Volkskrankheit auf dem Vormarsch: Immer mehr Kinder leiden an Typ-1-Diabetes

Alfred Domke

Immer mehr Kinder in Deutschland erkranken an Typ-1-Diabetes

In Deutschland sind immer mehr Kinder von Diabetes Typ 1 betroffen. Die Stoffwechselerkrankung kann dramatische gesundheitliche Folgen haben. Forschungsergebnisse der letzten Jahre geben jedoch Anlass zu der Hoffnung, dass sich die Krankheit im Baby- und Kleinkindalter verhindern lässt.

Immer mehr Kinder erkranken an Typ-1-Diabetes

Die Zahl der Menschen, die an Diabetes erkranken, steigt. Auch immer mehr Kinder sind betroffen. Und zwar nicht nur von Typ 2, der häufigeren Diabetes-Form, sondern auch von Typ 1. Die Autoimmunkrankheit, bei der der Körper nur noch wenig oder gar kein Insulin mehr produziert, kann dramatische gesundheitliche Folgen haben. Doch Studien liefern Anlass zur Hoffnung, dass sich die Krankheit im Baby- und Kleinkindalter verhindern lässt. Darauf weisen Gesundheitsexperten anlässlich des Weltdiabetestages am Dienstag (14. November) hin.

Immer mehr Kinder in Deutschland erkranken an Typ-1-Diabetes. Doch es gibt mittlerweile Anlass zu der Hoffnung, dass sich die Krankheit im Baby- und Kleinkindalter verhindern lässt. (Bild: rkris/fotolia.com)

Volkskrankheit bei jungen Menschen auf dem Vormarsch

Die Volkskrankheit Diabetes ist auch bei jungen Menschen schon seit längerem auf dem Vormarsch.

Typ 2 ist die häufigste Form, häufig verursacht oder befördert durch ungesunde Ernährung, Übergewicht beziehungsweise Adipositas und Bewegungsmangel.

Beim Typ 1 ist dies anders: „Die Ursachen des Typ-1-Diabetes liegen in einer fehlerhaften Reaktion des Immunsystems gegenüber den Zellen in der Bauchspeicheldrüse, die das körpereigene Insulin produzieren. Das Immunsystem beginnt diese Zellen zu zerstören“, wird in einer Mitteilung auf der Globalen Plattform zur Prävention des Autoimmunen Diabetes (GPPAD) erklärt.

Die Krankheit bleibt oft viele Jahre unerkannt, bis sie sich schlagartig in oftmals lebensbedrohlichen Symptomen äußert.

Patienten müssen ihrem Körper lebenslang Insulin zuführen. Zu möglichen Spätfolgen zählen Augen- und Nierenschäden sowie Probleme mit Herz und Gefäßen.

Wenn Kinder mit einem Typ-1-Diabetes-Risiko jedoch früh erkannt werden, „können Komplikationen und möglicherweise der Ausbruch der Erkrankung verhindert werden“, heißt es auf der GPPAD.

Die häufigste Stoffwechselerkrankung im Kindesalter

Laut einer Mitteilung des Institut für Diabetesforschung am Helmholtz-Zentrum München, ist Typ-1-Diabetes die häufigste Stoffwechselerkrankung im Kindes- und Jugendalter.

In Deutschland sind laut den Experten zwischen 21.000 und 24.000 Kinder und Jugendliche betroffen. Die Rate der Neuerkrankungen steigt seit einigen Jahren deutlich an, derzeit um jährlich drei bis fünf Prozent.

Typ-1-Diabetes entwickelt sich schleichend: Bevor die ersten Symptome auftreten, attackiert das kindliche Immunsystem körpereigene Strukturen.

Erkrankung lässt sich womöglich verhindern

Doch Forschungsergebnisse der letzten Jahre geben Anlass zu der Hoffnung, dass sich diese Autoimmunreaktion und somit die Erkrankung an Typ-1-Diabetes im Baby- und Kleinkindalter verhindern lässt.

Im Rahmen der Freder1k-Studie bieten die Münchner Forscher seit kurzem eine Früherkennungsuntersuchung für Säuglinge bis zu einem Alter von vier Monaten an.

Die Bestimmung des Typ-1-Diabetes Risikos wird anhand weniger Blutstropfen durchgeführt.

Früherkennung und Präventionsmaßnahmen

„Mit dem Start von Freder1k treiben wir die Prävention von Typ-1-Diabetes weiter entscheidend voran. Denn dadurch haben wir erstmals die Möglichkeit, das Immunsystem frühzeitig so zu trainieren, dass die fehlgesteuerte Immunreaktion vermieden werden kann“, erklärte Studienleiterin Prof. Dr. Anette-Gabriele Ziegler.

„Das wollen wir mit der Gabe von Insulinpulver über die Mundschleimhaut erreichen und so langfristig womöglich Typ-1-Diabetes verhindern“, so die Direktorin des Instituts für Diabetesforschung.

„Die Früherkennung und mögliche zukünftige Präventionsmaßnahmen vor Diabetes mellitus haben in Zukunft womöglich den gleichen gesundheitserhaltenden Stellenwert, wie das bewährte Konzept der Schutzimpfungen gegen schwere Infektionskrankheiten heute“, meinte Dr. Martin Lang, Vorsitzender des bayerischen Berufsverbands für Kinder- und Jugendärzte. (ad)