Tularämie: Hasenpest in Schleswig-Holstein

Heilpraxisnet

Erster Fall von Tularämie bei einem Feldhasen nachgewiesen

14.11.2014

In Schleswig-Holstein ist der erste Fall von Hasenpest seit Anfang der 1990er Jahre aufgetreten. Wie das für Tierseuchenbekämpfung zuständige Umweltministerium in Kiel aktuell mitteilt, sei die fachsprachlich als „Tularämie“ bezeichnete Krankheit bei einem Feldhasen im Norden des Landes nachgewiesen worden. Da die Hasenpest auch auf den Menschen übertragbar ist, rät das Ministerium nun zu Vorsichtsmaßnahmen.

Ministerium rät zu Vorsichtsmaßnahmen
Im nördlichen Teil des Landes Schleswig-Holstein ist der erste Fall von Hasenpest (Tularämie) seit fast 25 Jahren nachgewiesen worden. Bei dem betroffenen Tier habe es sich nach Angaben des zuständigen Umweltministeriums in Kiel um einen Feldhasen gehandelt, welcher tot aufgefunden worden war. Da die Tularämie von Tieren auf den Menschen übertragbar ist (Zoonose), rät das Ministerium nun dringend zur Vorsicht. Dementsprechend sollte vor allem darauf geachtet werden, „dass Hasen, Kaninchen oder andere Nagetiere, die ihre natürliche Scheu verloren haben, teilnahmslos oder tot aufgefunden werden, nicht angefasst werden sollten“, so die aktuelle Pressemitteilung.

Fleisch immer vollständig durchgaren
Neben dem berge auch die Zubereitung und der Verzehr von nicht vollständig durchgegartem Fleisch laut der Information des Ministeriums ein Infektionsrisiko, auch durch Tiefkühlung würden Keime im Wildbret nicht abgetötet werden, sondern blieben stattdessen sogar noch über Monate ansteckungsfähig. Dementsprechend sei zum Beispiel auch beim Auftauen eine Infektion theoretisch möglich, sodass hier besondere Vorsicht walten und das Fleisch zur Sicherheit immer ganz durchgegart werden sollte. Auch die Inhalation erregerhaltigen Staubes oder kleiner Bluttröpfchen könne prinzipiell eine Ansteckung zur Folge haben, ebenso wie in seltenen Fällen auch Zecken und Steckmücken.

Krankheit kann beim Menschen lebensbedrohlichen Verlauf nehmen
Zur Sicherheit sollten daher auch Jäger Hasen und Kaninchen, die weder Scheu noch Fluchtverhalten zeigen, ebenso wie Tiere mit auffälligen Organbefunden zur Untersuchung an das Landeslabor senden, bittet das Ministerium weiter. In dem Labor seien in diesem Jahr bislang 13 Tiere mit Verdacht auf Hasenpest untersucht worden, wobei der aufgefundene Feldhase der erste positiv getestete Fall seit Anfang der 1990er Jahre darstelle. Die empfohlenen Vorsichtsmaßnahmen haben offenbar einen guten Grund, denn wie das Ministerium informiert, sei die Erkrankung beim Menschen zwar sehr selten, könne aber einen schweren bzw. sogar lebensbedrohlichen Verlauf nehmen. Dementsprechend sei es wichtig, bei Verdacht auf eine Infektion schnell einen Arzt aufzusuchen, denn wird die Erkrankung frühzeitig behandelt, ließe sie sich medikamentös gut in den Griff bekommen.

Fieber, Hautgeschwüre und Lungenentzündung möglich
Auslöser für die Tularämie ist das Bakterium „Francisella tularensis“, wobei bereits eine geringe Keimanzahl für eine Infektion beim Menschen ausreichend ist. Dazu kommt es jedoch sehr selten, häufiger befällt die Erkrankung Hasen und Wildkaninchen, wodurch sie auch als Hasenpest, Nagerpest oder Lemmingfieber bekannt ist. Ist doch ein Mensch betroffen, kann die Tularämie ganz unterschiedlich verlaufen, indem je nach Eintrittsstelle beispielsweise grippeähnliche Symptome wie Fieber, aber auch Hautgeschwüre, Blasen im Mund- und Rachenraum, eine Lungenentzündung oder eine Bindehautentzündung (Konjunktivitis) auftreten können.

Auch unter Nagetieren keine besondere Ausbreitungstendenz zu beobachten
Generell sei jedoch auch unter den Nagetieren keine besondere Ausbreitungstendenz von Tularämie zu beobachten. Demnach wurden in den Jahren 2006 bis 2009 in Niedersachsen „2.205 Hasen und 47 Wildkaninchen aus fast dem gesamten Landesgebiet Niedersachsens untersucht. Bei 29 Feldhasen und einem Wildkaninchen wurde der Erreger Tularämie nachgewiesen“, so die Information des Ministeriums. Im laufenden Jahr habe es hingegen in Niedersachsen bis Ende Oktober lediglich vereinzelte Nachweise gegeben. (nr)

Bild: Dirk Kriening / pixelio.de