Umweltbundesamt warnt vor Chemikalie Bisphenol A

Sebastian

Das Bundesumweltamt warnt vor der Verwendung der Chemikalie Bisphenol A.

(11.06.2010) Das Bundesumweltamt warnt Verbraucher und Hersteller vor der Verwendung von Produkten der Chemikalie Bisphenol A. Die Chemikalie wird vielfälitig eingesetzt, unter anderen bei der Herstellung von Konservendosen, Thermopapier, Lebensmittelverpackungen und sogar in Babyflaschen. Das Bundesumweltamt forderte die Hersteller solcher Produkte auf, alternative Stoffe zu verwenden, da Bisphenol A für Menschen gesundheitliche Folgen haben könnte. Obwohl in Frankreich, Kanada und Dänemark die Verwendung der Massenchemikalie Bisphenol A zur Herstellung von Babyflaschen und anderen Produkten für Kinder verboten wurde, stuft die europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde EFSA weiterhin die Chemikalie als momentan "unbedenklich" für den Verbraucher ein.

Anhand zahlreicher Studien konnte festgestellt werden, dass Bisphenol A sich aus den Produkten lösen kann und somit in den menschenlichen Organismus gelangt. Anhand der Studien konnte weiterhin fest gestellt werden, dass die Chemikalie sich ähnlich wie das weibliche Sexualhormon Östrogen verhält. Dabei kann es zu Störungen bei Fortpflanzungen kommen, wie es bei Säugetieren beobachtet wurde. Die gesundheitlichen Folgen dieser "Alltagschemikalie" konnte bei Menschen noch nicht eindeutig festgestellt werden, jedoch liegt die Vermutung nahe, dass sich Bisphenol A ähnlich verhalte. So sagte der Bundesumweltamts-Chef Jochen Flasbarth: "Aus Sicht des Umweltbundesamtes bestehen zwar noch Datenlücken; doch die vorliegenden Kenntnisse sollten ausreichen, die Verwendung bestimmter Bisphenol-A-haltiger Produkte aus Vorsorgegründen zu beschränken". Allerdings bestehe derzeit kein Verbot, sondern nur eine Warnung.

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Die Organisation "Women in Europe for a Common Future" (WECF) begrüßte die Warnung des Bundesamtes. Die Initiative setze sich schon seit längerer Zeit für ein Verbot der gesundheitsgefährdenden Chemikalie ein, die vielfach auch in Kinderspielzeug verwendet werde. „Wie auch das UBA nun öffentlich warnt, kann Bisphenol A das Hormonsystem schon in geringsten Dosen beeinträchtigen und Krankheiten wie Krebs, Fruchtbarkeits- oder Entwicklungsstörungen auslösen. Babys, Frauen und Schwangere sind dabei besonders sensibel“, sagte Alexandra Caterbow, Chemikalienexpertin der Initiative. Gesundheitliche Schäden konnten vielfach weit unter den offiziellen Grenzwerten nachgewiesen werden. Bei Tierversuchen wurde u.a. festgestellt, dass Mäuse durch die Chemikalie Herz-Kreislauferkrankungen und Diabetes davon trugen, so die WECF.

Kritisiert wird vor allem, dass Bisphenol nicht deklarationspflichtig ist. So könnten Verbraucher nicht prüfen, ob in den Produkten Bisphenol enthalten ist. Grenzwerte wären kein Ersatz für ein generelles Verbot. Schließlich hätte die "Alltagschemikalie" nichts in Spielzeug, Konservendosen oder Trinkflaschen zu suchen. Dabei ist die Gefahr am größten, dass die gesundheitsschädliche Chemikalie in den menschenlichen Organismus gelangt. (sb)

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Bildnachweis: Rolf van Melis /Pixelio.de.