters

Lebensmittelverschwendung: Massenhaft Nahrungsmittel landen im Müll

19.05.2011

Unzählige Lebensmittel werden täglich weggeschmissen, obwohl sie eigentlich noch genießbar wären. Daher wirbt die Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz Ilse Aigner (CSU) für einen sorgsameren Umgang mit Lebensmittel.

Mehr zum Thema:

Längst nicht alle Lebensmittel, deren Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten ist, sind ungenießbar, doch die entsprechenden Produkte wandern häufig noch unversehrt in den Müll. Den Angaben des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz zufolge haben Hochrechnungen basierend auf den Zahlen aus anderen EU-Mitgliedsländern ergeben, dass jährlich pro Kopf Nahrungsmittel im Wert von 330 Euro in Deutschland verschwendet werden.

20 Millionen Tonnen Lebensmittel landen auf dem Müll
Obwohl keine verifizierten Zahlen vorliegen, geht das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz davon aus, dass deutschlandweit jährlich bis zu 20 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen werden. Rund zehn Prozent aller verpackten Lebensmittel landen demnach noch originalverpackt im Müll. Angesichts der Unterernährung und des Hungers in den Entwicklungsländern weltweit ein untragbarer Zustand. Die Nahrungsmittelverschwendung wird dabei hierzulande maßgeblich durch das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) beeinflusst. Denn ursprünglich als Orientierungshilfe für die Verbraucher gedacht, hat das MHD heute beinahe Gesetzescharakter und sobald die Produkte einen Tag älter sind, als auf der Packung angegeben, werden die Nahrungsmittel meist ungeöffnet weggeworfen. Doch Lebensmittel müssen nicht gleich in die Tonne, wenn das MHD abgelaufen ist, erklärte Doris Gräfe von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen gegenüber der Nachrichtenagentur „dpa“. Oft sind die Nahrungsmittel auch nach dem Überschreiten des MHD noch genießbar und die „Verbraucher sollten sich auf ihre eigenen Sinne verlassen“, betonte Gräfe.

Abgelaufene Nahrungsmittel sind nicht zwangsweise verdorben
Allerdings schmeißen nicht nur die Endkonsumenten massenhaft Lebensmittel weg, sondern auch die meisten Supermärkte sortieren sämtliche Waren mit überschrittenen Mindesthaltbarkeitsdatum grundsätzlich aus, unabhängig davon, ob diese noch genießbar wären oder nicht. Das Mindesthaltbarkeitsdatum bezieht sich häufig auf spezifischen Eigenschaften der Nahrungsmittel wie Geschmack, Geruch und Nährstoffgehalt – Nahrungsmittel mit abgelaufenem MHD sind daher nicht zwangsweise verdorben. Die Lebensmittel sind in der Regel länger zum Verzehr geeignet als auf der Verpackung angegeben und verdorbene Produkte können meist relativ leicht am Geschmack und Geruch erkannt werden, erläuterten die Experten der Verbraucherzentralen. Negative gesundheitliche Folgen durch den Verzehr abgelaufener Nahrungsmittel bilden daher eher die Ausnahme.

Verzehr von Nahrungsmitteln mit abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum
Doris Gräfe von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen erklärte im Gespräch mit der Nachrichtenagentur „dpa“, dass Lebensmittel mit kürzerer Haltbarkeitsdauer normalerweise „noch einige Tage länger haltbar“ sind, als auf der Verpackung angegeben. Produkte mit einer MHD von Monaten oder Jahren , „oft sogar noch mehrere Wochen“ nach dem Ablaufen verzehrt werden können. Uneingeschränkt haltbar sind indes zum Beispiel Zucker und Salz, die daher auch ohne MHD verkauft werden. Außerdem erklärte die Abteilungsleiterin Lebensmittel und Ernährung von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, Christiane Manthey, gegenüber dem „Südkurier“: „Trockene Lebensmittel, zum Beispiel Getreideprodukte, verderben nicht so schnell wie solche mit hohem Wasser- und/oder Eiweißgehalt“. Fetthaltige Nahrungsmittel – wie Nüsse – „können ranzig werden und verändern sich dann erkennbar im Geschmack“, ergänzte Manthey. Die Experten empfehlen den Konsumenten, sich bei Nahrungsmittel in Zukunft wieder häufiger auf den eigenen Geruchs- und Geschmackssinn zu verlassen und die Angaben zum Mindesthaltbarkeitsdatum tatsächliche eher als Orientierungshilfe zu nutzen. (fp)

Bild: Gerd Altmann / pixelio.de