Verwendung von Bleichmitteln und Desinfektionsmitteln Ursache chronischer Lungenkrankheit?

Alexander Stindt
Regelmäßige Verwendung von Bleichmitteln führt zu gesundheitlichen Problemen
Wenn Sie jeden Tag Bleichmittel verwenden, steigt das Risiko eine tödliche Lungenerkrankung zu entwickeln. Die regelmäßige Verwendung von Bleichmitteln und anderen üblichen Desinfektionsmitteln wurde mit einem höheren Risiko für die Entstehung von einer chronisch obstruktive Lungenkrankheit (COPD) in Verbindung gebracht.

Die Wissenschaftler der international anerkannten Harvard University und dem French National Institute of Health and Medical Research (Inserm) stellten bei ihrer Untersuchung fest, dass der regelmäßige Gebrauch von Bleichmitteln und Desinfektionsmitteln zu einem höheren Risiko für die Entstehung einer chronisch obstruktive Lungenkrankheit beiträgt. Die Mediziner veröffentlichten eine Pressemitteilung zu den die Ergebnissen ihrer Studie beim diesjährigen European Respiratory Society International Congress in Milan.

Die tägliche Verwendung von Desinfektionsmitteln und Bleichmitteln scheint zur Entwicklung einer chronisch obstruktive Lungenkrankheit (COPD) beizutragen, welche umgangssprachlich häufig auch als Raucherlunge bezeichnet wird. (Bild: bilderzwerg/fotolia.com)

Forscher untersuchen mehr als 55.000 Krankenschwestern aus den USA
Für ihre Studie untersuchten die Mediziner mehr als 55.000 Krankenschwestern in den USA auf die Anzeichen einer chronisch obstruktiven Lungenkrankheit (COPD). Die Experten konnten dabei feststellen, dass bereits eine einmalige wöchentliche Verwendung von Bleichmitteln oder Desinfektionsmitteln zu einem erhöhten Risiko um etwa 32 Prozent für die Entstehung von COPD führte.

Was ist eine chronisch obstruktive Lungenkrankheit?
Eine chronisch obstruktive Lungenkrankheit betrifft alleine in Großbritannien schätzungsweise 1,2 Millionen Menschen. COPD beschreibt eine Gruppe von Lungenkrankheiten wie beispielsweise ein Emphysem und chronische Bronchitis, welche es erschweren Luft in und aus der Lunge zu bewegen, weil die Atemwege durch die Erkrankung verengt wurden. In England versterben fast 25.000 Menschen pro Jahr an den Folgen der Krankheit, sagen die Experten.

Bisher war nur ein Zusammenhang zwischen der Verwendung von Desinfektionsmitteln und Asthma bekannt
Desinfektionsmittel wurden bereits mit einem erhöhten Risiko für Atemwegserkrankungen wie beispielsweise Asthma in Zusammenhang gebracht. Die neue Untersuchung zeigt nun zum ersten Mal eine Verbindung zwischen spezifischen Chemikalien zur Reinigung (quaternäre Ammoniumverbindungen) und der Entstehung von COPD.

Einige Berufe führen zu einem stärkeren Risiko für die Entwicklung von COPD
Die potenziellen Auswirkungen der Exposition gegenüber Desinfektionsmitteln auf die Entstehung von COPD haben bisher nur wenig Aufmerksamkeit erhalten, sagen die Mediziner. Neueste Untersuchungen der europäischen Populationen zeigen aber, dass die Arbeit als Gebäudereiniger mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung von COPD verbunden ist, erklärt Forscherin Dr. Orianne Dumas vom French National Institute of Health and Medical Research.

Auch Mitarbeiter des Gesundheitswesens haben ein erhöhtes Risiko
Die aktuelle Studie berichtet als erste von einer Verbindung zwischen der Verwendung von Desinfektionsmitteln und COPD bei den Mitarbeitern des Gesundheitswesens. Die Wissenschaftler untersuchten die spezifischen Chemikalien, um die Ursachen für den Zusammenhang herauszufinden.
Einige der hierbei identifizierten Desinfektionsmittel, wie Bleichmittel und sogenannte quaternäre Ammoniumverbindungen, werden häufig auch in gewöhnlichen Haushalten verwendet. Die potenziellen Auswirkungen der häuslichen Verwendung von Desinfektionsmitteln auf die Entwicklung einer chronisch obstruktiven Lungenkrankheit seien bisher allerdings unklar, erklärt die Autorin Dr. Dumas. (as)