Chronische Müdigkeit

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Müdigkeit und Erschöpfung

Müdigkeit ist ein sehr subjektiv empfundener Zustand, der nicht eindeutig definiert werden kann. Obwohl jeder Mensch sein eigenes Müdigkeitsempfinden hat, füllen wir den Begriff mit ähnlichen Inhalten. Dies ist sicher damit zu erklären, dass Müdigkeit ein Alltagsphänomen ist, das unser natürliches Schlafbedürfnis anzeigt. Tritt der Zustand sehr drastisch in Erscheinung oder zeigt sie einen stärker werdenden Verlauf, können aber auch psychische und physische Funktionsstörungen oder Erkrankungen dahinter stecken. Für latente Müdigkeit, die (noch) nicht mit klinisch messbaren Veränderungen (Labor, bildgebende Verfahren) einhergeht, finden sich in Naturheilkunde und Alternativmedizin zusätzliche Erklärungen, die in der konventionellen Medizin wenig berücksichtigt werden.

Inhaltsverzeichnis

Schlafmangel & gestörten Biorhythmus
Chronische Viruserkrankungen
Mangelerscheinung
Schmerz der Leber
Müdigkeit und Psyche
Chronische Krankheiten

Schlafmangel & gestörten Biorhythmus

Mit einem müden Gefühl wird zunächst ein Ruhe- und Schlafbedürfnis des Organismus bezeichnet, wie es normalerweise am Abend nach ausgelasteten Tag mehr oder weniger empfunden wird. Im Schlaf werden durch Erholung neue Energiereserven mobilisiert, sodass eine optimale Leistungsfähigkeit nach einer sechs- bis achtstündigen Schlafphase wieder erreicht sein sollte. Wird der gewohnte Schlaf-Wach-Rhythmus gestört, kommt es zu starker Müdigkeit, die dauerhaft in schwerer Erschöpfung mit ernsten gesundheitlichen Folgen münden kann. Besonders berufliche Anforderungen mit Nacht- oder Schichtarbeit sind es, die unseren circadianen Tag-Nacht-Rhythmus, der noch an Tageszeiten, an Stand von Sonne und Mond gebunden ist, aus dem Gleichgewicht bringen und damit Wohlbefinden, Leistungsfähigkeit und Gesundheit beeinträchtigen. Weitere Gründe für Schlafmangel finden sich in Ein- und Durchschlafstörungen oder unruhigem Schlaf mit Albträumen. Jedoch auch zuviel Schlaf kann Müdigkeit hervorrufen, kommt es doch weniger auf die Dauer als auf die Qualität des Schlafes an.

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Chronische Müdigkeit ist im Zusammenhang mit unterschiedlichsten Erkrankungen zu beobachten. (Bild: Niki Love/fotolia.com)

Chronische Viruserkrankungen

Akutes Müdigkeitsgefühl ohne Schlafmangel kann auch einen Infekt ankündigen, der sich gerade anbahnt. Manchmal bleiben eine latente Müdigkeit und Leistungseinbußen jedoch noch lange nach den abgeklungenen Symptomen wie z.B. Fieber, Husten oder Schnupfen noch lange Zeit bestehen. Es wird in der naturheilkundlich orientierten Medizin eine Umwandlung verschiedener Viren und Impfviren in sogenannte Slow-Formen vermutet, die als chronisch virale Krankheit mit neuen Ausdrucksformen erscheinen. Die Symptome können dabei sofort nach überstandener Krankheit bzw. Impfung auftreten, es können aber auch Monate oder Jahre bis zum Ausbruch der Symptome vergehen. Nach Erfahrungen mit klinischen Verläufen, Berichten von Betroffenen und Elektroakupunkturmessung alternativer Mediziner sind es vor allem das Epstein-Barr-Virus (Pfeiffersches Drüsenfieber), Herpes-simplex-Virus, Masernvirus sowie verschiedene Untertypen des Influenza-Virus (Grippe), die in neuer Ausdrucksform u.a. mit dem Hauptsymptom Müdigkeit bzw. Erschöpfung in Erscheinung treten.

Mangelerscheinungen

Um körperlich und geistig wach und leistungsfähig zu bleiben, benötigt unser Organismus regelmäßig die Zufuhr von Wasser, Nährstoffen, Mineralsstoffen und Spurenelementen. Trinken wir zuwenig Wasser, führt innere Austrocknung zu Müdigkeit, zu Konzentrationsstörungen und einer Dysbalance im Elektrolytehaushalt.

Auch wenn einseitige Ernährung, Störungen der Darmflora, starker Durchfall, Stress oder Schwangerschaft einen Vitamin- und Mineralstoffmangel bewirken, wird dieser häufig von physisch und psychisch empfundener Müdigkeit, Abwehrschwäche und Antriebslosigkeit begleitet. Eisenmangel kann dabei beispielsweise Blutarmut (Anämie) verursachen, während Kaliummangel Muskelschwäche auslöst. Eine abwechslungsreiche Kost mit ausreichend grünem Gemüse und Vollkornprodukten beugt einem Vitamin- und Mineralstoffmangel i.d.R. ausreichend vor. Besteht erhöhter Bedarf, etwa in Schwangerschaft oder Rekonvaleszenz, können Vitamine und Mineralstoffe zeitweise zugeführt werden. Bei organischen Störungen sollte eine Therapie nach der Grunderkrankung erfolgen.

Schmerz der Leber

In der Naturheilkunde gilt Müdigkeit heute noch als „Schmerz der Leber“. Die Leber ist das wichtigste Organ beim Abbau körpereigener und körperfremder Stoffe. Diese Aufgabe als wichtigste Entgiftungszentrale bewältigt die Leber mit Hilfe von Enzymen, die nur hier ausreichend vorkommen, um für den stetigen Umbau und der Ausscheidung toxischer Abfallprodukte über Galle und Nieren zu sorgen. Die Leber wird durch die Konfrontation mit Umweltgiften, chemischen Nahrungsmittelzusätzen, Drogen, Medikamente und Schwermetallen derart überlastet, dass es zu eingeschränkter Leberfunktion und Leberstauung kommen kann, die u.a. mit den Symptomen Müdigkeit, rasche Erschöpfung und Leistungsminderung einhergehen, weil die giftigen Substanzen in Blut und Nervensystem gelangen können. Deutlich wird dies bei der sogenannten „Frühjahrsmüdigkeit“, deren Kur (Kräuter, Wickel, Homöopathika) insbesondere die Leber berücksichtigt. In der Naturheilkunde gehören Kräuter zur Stärkung der Leber ohnehin in nahezu jede Rezeptur. Lebererkrankungen, zu deren Hauptsymptome die Müdigkeit zählen sind so auch die Fettleber, Leberzirrhose und chronische Hepatitis.

Müdigkeit und Psyche

Der müde Zustand kann auch ein Symptom sein, dass umschriebene psychische Syndrome ankündigt aber auch ständig begleitet. So wird bei Depression, insbesondere der larvierten Depression (manchmal lange Zeit ausschließlich) über andauernde Müdigkeit und Erschöpfung geklagt. Anhaltender Stress führt ohne Entspannungsphasen zu physischen, emotionalen und kognitiven Ermüdungserscheinungen, die im sogenannten Burnout-Syndrom münden können. Ebenso kann aber auch Unterforderung zu psychischen Problemen mit Müdigkeitsgefühlen führen, wie es beim Beschwerdebild des Bore-out aufgeführt wird. Schließlich wird nach Ausschluss unzähliger Erkrankungen und Störungen das chronische Erschöpfungssyndrom (CFS) diagnostiziert, insbesondere wenn Schmerzzustände hinzukommen.

In der Naturheilkunde wird die strikte Trennung von körperlichen und psychischen Vorgängen durch eine Betrachtung auf komplexe, eng miteinander verwobene und sich gegenseitige beeinflussende Vorgänge im Organismus ersetzt. Um diese zu regulieren, werden in der Therapie deshalb idealerweise aus psychotherapeutischen Maßnahmen (Gesprächstherapie, Hypnotherapie), klassischen Naturheilverfahren (Leberentgiftung, Ausleitungsverfahren) und energetischen Methoden (Ohrakupunktur, Bachblüten, Homöopathie) individuelle Konzepte erstellt und mit einer Umstellung der Lebens- und Ernährungsweise kombiniert.

Chronische Krankheiten

Müdigkeit wird weiterhin bei einer Vielzahl von chronischen Funktionsstörungen und Erkrankungen empfunden. Dazu gehören beispielsweise Fibromyalgie, Sick-Sinus-Syndrom, ein niedriger Blutdruck (Hypotonus), Unterzuckerung, chron. Glomerulonephritis, chron. Hypothyreose, latentes Schielen (Heterophorie) sowie Krampfanfälle im Gehirn (Epilepsie). Bei AIDS und bösartigen Krebserkrankungen (mit und ohne durchgeführter Chemotherapie) führt die allgemein herabgesetzte Abwehrlage zu Müdigkeit und Erschöpfung. (Dipl.Päd. Jeanette Viñals Stein, Heilpraktikerin)

1: Jorma Bork  / pixelio.de