Taping – Tapen

taping
Susanne Waschke

Taping – eine relativ neue, therapeutische Methode, die in aller Munde ist. Seit vielen Jahren schon ist diese Technik in Asien, Japan und den USA etabliert. Die erfolgversprechende Therapieform setzt sich in Europa, so auch in Deutschland immer mehr durch. Sie wird angewandt von Physiotherapeuten, Ärzten und Heilpraktikern.

Der Name Taping kommt aus dem Englischen, und zwar von „tape“. Dies bedeutet „Band, Klebeband“, also ein Verfahren, bei dem Klebebänder benutzt werden. Diese sind dehnbar, damit durch das Anlegen beziehungsweise Aufkleben, die Bewegungsfreiheit nicht eingeschränkt wird. Denn die Bewegung ist entscheidend, wenn das Taping-Band eine heilende Wirkung und Linderung bringen soll.

Inhaltsverzeichnis

Grundlagen
Unterschied Aku-Taping – Kinesio-Taping
Traditionell Chinesische Medizin (TCM)
Wirksamkeit
Anwendungsbereiche
Kleben ist kein Allheilmittel
Kontraindikationen
Aussehen, Beschaffenheit, Anwendung
Allergische Reaktion
Zu treffende Vorkehrungen
Verschiedene Farben
Wo geklebt wird
Verschiedene Anlagetechniken
Ausbildung notwendig

Grundlagen

Der Begründer des Kinesio-Taping ist der japanische Arzt und Chiropraktiker Kenzo Kase, der diese Methode vor mehr als 30 Jahren entwickelte. Tapen war schon bekannt, jedoch mit einem starren Band, dass vor allem zur Ruhigstellung verwendet wurde. Das Neue an der Taping-Methode war, dass hier kein festes Band, sondern ein Tape, das atmungsaktiv und dehnbar ist, zum Einsatz kommt. Die Haut haftet daran und bei jeder Bewegung werden deren Schichten angehoben und Rezeptoren stimuliert, wodurch ein ständiger Reiz für betroffene Muskulatur, Bänder oder auch Gelenke entsteht.

Taping wurde ursprünglich nur bei orthopädischen Problemen angewandt. Mittlerweile hält dies aber auch Einzug in anderen Bereichen, wie der Schmerztherapie und der Gynäkologie. Die Grundlage der verschiedenen Methoden ist das Kinesio-Taping, das auf Kenzo Kase zurückgeht. Der Name ist abgeleitet aus dem Griechischen, „kinesis“, was soviel wie Bewegung heißt. Das Klebeband wird dabei meist auf vorgedehnte Muskeln oder Gelenke aufgebracht. Die Bewegungsfreiheit ist dadurch nicht eingeschränkt.

Unterschied Aku-Taping – Kinesio-Taping

Das Kinesio-Taping wird nach anatomischen Kenntnissen unmittelbar auf dem schmerzenden Bereich angewandt. Das Aku-Taping, eine Weiterentwicklung dessen, verbindet die anatomischen Gesetzmäßigkeiten mit dem Wissen der Chinesischen Medizin und ist somit vielseitiger einsetzbar. Jedoch bleibt die Wirkung nach wie vor umstritten. Für beide Verfahren gilt, dass diese nur von Fachleuten angewandt werden sollten.

Traditionell Chinesische Medizin (TCM)

Die Traditionell Chinesische Medizin (TCM) ist ein mehr als 3.000 Jahre altes ganzheitliches, in sich stimmiges Heilsystem, das seinen Ursprung in China hat. Zur TCM gehören Akupunktur, Diätetik, Massage, Tuina, Bewegungslehre und Vieles mehr. Körper, Seele und Geist sind in der chinesischen Medizin unzertrennbar. Gesundheit bedeutet Harmonie von Yin und Yang, die als gegensätzliche Pole in jedem Menschen vorhanden sind.

In der TCM existieren fünf Elemente, die mit den Rhythmen der Natur einhergehen. So zum Beispiel werden Menschen, deren Organe, Erkrankungen, aber auch Eigenschaften, wie Zorn, Ängste oder Wut diesen Rhythmen zugeordnet. Ein Beispiel dafür ist die Leber. Wut oder Zorn ist deren negative Eigenschaft und Holz das zugehörige Element. Die Akupunktur, auch ein Teil der TCM, hat sich mittlerweile etabliert und gewinnt immer mehr an Anerkennung. Nach der Denkweise der chinesischen Medizin durchlaufen den Körper verschiedene Energiebahnen, auf denen die Akupunkturpunkte angeordnet sind. Das Wissen um die TCM, vor allem die Akupunktur, gehen in die Therapieform des Aku-Taping mit ein. So werden zum Beispiel auch Bänder auf Meridiane (Energiebahnen) geklebt, um hier den Fluss zu steigern, oder es werden auch gitterförmige Pflaster auf Akupunkturpunkte aufgebracht.

Wirksamkeit

Taping ist eine schonende Methode um die Heilung zu forcieren. Durch das Aufkleben des Tapes wird die Haut bei jeder Bewegung ganz sanft massiert, die Lymphe und der Blutfluss dabei stimuliert. Die unter dem Tape liegenden Strukturen werden in einen leichten Reizzustand gebracht, was sowohl den Stoffwechsel, als auch die Selbstheilungskräfte anregt.

Anwendungsbereiche

Taping kommt mittlerweile bei einer große Menge von Anwendungsbereichen zum Einsatz, wobei dies am häufigsten Probleme des Bewegungsapparats wie im Bereich der Wirbelsäule, der Gelenke und Muskeln sind. Im Profisport findet dies eine präventive Verwendung, um massiv beanspruchte Körperzonen zu schützen und zu unterstützen. So wird zum Beispiel bei Sportarten, wie Tennis oder Squash oftmals das Ellbogengelenk getapet. Die Lendenwirbelsäule wird präventiv beklebt, um diesen Bereich vor zu starken Drehbewegungen zu schützen und Kreuzschmerzen vorzubeugen. Auch im Bereich des Knies oder der Achillessehne ist das Taping zur Vorbeugung sehr verbreitet.

Des weiteren findet das „Kleben“ Anwendung bei orthopädischen Beschwerden, wie Gelenkschmerzen undergüssen, Schulterstechen bzw. -schmerzen, Knieschmerzen, Hüftschmerzen, Schmerzen des Handgelenks, der Wirbelsäule, des Ellbogens sowie bei Muskelzerrungen, Muskelkater und vielem mehr. Nach Operationen wird das Taping gegebenenfalls unterstützend eingesetzt. Aber auch in der Gynäkologie, zum Beispiel bei Menstruationsschmerzen, und im internistischen Bereich bei Bauchschmerzen oder Durchfall kann diese relativ neue Behandlungsmethode Linderung verschaffen, vorausgesetzt, das Band wird von einem Fachmann angelegt.

Kleben ist kein Allheilmittel

Taping ist kein Allheilmittel, kann jedoch bei vielen Erkrankungen unterstützend eingesetzt werden. Ist der Energiefluss im Körper allerdings aus irgendwelchen Gründen blockiert, entsteht eine sogenannte Regulationsstarre, was bewirken kann, dass bisher angewandten Therapien, so auch das Klebeband, keinen positiven Effekt entfalten. Der Begriff Regulationsstarre ist bekannt in der Naturheilkunde und sagt aus, dass zum Beispiel durch eine ungesunde Ernährungsweise der Stoffwechsel so negativ beeinflusst wird, dass in dem erkrankten Gebiet eine Blockade vorherrscht. Hier muss zuerst diese aufgelöst werden, wobei meistens Maßnahmen zur Entgiftung und/oder Entsäuerung anzuwenden sind.

Kontraindikationen

Taping darf nicht bei jedem angewandt werden, auch hier existieren Kontraindikationen. Die Schwangerschaft ist eine ganz besondere Zeit im Leben einer Frau und hier sollte unbedingt vor der Anwendung der behandelnde Gynäkologe befragt werden. Bei vorliegenden, noch nicht schulmedizinisch abgeklärten Krankheiten, ist auf jeden Fall vor dem Einsatz des Tapes der Arzt zu befragen. Bei der Einnahme von blutverdünnenden Medikamenten ist ebenfalls Vorsicht geboten. Auch im Bereich der psychischen Erkrankungen darf Taping nicht einfach leichtfertig zum Einsatz kommen, sondern es sollte vorher ärztlicher Rat eingeholt werden. Auf erkrankten Hautstellen und bei Allergien sowie im Bereich einer Fraktur oder Ruptur sollte diese Methode nicht zum Einsatz kommen.

Aussehen, Beschaffenheit, Anwendung

Das Tape besteht aus einem hochwertigen elastischen Baumwollgewebe, das bis zu 160 Prozent dehnbar ist. Auf seiner Unterseite ist ein hautverträglicher Acrylkleber in Wellenform aufgetragen. Das Tape ist latexfrei. Durch die Körperwärme hält das Band noch besser und kann bis zu sieben Tage lang auf der Haut verbleiben. Duschen und Sauna sind kein Problem, da das Band kein Wasser speichern kann. Die Ausnahme ist Salzwasser oder stark gechlortes Wasser, was beides dazu beiträgt, dass sich das Klebeband schneller löst. Schwitzen hingegen schadet nicht. Nach dem Duschen soll das Band nicht mit einem Handtuch trocken gerubbelt, sondern nur abgetupft werden. Eine Wartezeit von mindestens dreißig Minuten ist zwischen Kleben des Tapes und einer sportlichen Aktivität einzuhalten, da sich in dieser Zeit das Band erst so richtig mit der Haut verbinden muss. Diese „Versiegelungszeit“ ist wichtig, um eine ausreichende Wirkkraft zu entfalten.

Allergische Reaktion

Eine allergische Reaktion auf das Klebeband ist selten. Dies kommt am ehesten bei Patienten vor, die eine sehr empfindliche Haut haben. Treten Juckreiz und/oder Rötung auf, kann das Tape ganz einfach entfernt werden, damit sich die Haut wieder erholt. Das aufgeklebte Band wird mit Wasser oder Öl angefeuchtet und dann langsam und vorsichtig von der Haut abgelöst.

Zu treffende Vorkehrungen

Einige Vorkehrungen sind vor dem Taping zu treffen. Die Haut, auf der geklebt wird, muss fettfrei, sauber und trocken sein. Häufig wird sie vorher mit einem feuchten Tuch oder aber mit einer Desinfektionslösung gereinigt und anschließend gut abgetrocknet. Liegt an der zu behandelnden Stelle eine starke Körperbehaarung vor, werden die Haare vor dem Kleben gekürzt. Werden diese komplett durch Enthaaren entfernt, so sollte mit dem Kleben mindestens ein Tag gewartet werden, da nicht über Hautirritationen behandelt wird. Die Enden der Bänder werden vor dem Aufkleben stets mit einer Schere abgerundet, damit sich diese nicht so schnell von der Haut lösen können.

Verschiedene Farben

Die Tapes sind eigentlich alle gleich und trotzdem in verschiedensten Farben erhältlich. Die Farbwirkung beim Taping ist immer noch umstritten. Die Naturheilkunde setzt diese je nach Indikation ein. So dient ein Blau zum Kühlen, ein Rot zum Erwärmen und Hautfarben sind als energetisch neutral zu betrachten. In manchen Praxen können sich die Patienten die Farbe auswählen, die sie bevorzugen. Lehnen die Betroffen nämlich die Farbe ab, so bleibt unter Umständen auch die Wirkung aus.

Wo geklebt wird

Der Hauptschmerzort ist der erste Bereich, in dem das Klebeband zum Einsatz kommt. Eventuell wählt der Therapeut noch einen weiteren Ort aus, an dem getapet wird. Das Band verweilt dort zwischen fünf und sieben Tagen und wird, je nach vorliegenden Beschwerden mehrmals erneuert.

Verschiedene Anlagetechniken

Je nach Einsatzbereich werden beim Taping verschiedene Anlagetechniken unterschieden. So wird das Tape bei der sogenannten Muskelanlage beginnend am Ansatz eines Muskels und in Richtung dessen Ursprungs oder umgekehrt geklebt. Dies hilft gegen Muskelkrämpfe, Hypertonie oder Hypotonie eines Muskels. Eine andere Technik ist die Ligamentanlage. Die Einsatzmöglichkeiten sind hier zum Beispiel die Entlastung und Unterstützung von Gelenken. Eine weitere Möglichkeit ist die Faszienanlage. Diese wird nicht mittig auf dem Ort des Geschehens, sondern seitlich angebracht. Die Indikationen sind hier Fehlstellungen und Fehlhaltungen. Die Nervenanlage dient zum Beispiel bei Kompressionen von Nerven oder einer Ischialgie zur leichten Dehnung und um die Gleitfähigkeit des Nervs zu verbessern. Eine weitere Möglichkeit ist die Lymphanlage, bei der die Tapes streifenförmig aufgeklebt werden, um den Lymphfluss zu verbessern.

Basierend auf die chinesische Medizin, ist die sogenannte Energietechnik zu erwähnen. Hier wird das Qi (chinesischer Begriff für Lebensenergie) angeregt oder reduziert, indem das Tapen auf bestimmten Meridianen erfolgt. Zur Schmerztherapie werden häufig auch Gitterpflaster auf die betroffene Stelle aufgebracht. Getapet wird des Weiteren, um Narben zu entstören, wodurch die Energie wieder fließen kann. Alle genannten Anlagetechniken sind von geschulten Therapeuten durchzuführen.

Ausbildung notwendig

Taping ist eine Therapieform, die richtig angewandt, in den verschiedensten Bereichen die Heilung unterstützen und Linderung bringen kann. Das Aufkleben verschiedenfarbiger Tapes ist eine Methode, die auf jeden Fall eine fundierte Ausbildung erfordert. Die Möglichkeiten dieser Therapieform entwickeln sich immer weiter. So existieren mittlerweile bereits Kinesio-Taping, Aku-Taping, Emotional-Taping, Medi-Taping und das Aufkleben von Gitterpflastern. (sw)