Viele Faktoren beeinflussen die Partnerwahl

Fabian Peters

Partnerwahl beeinflusst durch Hormone, Geruch und Stress

23.08.2012

Die Partnerwahl wird durch unterschiedlichste Faktoren beeinflusst, wobei unterbewusste Verhaltensweisen eine weit größere Rolle spielen, als sich die meisten frisch Verliebten eingestehen. Wissenschaftliche Studien haben belegt, dass Stress oder auch die Einnahme der Pille im Zusammenhang mit dem Schönheitsempfinden und der Partnerwahl stehen.

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Wissenschaftler des Instituts für Psychologie an der Universität von Westminster in London haben kürzlich im Fachmagazin „PLoS ONE“ eine Studie veröffentlicht, der zufolge gestresste Männer füllige Frauen bevorzugen. Immer wieder stellen Mediziner und Psychologen fest, dass relativ nebensächlich erscheinende Faktoren, maßgeblichen Einfluss auf die Partnerwahl haben. Insgesamt betrachtet drängt sich der Verdacht auf, dass die willentliche Entscheidung beim Liebesglück nur eine untergeordnete Rolle spielt.

Stress macht dicke Frauen für Männer attraktiv
Die Ergebnisse der britischen Forscher um Viren Swami von der Londoner Westminster-Universität haben überrascht, zumal schlanke Frauenkörper heute als allgemeines Schönheitsideal gelten und ein Zusammenhang zwischen dem Stress und dem Schönheitsempfinden eher abwegig erschien. Im Rahmen ihrer Studie hatten Swami und Kollegen 81 europäischen Männern zehn standardisierte Fotos von Frauenkörpern vorgelegt, unter denen sie die Idealfigur auswählen und angeben sollten, welche dicken und dünnen Körper sie gerade noch als attraktiv empfinden. Auf den Fotos waren nach dem objektiven Maßstab des Body-Mass-Index (BMI) Frauenkörper von fettleibig (adipös) bis zu stark untergewichtig zu sehen. Vor der Bewertung durchlief die Hälfte der Probanden einen Stresstest, bei dem sie zwanzig Minuten vor einem Komitee frei reden und eine Rechenaufgabe lösen mussten. Anschließend hatten sie eine 20-minütige Pause, bevor sie die Bilder der Frauen bewerteten. Die Probanden der Kontrollgruppe durchliefen im Gegensatz zur Versuchsgruppe keinen entsprechenden Stresstest.

Füllige Frauen signalisieren den gestressten Männern Sicherheit
Das Forscherteam der Westminster-Universität stellte fest, dass den gestressten Männern durchschnittlich deutlich dickere Frauen besser gefielen, als den Probanden der Kontrollgruppe. Die Wissenschaftler begründen den Hang der gestressten Männer zu Frauen mit breiten Hüften und weiblichen Rundungen mit dem Sicherheitsgefühl, das diese vermitteln. Unter evolutionsgeschichtlichen Aspekten signalisieren die runderen weibliche Formen ausreichenden Zugang zu Nahrung, eine bessere Gesundheit und einen stabileren weiblichen Zyklus als bei dünneren Frauen, berichteten die britischen Wissenschaftler in dem Artikel „Der Einfluss von psychischem Stress auf Männer-Urteile zum weiblichen Körper“. Indirekt habe ihre Studie die Hypothese von Biologen, Neurologen und anderen Experten bestätigt, derzufolge Menschen und Tiere in Stresssituationen einen erhöhten Bedarf nach Sicherheit haben, so Swami und Kollegen weiter.

Die Einnahme der Pille beeinflusst die Partnerwahl
Neben diesen psychischen Faktoren spielen auch die körperlichen Attribute bei der Partnerwahl eine entscheidende Rolle, wobei allerdings nicht nur der Körper potenzieller Partner von Bedeutung ist, sondern auch das eigene Körpergewicht. So haben schottische Wissenschaftler herausgefunden, dass dicke Menschen sich tendenzielle eher für einen ebenfalls übergewichtigen Partner entscheiden. Auch die Einnahme der Pille beziehungsweise die hiermit verbundenen Veränderungen des Hormonhaushalts stehen in unmittelbaren Zusammenhang mit der Partnerwahl, denn die Pille beeinflusst die Vorlieben der Frauen für den Körpergeruch bei Männern, so die Erkenntnis aus Studien italienischer und britischer Wissenschaftler.

Unterbewusste Faktoren bestimmen die Partnerschaft
Des weiteren hat die Pille nicht nur Auswirkungen auf die Partnerwahl sondern auch auf das Paarungsverhalten. Beeinträchtigungen der Libido sind vielen Frauen, die über mehrere Jahre mit der Pille verhütet haben, durchaus ein Begriff. Auch empfinden Frauen, die zu Beginn einer Partnerschaft die Pille einnahmen, ihr Sexualleben im Schnitt als weniger glücklich, als Frauen die beim Kennenlernen des Partners auf andere Weise oder überhaupt nicht verhütet haben. Insgesamt halten die Beziehungen der Frauen jedoch länger, wenn sie bei Beginn der Partnerschaft mit der Pille verhütet haben, berichteten britische Wissenschaftler um Craig Roberts von der University of Stirling bereits im vergangenen Jahr im Fachmagazin „Proceedings of the Royal Society B“. Außerdem wählen Frauen unter Einfluss der Pille offenbar Männer aus, die ihnen genetisch ähnlicher sind. Wie der Geruchssinn, die Hormone und andere unauffällige Faktoren die Partnerwahl beeinflussen und welcher Teil der Partnerwahl tatsächlich einer bewussten Entscheidung unterliegt, ist bis heute nicht abschließend geklärt. Allerdings weist viele darauf hin, dass ein Großteil der Entscheidung auf unterbewusster Ebene abläuft. (fp)

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