Wann sind blaue Flecken gefährlich?

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Heilpraxisnet
Blaue Flecken können auf ernsthafte Erkrankung hinweisen
Blaue Flecken kennt jeder. Ob beim Sport, bei der Haus- oder Gartenarbeit – ein kräftiger Stoß gegen Ellenbogen, Schienbein oder Knie und kurze Zeit später prangt ein dicker rot-blauer Fleck an der betroffenen Körperstelle. Meist ist ein Bluterguss (Hämatom) harmlos. In einigen Fällen kann jedoch auch eine ernsthafte Verletzung oder Erkrankung hinter der Hautverfärbung stecken.

Blaue Flecken sind meist harmlos
Kinder haben ständig blaue Flecken. Fast von jedem Spielplatzbesuch bringen sie ein kleines rot-blaues Souvenir auf der Haut mit. Auch ältere Menschen haben häufiger blaue Flecken, weil die Haut altersbedingt schlechter gepolstert ist und die Gefäße schneller platzen. Treten jedoch neben der Hautverfärbung, einer Schwellung und leichten Schmerzen an der betroffenen Stelle weitere oder stärkere Symptome auf, sollte ein Arzt konsultiert werden.

Wann sind blaue Flecken gefährlich? Bild: thongsee - fotolia
Wann sind blaue Flecken gefährlich? Bild: thongsee – fotolia

Meist ist ein Stoß, Sturz, Schlag, Schnitt, Stich, eine Quetschung oder ein Knochenbruch Ursache eines Hämatoms. Die Haut verfärbt sich sich dabei rot, weil ein oder mehrere Blutgefäße im Gewebe verletzt werden. Das Blut kann dann entweder in das Unterhautgewebe laufen oder sammelt sich in einer Körperhöhle wie dem Gelenk. Wenn das Blut gerinnt verändert sich die Farbe des Hämatoms in dunkelblau. Im weiteren Verlauf kann der Fleck noch dunkler und gelb-grün werden. Nach zwei Wochen ist er normalerweise verschwunden.

„Ein Hämatom kann unterschiedlich tief sein und auch mit einer äußeren Verletzung wie einem Hautriss einhergehen“, berichtet Professor Thomas Hilberg von der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention gegenüber der Nachrichtenagentur „dpa“. Abhängig von der Tiefe der Verletzung zeigen sich blaue Flecken manchmal auch erst kurze Zeit nach dem Stoß.

Blaue Flecken vorsichtig kühlen
„Im Allgemeinen dauert es zwei bis drei Wochen, bis die Blutzellen abgebaut sind. Die Farbveränderungen zeigen die Stadien dieses Abbauprozesses“, erläuterte Professor Reiner Hartenstein vom Berufsverband Deutscher Internisten gegenüber de Nachrichtenagentur. Je nach Tiefe der Verletzung zeigt sich ein Hämatom mehr weniger deutlich an der Hautoberfläche. Auch die Schmerzen können unterschiedlich intensiv ausfallen. „Sie werden durch Volumenveränderungen ausgelöst: Das verletzte Gewebe und seine direkte Umgebung schwillt an und drückt auf die benachbarte Sehne, einen Muskel oder eine Knochenhaut und auf deren Schmerzrezeptoren“, so Hartenstein.

Kein klassischer blauer Fleck, sondern ein Hautausschlag. Bild: eyetronic - fotolia
Kein klassischer blauer Fleck, sondern ein Hautausschlag. Bild: eyetronic – fotolia

Er rät Betroffenen dazu, möglichst schnell zu handeln. „Erste Hilfe bei Hämatomen nach Stößen wird nach der PECH-Regel geleistet: Pause – Eis – Kompression – Hochlagern.“ Wer die betroffene Stelle schnell kühlt, kann dadurch meist den Blutaustritt ins Gewebe und somit eine Schwellung verhindern oder zumindest eindämmen. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass Eis nie unmittelbar auf die Haut gelegt, sondern immer ein dünnes Tuch dazwischen platziert wird. Anderenfalls drohen Verkühlungen und Hautschäden. „Ergänzend können im weiteren Verlauf analgetische Salben den Schmerz lindern und antiphlogistische Salben die Entzündung hemmen. Auch Arnika wirkt schmerzlindernd und entzündungshemmend“, rät der Mediziner. In der Naturheilkunde kommen neben Arnika-Salben auch weitere Arzneien aus Heilpflanzen wie Hamamelis und Calendula-Salben zum Einsatz.

Wie stark ein blauer Fleck hervortritt ist neben der Intensität und der Tiefe der Verletzung auch vom Betroffenen selbst abhängig. „Das liegt daran, dass die Gewebestruktur, aber auch Fließ- und Gerinnungseigenschaften des Blutes individuell verschieden sind“, erläuterte Hartenstein. „Man sagt, dass Frauen aufgrund ihres besonderen Fett- und Bindegewebes eher zu Hämatomen neigen als Männer“, erklärte Hilberg.

Blaue Flecken infolge von ernsten Verletzungen und Erkrankungen
Nach schweren Stürzen oder Stößen können Hämatome infolge von Knochenbrüchen (Frakturen) oder Bänderrissen (Rupturen) auftreten. In beiden Fällen treten bei Betroffenen meist starke Schmerzen und eine Bewegungseinschränkung auf. Das betroffene Körperteil schwillt zudem stark an. Beim Verdacht auf eine Fraktur oder Ruptur sollte in jedem Fall ärztlicher Rat eingeholt werden und eine medizinische Versorgung erfolgen. Anderenfalls steigt das Risiko für Folgeerkrankungen und -schäden.

Treten blaue Flecken immer wieder ohne ersichtlichen Grund auf, sollte ebenfalls ärztlich untersucht werden, ob eine ernsthafte Erkrankung Auslöser der Hämatome ist. „Das sind seltener Erkrankungen des Gefäßsystems, häufiger jedoch Erkrankungen des Gerinnungssystems“, berichtete Hilberg. Dabei können Blutplättchen oder die plasmatische Gerinnung, die für den Zusammenhalt der Blutplättchen verantwortlich ist, betroffen sein.

So tritt bei der Bluterkrankheit (Hämophilie) eine gestörte Blutgerinnung auf, die dazu führt, dass das Blut nicht oder nur sehr langsam gerinnt. Sogenannte Bluter bluten viel länger aus einer Wunde als gesunde Menschen. Zudem können Spontanblutungen ohne ersichtliche Ursache auftreten. Bei kleineren Schnitt-, Riss- und Schürfwunden ist das meist nicht problematisch, da die Krustenbildung durch die gesunden Blutplättchen weiterhin funktioniert. Jedoch kann die Kruste aufgrund der verzögerten Blutgerinnung immer wieder aufplatzen. Menschen mit Hämophilie haben zudem ein erhöhtes Risiko für innere Blutungen.

Auch bei der häufigsten angeborenen Erkrankung mit erhöhter Blutungsneigung, dem Willebrand-Jürgens-Syndrom, leiden Betroffene einer einer Störung der Blutgerinnung. Dafür ist ein fehlendes Protein verantwortlich. Viele Patienten bekommen sehr leicht Hämatome und Einblutungen. Hilberg zufolge ist jeder 100. bis 1000. Deutsche von der Erkrankung betroffen.

Darüber hinaus gibt es zahlreiche weitere Erkrankungen beispielsweise der Leber oder des blutbildenden Systems, bei denen Hämatome auftreten können.

Auch bestimmte Wirkstoffe in Medikamenten können das Auftreten blauer Flecke begünstigen. Dazu gehören beispielsweise Acetylsalicylsäure (ASS) oder Cumarinderivate, die auf die Blutgerinnung wirken. So kann ASS, ein häufiger Bestandteil vieler Schmerztabletten, die Funktion der Blutplättchen über mehrere Tage beeinträchtigen. Auch Kortison kann Hämatome verursachen, indem es die Hautstruktur abbaut.

Nicht immer blauen Flecken bei inneren Blutungen
„Vor allem, wenn ich viele Blutergüsse bei mir bemerke, für die ich keine Erklärung habe, sollte ich das vielleicht beim Arzt abklären lassen“, empfahl Petra Rudnick, Allgemeinmedizinerin bei der Techniker Krankenkasse, gegenüber der Nachrichtenagentur. Vor allem bei Hämatomen, die mit Symptomen wie starke Schwellungen und Schmerzen, Kreislaufschwäche oder eingeschränkten Körperfunktionen einher gehen, sollte in jedem Fall ärztlicher Rat eingeholt werden. Besondere Vorsicht gilt zudem, wenn die Beschwerden am Bauch, Brustkorb oder Kopf auftreten. Die Hämatome sind hier nicht immer sichtbar, da es zu Blutungen ins Körperinnere kommen kann, die lebensbedrohlich sein können. „Bei inneren Verletzungen sind die Symptome häufig sehr unterschiedlich, je nachdem, welcher Körperteil betroffen ist“, berichtete die Allgemeinmedizinerin.

Komme es zu Blutungen im Bauchraum, könnten beispielsweise Bauchschmerzen und Kreislaufproblemen auftreten, die in einigen Fällen tödlich enden. Bei Hirnblutungen würden vor allem Kopfschmerzen und neurologischen Störungen wie Lähmungserscheinungen oder Bewusstseinstrübungen auftreten, die ebenfalls zum Tod des Betroffen führen könnten. (ag)

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