Studie: Kaffee als Wirkstoff gegen Alzheimer

Sebastian

Studie: Wirkung von Koffein gegen Alzheimer

08.04.2014

Der Deutschen liebstes Getränk, der Kaffee, wurde lange Zeit als überwiegend gesundheitsschädlich eingestuft. Doch das darin enthaltene Koffein hilft möglicherweise nicht nur kurzfristig gegen Müdigkeit, sondern auch langfristig gegen Alzheimer. Darauf lassen die Ergebnisse einer deutsch-französischen Studie hoffen.

Koffein könnte langfristig gegen Alzheimer helfen
Das beliebteste Getränk der Deutschen, der Kaffee, gilt als konzentrationsfördernd und schneller Wachmacher. Das darin enthaltene Koffein hilft jedoch nicht nur kurzfristig gegen Müdigkeit, sondern möglicherweise auch langfristig gegen Alzheimer. EinForscherteam der Universitäten Bonn und Lille (Frankreich) fand heraus, dass ein Koffein-ähnlicher Wirkstoff im Laborversuch mit Mäusen Ablagerungen des sogenannten Tau-Proteins im Gehirn hemmt.

Zwei Hauptindikatoren für Alzheimer-Krankheit
Solche Tau-Ablagerungen sind einer der zwei Hauptindikatoren für die Alzheimer-Krankheit. Bei dem anderen Indikator, Verklumpungen aus Amyloid-Beta-Protein, war die positive Wirkung von Koffein bei Mäusen bereits belegt. Erstmals wurde nun durch das Forscherteam um die Bonner Professorin Christa Müller und ihren Forscherkollegen David Blum aus Lille die Wirkung auch für das Tau-Protein bestätigt. Die Wissenschaftler veröffentlichten erste Ergebnisse dazu in der Online-Ausgabe des Fachmagazins „Neurobiology of Aging“.

Ausgesprochen vielversprechender Ansatz
Koffein blockiert demnach bestimmte Rezeptoren im Gehirn, die sonst vom Botenstoff Adenosin aktiviert werden. Laut Vorstudien wirkt sich diese Blockade auf die Amyloid-Beta-Schädigungen aus. So wird die Menge der schädlichen Verklumpungen reduziert und ein schützender Effekt durch Koffein tritt ein. Wie die aktuelle Studie zeigt, hilft der Effekt auch gegen die Tau-Ablagerungen. Werner Hofmann, ehemaliger Präsident der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie, sprach von einem „ausgesprochen vielversprechenden Ansatz“ der Studie. „Der Weg ist allerdings noch sehr weit.“ Außerdem sei der Rahmen des Projekts eher klein: „Das Volumen der Forschungsgelder ist ganz bescheiden.“ So erhielt Professorin Müller vom gemeinnützigen Verein „Alzheimer Forschung Initiative“ (AFI) 30.000 Euro und ihr Kollege aus Lille forschte mit knapp 50.000 Euro der französischen Schwesterorganisation der AFI.

Weitere Versuche sind nötig
In einer Erklärung am Montag sprach Müller von „einem guten Schritt voran“. Es sei gezeigt worden, dass der neue Ansatz „in einem Tiermodell, das der Krankheit sehr ähnlich ist, tatsächlich sehr positive Wirkungen“ mit geringen Nebeneffekten habe. Bevor erste klinische Studien anstünden, müssten zunächst weitere Versuche mit Tieren folgen. Bereits vor einigen Jahren gelangten auch Forscher des deutschen Forschungszentrums Jülich im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie zu dem Ergebnis, dass das regelmäßige Trinken von Kaffee das Erkrankungsrisiko von Morbus Alzheimer verringern könne, da das enthaltene Koffein in jenen Arealen des Gehirns wirkt, die bei der Krankheit Alzheimer involviert sind. Diese Erkenntnis war zwar auch schon in früheren Studien gewonnen worden, doch die Jülicher Wissenschaftler konnten erstmals lokalisieren, wo der in Kaffee enthaltene Wirkstoff Koffein im menschlichen Gehirn wirkt. Die Substanz nicht nur in Kaffee, sondern auch in Schwarztee und Schokolade enthalten. (sb)

Bild: Denise / pixelio.de