Wissenschaftler: Gehirne von Schizophrenie-Patienten versuchen sich selbst zu reparieren

Menschen mit Schizophrenie leiden unter einer Vielzahl von charakteristischer Störungen. Eine Behandlung gestaltet sich meist als äußerst schwierig. Jetzt konnte festgestellt werden, dass unser Gehirn anscheinend die Fähigkeit hat sich selbst zu reorganisieren. (Bild: psdesign1/fotolia.com)
Alexander Stindt
Neuste Forschungsergebnisse bringen Hoffnung für Menschen mit Schizophrenie
Wenn Menschen unter Schizophrenie leiden, treten eine Vielzahl charakteristischer Störungen auf. Diese beeinträchtigen die Wahrnehmung, das Denken, unsere sogenannten Ichfunktionen, den Willen, den Antrieb sowie die Psychomotorik. Forscher fanden jetzt heraus, dass die Gehirne von Patienten mit Schizophrenie allerdings die Fähigkeit haben, sich selber zu reorganisieren und die Krankheit zu bekämpfen.

Ein internationales Team unter Leitung kanadischer Wissenschaftlern vom Lawson Health Research Institute und dem Robarts Research Institutes at Western University stellte jetzt bei einer Untersuchung fest, dass die Gehirne von Menschen mit Schizophrenie sicher selber reorganisieren und reparieren können. Dies ist der erste Beweis für die Fähigkeit unseres Gehirns, die Auswirkungen von Schizophrenie umzukehren. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der Fachzeitschrift „Psychology Medicine“.

Menschen mit Schizophrenie leiden unter einer Vielzahl charakteristischer Störungen. Eine Behandlung gestaltet sich meist als äußerst schwierig. Jetzt konnte festgestellt werden, dass unser Gehirn anscheinend die Fähigkeit hat, sich selbst zu reorganisieren. (Bild: psdesign1/fotolia.com)
Menschen mit Schizophrenie leiden unter einer Vielzahl charakteristischer Störungen. Eine Behandlung gestaltet sich meist als äußerst schwierig. Jetzt konnte festgestellt werden, dass unser Gehirn anscheinend die Fähigkeit hat, sich selbst zu reorganisieren. (Bild: psdesign1/fotolia.com)

Geringfügige Erhöhung des Gehirngewebevolumens feststellbar
Schizophrenie ist eine Erkrankung, die im Allgemeinen mit einer weit verbreiteten Reduktion des Gehirngewebevolumens verbunden ist. Jedoch fand jetzt eine aktuelle Studie heraus, dass eine subtile Erhöhung des Gewebes in bestimmten Hirnregionen festzustellen ist. Die Untersuchung überwachte 98 Patienten mit Schizophrenie, deren Daten mit 83 gesunden Probanden verglichen wurden, sagen die Mediziner. Das Forscherteam verwendete sogenanntes Magnetic Resonance Imaging (MRI) und ein ausgeklügeltes Konzept namens Kovarianzanalyse, um die Erhöhung des Hirngewebes aufzuzeichnen.

Neue Erkenntnisse könnten zukünftige Heilung von Schizophrenie ermöglichen
Die neuen Erkenntnisse könnten eine zukünftige Heilung von Schizophrenie und anderen schweren psychischen Erkrankungen ermöglichen, erläutert Autor Dr. Lena Palaniyappan vom Lawson Health Research Institute. Derzeitige Behandlungsmethoden seien lediglich auf eine Linderung der Krankheit ausgelegt. Eine Umkehrung der kognitiven und funktionalen Defizite ist bei der Behandlung bisher nicht vorgesehen, fügt Dr. Palaniyappan hinzu.

Gehirne von Schizophrenie-Patienten versuchen sich ständig neu zu organisieren
Es besteht eine langjährigen Vorstellung, dass Schizophrenie eine degenerative Krankheit ist, die sozusagen schon sehr früh im Verlauf der Entwicklung des Gehirns einen zerstörerischen Samen sät, sagen die Experten. Dieser löst später die Beschädigung unseres Gehirns aus. Trotz der Schwere der erlittenen Gewebeschädigung, versucht das Gehirn eines Patienten mit Schizophrenie sich ständig neu zu organisieren, erläutern die Forscher. Dies geschieht möglicherweise, um sich selbst zu retten oder um den bereits erlittenen Schaden zu reduzieren, erklärt Dr. Palaniyappan.

Ergebnis ist ein enormer Fortschritt im Verständnis von Schizophrenie
Als nächstes wird das Forscherteam die Entwicklung des Reorganisationsprozesses untersuchen, indem wiederholte Analysen des Gehirns einzelner Patienten mit früher Schizophrenie durchgeführt werden. Danach soll die Wirkung dieser Reorganisation auf die Genesung beurteilt werden. Noch vor 100 Jahren wurde die Krankheit als eine Art vorzeitige Demenz angesehen, die eine scheinbar progressive Verschlechterung der Fähigkeiten unseres Gehirns bewirkt, sagen die Experten.

Beteiligte Forscher und Institute an der Studie:
Die neuen Ergebnisse könnten dabei helfen, dass unser Gehirn die eigenen kompensatorischen Veränderungen nutzt und dadurch die Genesung verbessert wird, erläutern die Mediziner. Das Projekt ist das Ergebnis einer internationalen Zusammenarbeit zwischen Wissenschaftlern der University of Nottingham (Großbritannien), der Fudan University (Shanghai; Volksrepublik China), der Hunan Normal University (Changsha; Volkrepublik China) sowie dem Robarts Research Institutes at Western University und dem Lawson Health Research Institute. (as)

Advertising