Große Verwechslungsgefahr beim Bärlauch-Sammeln

Alfred Domke

Verbraucherminister rät zu Vorsicht beim Bärlauch-Sammeln

22.03.2014

Bei den aktuellen frühlingshaften Temperaturen kommen Bärlauch-Liebhaber wieder voll auf ihre Kosten. Doch der baden-württembergische Verbraucherminister rät Sammlern nun zur Vorsicht, denn die Blätter des Bärlauch könnten leicht mit denen der hochgiftigen Herbstzeitlose und des Maiglöckchens verwechselt werden.

Im Zweifelsfall links liegen lassen
Derzeit machen sich wieder viele Menschen auf, um wildwachsenden Bärlauch in Wäldern zu sammeln. Doch dabei ist Vorsicht angebracht, da der milde Knoblauchersatz mit anderen hochgiftigen Pflanzen verwechselt werden kann. So rät der baden-württembergische Verbraucherminister Alexander Bonde (Grüne) Bärlauch-Sammlern beim Pflücken der Kräuter zur Vorsicht, da diese leicht mit denen der Herbstzeitlose und des Maiglöckchens verwechselt werden könnten. Am Freitag teilte er in Stuttgart mit: „Diese Unwissenheit kann sogar tödliche Folgen haben. Daher rate ich Verbraucherinnen und Verbrauchern, die Kräuter im Zweifelsfall links liegen zu lassen.“

Bei ersten Anzeichen zum Arzt
Herbstzeitlose und Maiglöckchen wachsen zur gleichen Zeit und an ähnlichen Stellen wie Bärlauch, doch die Doppelgänger speichern in ihren Blättern Inhaltsstoffe, die nach dem Verzehr lebensgefährliche Vergiftungen auslösen können. Erste Anzeichen einer Vergiftung sind dabei Übelkeit und Erbrechen, Krämpfe, Herz-Kreislauf-Beschwerden und Blut im Stuhl. Diese Beschwerden können bereits zwei bis sechs Stunden nach dem Verzehr auftreten. Dann sollte möglichst schnell ein Arzt aufgesucht oder ein Notarzt verständigt werden. Dem Ministerium zufolge ist 2004 ein älteres Ehepaar gestorben, da es Bärlauch mit der Herbstzeitlosen verwechselt hatte.

Bärlauch riecht nach Knoblauch
Wie Bonde erklärte, seien die Blätter der wichtigste Unterschied zwischen den Pflanzen: „Jedes Bärlauchblatt wächst an einem einzelnen Stängel aus dem Boden, meist in Gruppen dicht beieinander. Dagegen weisen Maiglöckchen immer zwei Blätter an einem Stängel auf.“ Und bei Herbstzeitlosen lägen die Blätter zunächst eng am Stängel an und entfalteten sich dann. Ein wesentlicher Unterschied ist auch beim Geruch feststellbar. So riechen die Blätter des Bärlauchs nach Knoblauch, wenn sie zwischen den Fingern zerrieben werden, die der anderen beiden Pflanzen jedoch nicht.

Eier des Kleinen Fuchsbandwurms auf Bärlauchblättern
Aber auch die Experten, die Bärlauch zweifelsfrei erkennen, sollten das Wildgemüse nicht bedenkenlos essen. Verbraucherminister Bonde warnt vor den Eiern des Kleinen Fuchsbandwurms, welche an den Bärlauchblättern aus dem Wald kleben könnten. Diese ließen sich erst bei Kochtemperaturen ab 60 Grad Celsius abtöten. Dagegen helfe es nicht, den Bärlauch nur abzuwaschen oder einzufrieren.

Gesunder Bärlauch
Die Warnungen sollten aber nicht dazu führen auf Bärlauch komplett zu verzichten, denn die Pflanze ist grundsätzlich sehr gesund. So hilft der Verzehr von Bärlauch nach den Ansätzen der Pflanzenheilkunde bei der Regeneration der Darmflora und kurbelt den Stoffwechsel an. Zudem wird das Wildgemüse in der Naturheilkunde bei einer ganzen Reihe von Symptomen eingesetzt. So kann die Heilpflanze Beschwerden bei Asthma, Fieber und Bronchitis lindern. Bärlauch kann außerdem bei Bluthochdruck eingesetzt werden und enthält zudem wichtige Vitamine und Mineralstoffe wie Vitamin C, Mangan, Magnesium, Eisen und Schwefel. Bärlauch hat ähnlich wie Knoblauch eine leicht gefäßerweiternde Eigenschaft, reinigt das Blut und entfaltet nach dem Essen eine antibiotische Wirkung. Bärlauch lässt sich in der Küche hervorragend in Salaten, Suppen, Dips oder Pasta einsetzen. (ad)

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