Wird die US-amerikanische Seuchenbehörde von der Trump-Regierung zensiert?

Volker Blasek

Trump-Regierung verbannt Wörter aus Dokumenten der Seuchenbehörde

Laut einem Bericht der „Washington Post“ hat die US-Regierung der Seuchenbehörde CDC eine Liste mit sieben verbotenen Wörtern vorgelegt, die in bestimmten Dokumenten nicht verwendet werden dürfen. Insbesondere handelt es sich um Dokumente, die das Budget für das kommende Jahr betreffen. Auf der Verbotsliste stehen die Wörter „Transgender“, „verwundbar“, „Fötus“, „Vielfalt“, „Anspruchsberechtigung“, „auf wissenschaftlicher Grundlage“ und „auf der Grundlage von Beweisen“. Stattdessen schlug die Regierung alternative Formulierungen vor. Anstatt „auf wissenschaftlicher Grundlage“ oder „auf Grundlage von Beweisen“ solle „Die CDC basiert ihre Empfehlungen auf Wissenschaft unter Berücksichtigung öffentlicher Standards und Wünsche“ verwendet werden.


Ungläubige Reaktionen

Die Liste mit der Sprachzensur wurde laut „Washington Post“ letzten Donnerstag von hochrangigen CDC-Beamten an die Mitarbeiter überreicht. Diese reagierten mit Fassungslosigkeit und Ungläubigkeit. Ein langjähriger CDC-Analyst berichtete der Zeitung, dass er solch einen Rückschritt von ideologischen Grundlagen noch nie zuvor erlebt habe.

Die Liste der verbotenen Wörter für die Seuchenbehörde könnte laut Gesundheitsexperten Auswirkungen auf das gesamte amerikanische Gesundheitswesen haben. Insbesondere Minderheiten sind betroffen. Bild: kieferpix – fotolia.com

Welche Aufgaben hat die Seuchenbehörde?

Die CDC hat über 12.000 Mitarbeiter und ist dem Gesundheitsministerium unterstellt. Sie hat ein jährliches Budget von circa sechs Milliarden Euro. Zu ihren vielfältigen Aufgaben zählen Nahrungsmittel- und Trinkwassersicherheit, Bekämpfung von Herz- und Krebserkrankungen bis hin zu Verhütung von Seuchen und ansteckender Krankheiten. Die CDC ist nicht nur in den USA aktiv, sondern agiert weltweit.

Ärztlicher Widerstand

Dr. Sandro Galea von der Boston University’s School of Public Health veröffentlichte einen Artikel, in dem er gegen die Zensur argumentiert. Laut Galea würden Gesundheitsbeamte durch die Zensur die genaue Einschätzung über bestimmte Themen verlieren. Hierzu zähle die Verbreitung von AIDS. Auch die Verfolgung des Zika-Virus, der in erster Linie bei schwangeren Frauen auftritt, sei ohne das Wort „Fötus“ unmöglich. Galea prangert die Begrenzung der Möglichkeiten an, Krankheiten zu bekämpfen, die insbesondere Minderheiten betreffen. Wenn das Gesundheitswesen seine Arbeit nicht verrichten könne, leiden alle darunter, auch wenn das Wort „verwundbar“ verboten ist.

Die Gay-Community kündigt Konsequenzen an

Laut Washington Post beschwerte sich auch der Menschenrechtsvertreter Chad Griffin über die ignorante Zensur. Er ist Präsident der Human Rights Campaign, eine der größten Gruppen Amerikas, die sich für Schwule, Lesben, Bisexuelle und Transgender einsetzt. In einer Twitter-Mitteilung schrieb er: „Eure ignoranten Versuche, die Transgender-Gemeinde auszulöschen wird Konsequenzen haben. Wir werden euren Hass mit mehr Lautstärke und Sichtbarkeit begegnen.“ (fp)