Zahl der Krebs-Todesfälle bei Frauen wird künftig drastisch steigen

Laut einer neuen Studie wird die Krebs-Sterberate bei Frauen in den kommenden Jahrzehnten enorm zunehmen. Es wird ein Anstieg um fast 60 Prozent befürchtet. (Bild: offstocker/fotolia.com)
Alfred Domke
Immer mehr Frauen werden an Krebs sterben
Einer neuen Studie zufolge wird die Zahl der Krebs-Todesfälle bei Frauen in den kommenden Jahrzehnten dramatisch zunehmen. Laut der Prognose findet innerhalb von weniger als 20 Jahren ein Anstieg um fast 60 Prozent statt. Aufklärung und bessere Prävention sollen dem Trend entgegenwirken.

Krebs-Todesfälle bei Frauen werden massiv zunehmen
Zwar berichteten Wissenschaftler vor wenigen Monaten, dass die Krebs-Sterberate in 20 Jahren um 23 Prozent reduziert wurde, doch diese Zahlen bezogen sich nur auf die USA sowie auf beide Geschlechter. Weltweit – und speziell für Frauen – sieht die Situation ganz anders aus: Einer neuen Studie zufolge sollen die Krebs-Todesfälle bei Frauen in den kommenden Jahrzehnten massiv zunehmen.

Laut einer neuen Studie wird die Krebs-Sterberate bei Frauen in den kommenden Jahrzehnten enorm zunehmen. Es wird ein Anstieg um fast 60 Prozent befürchtet. (Bild: offstocker/fotolia.com)
Laut einer neuen Studie wird die Krebs-Sterberate bei Frauen in den kommenden Jahrzehnten enorm zunehmen. Es wird ein Anstieg um fast 60 Prozent befürchtet. (Bild: offstocker/fotolia.com)

Überalterung der Gesellschaft und Bevölkerungswachstum
Laut der am Dienstag in Paris vorgestellten Untersuchung könnten im Jahr 2030 weltweit rund 5,5 Millionen Frauen an bösartigen Tumoren sterben. Dies wäre ein deutlicher Anstieg um fast 60 Prozent in weniger als zwei Jahrzehnten. 2012 starben laut Schätzungen 3,5 Millionen Frauen an Krebs.

Die US-Krebsgesellschaft American Cancer Society, die für die Studie mit dem deutschen Pharmaunternehmen Merck zusammenarbeitete, führt die massive Steigerung der Todesfälle vor allem auf die Überalterung der Gesellschaft und das Bevölkerungswachstum zurück.

Entwicklungsländer besonders stark betroffen
Die Studienautoren rechnen damit, dass die negative Entwicklung Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen besonders trifft. Denn dort steige wegen der Fortschritte im Gesundheitssystem die Lebenserwartung, parallel dazu habe die wirtschaftliche Entwicklung Auswirkungen auf Risikofaktoren wie Übergewicht.

Sally Cowal, Co-Autorin der Studie, sagte der Nachrichtenagentur AFP am Rande des Pariser Weltkongresses zum Kampf gegen Krebs, dass die Untersuchung auch die „große geographische Ungleichheit“ bei der Verfügbarkeit von Präventionsmaßnahmen und Behandlungsmethoden zeige.

Vor allem in Entwicklungsländern seien bessere Aufklärung und Prävention sowie mehr Behandlungsmöglichkeiten für Erkrankte nötig.

Zweithäufigste Todesursache bei Frauen
Krebs ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen die zweithäufigste Todesursache bei Frauen. Die meisten Todesopfer fordern Brustkrebs, Darmkrebs, Lungenkrebs und Gebärmutterkrebs.

In Deutschland nehmen vor allem die Lungenkrebs-Todesfälle bei Frauen dramatisch zu, berichtete das Statistische Bundesamt vor kurzem. Insbesondere die Spätfolgen des Rauchens sind hier als Ursache zu nennen. Schon im vergangenen Jahr hatten Wissenschaftler berichtet, dass Lungenkrebs in Europa mehr Frauen tötet als Brustkrebs.

Zugang zu Früherkennungs- und Behandlungsmethoden
Viele der weltweiten Krebsfälle könnten laut Wissenschaftlern verhindert werden, beispielsweise die von Gebärmutterhalskrebs, wenn junge Mädchen gegen Humane Papillomviren (HPV) geimpft würden.

Die Studienautoren sehen hier noch großen Nachholbedarf. Auch bei Brustkrebs bleibt der Zugang zu Früherkennungs- und Behandlungsmethoden in Entwicklungsländern ein großes Problem. In der Studie ist von einer „Unterversorgung“ bei Bestrahlungsgeräten in Afrika und Südostasien die Rede. Den Angaben zufolge gibt es beispielsweise in rund 30 Staaten keine Möglichkeit für eine Strahlentherapie.

Das Leben vieler Frauen retten
„Krebserkrankungen wirken sich aber nicht nur physisch auf die erkrankten Frauen und ihre Familien aus, sondern haben auch wirtschaftliche Konsequenzen“, schreibt das Pharmaunternehmen Merck in einer Pressemitteilung. Demnach ermittelte die Studie für das Jahr 2009 eine weltweite wirtschaftliche Belastung in Höhe von rund 286 Milliarden US-Dollar durch Krebserkrankungen.

„Sowohl der öffentliche als auch der private Sektor als Beteiligte des globalen Gesundheitswesens müssen zwingend Wege finden, um die Auswirkungen von Krebserkrankungen auf Frauen durch stärkere Prävention und Behandlung zu reduzieren“, sagte die US-Botschafterin Sally Cowal, Senior Vice President des Bereichs Global Health der American Cancer Society. „Nur so kann weltweit das Leben von vielen Frauen gerettet werden.“ (ad)

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