Taping oder Tapen – Wirksamkeit und Anwendung

Susanne Waschke

Tapen – ein Überblick

Taping – eine relativ neue, therapeutische Methode, die in aller Munde ist. Seit vielen Jahren schon ist diese Technik in Asien, Japan und den USA etabliert. Sie wird angewandt von Physiotherapeuten, Ärzten und Heilpraktikern und setzt sich in Europa, so auch in Deutschland, immer mehr durch. Hier erfahren Sie, wie das vielversprechende Tapen funktioniert und welche heilenden Wirkungen ihm zugeschrieben werden.

  • Definition: Taping ist eine Behandlungsmethode, bei der spezielles, elastisches Pflasterklebeband (Tape) mittels verschiedener Techniken auf der Haut angebracht wird.
  • Wirkweise: Den Tapes werden vielfältige Wirkungen zugeschrieben. Hierzu zählen z.B. die Reduzierung von Schmerzen und Schwellungen, Stabilisierung der Gelenke, Verbesserung der Muskelfunktion und Lösung von Verspannungen.
  • Anwendungsgebiete: Tapen kann unter anderem bei Muskelzerrungen, Knieproblemen, Rückenschmerzen, Verspannungen, Gelenkbeschwerden oder zur Vorbeugung von Sportverletzungen eingesetzt werden.
  • Kontraindikation: In einigen Fällen, wie z.B. bei Hauterkrankungen, Allergien, Knochenbrüchen oder bei gleichzeitiger Einnahme von Blutverdünnern, dürfen die Klebestreifen nicht bzw. nur nach Absprache mit dem entsprechenden Arzt zum Einsatz kommen.
  • Wichtig: Das richtige Anbringen der Bänder erfordert eine fundierte Ausbildung und sollte daher nur durch Fachleute erfolgen.

Was ist Taping?

Mit dem Begriff „Taping“ (englisch tape ‚Band‘) wird eine Therapiemethode beschrieben, bei der unter Anwendung verschiedener Techniken spezielles Pflasterklebeband auf der Haut angebracht werden. Der Tapeverband, oft auch kurz als „Tape“ bezeichnet, wird unter anderem von Physiotherapeuten, Orthopäden und Sportmedizinern sowohl zur Behandlung akuter Beschwerden als auch zur Prävention eingesetzt.

Tapen kann stabilisieren und somit Rücken- sowie Rippenschmerzen lindern. (Bild: ehrenberg-bilder/fotolia)

Die auf der Haut haftenden Klebebänder sind dehnbar, damit durch das Anlegen beziehungsweise Aufkleben die Bewegungsfreiheit nicht eingeschränkt wird. Denn die Bewegung ist entscheidend, wenn der Tapeverband eine heilende Wirkung und Linderung bringen soll.

Entwicklung des Kinesio-Tapes

Der Begründer des Kinesio-Taping ist der japanische Arzt und Chiropraktiker Kenzo Kase, der diese Methode vor mehr als 30 Jahren entwickelte. Tapen war schon bekannt, jedoch mit einem starren Band, dass vor allem zur Ruhigstellung verwendet wurde.

Das Neue beim kinesiologischen Taping war, dass hier kein festes Band, sondern ein Baumwollband mit einer Acryl-Klebeschicht zum Einsatz kommt, welches atmungsaktiv und dehnbar ist. Die Haut haftet daran und bei jeder Bewegung werden deren Schichten angehoben und Rezeptoren stimuliert, wodurch ein ständiger Reiz für betroffene Muskulatur, Bänder oder auch Gelenke entsteht.

Taping wurde ursprünglich nur bei orthopädischen Problemen angewandt. Mittlerweile hält dies aber auch Einzug in anderen Bereichen, wie der Schmerztherapie und der Gynäkologie. Die Grundlage der verschiedenen Methoden ist das Kinesio-Taping, das auf Kenzo Kase zurückgeht. Der Name ist abgeleitet aus dem Griechischen, „kinesis“, was soviel wie Bewegung heißt. Das Klebeband wird dabei meist auf vorgedehnte Muskeln oder Gelenke aufgebracht. Die Bewegungsfreiheit ist dadurch nicht eingeschränkt.

Wirksamkeit von Taping

Tapen ist eine schonende Methode um die Heilung zu forcieren. Durch das Aufkleben des Bandes wird die Haut bei jeder Bewegung ganz sanft massiert, die Lymphe und der Blutfluss dabei stimuliert. Die darunter liegenden Strukturen werden in einen leichten Reizzustand gebracht, was sowohl den Stoffwechsel als auch die Selbstheilungskräfte anregt.

Es gibt zwar derzeit noch keinen wissenschaftlichen Beleg für die Wirkung von Kinesio-Tapes, doch sehr viele Anwender berichten von positiven Veränderungen durch die Anbringung der bunten Streifen auf der Haut. Dementsprechend kann es sich auf jeden Fall lohnen, die vielversprechende Technik auszuprobieren.

Den Erfahrungsberichten aus der Praxis zufolge zählen zu den positiven Effekten des Tapings unter anderem eine

  • Verbesserung der Muskelfunktion,
  • Schmerzreduzierung,
  • Linderung von Entzündungen,
  • Anregung und Stärkung des Lymphflusses,
  • Förderung der Durchblutung,
  • Stabilisierung der Gelenke,
  • Verbesserung der Gelenkbeweglichkeit,
  • Unterstützung des Heilungsprozesses nach Verletzungen
  • und die Reduzierung von Verspannungen.
Kinesio-Tape kann sowohl zur Vorbeugung und Stabilisierung bei sportlicher Aktivität als auch bei akuten Schmerzen eingesetzt werden. (Bild: ronstik/fotolia.com)

Anwendungsbereiche für Kinesio-Tape

Taping wird entsprechend der vielfältigen Wirkungsweisen mittlerweile bei einer Vielzahl von Beschwerden und Krankheitsbildern angewendet.

Einsatzbereiche für das Kinesio-Tape sind zum Beispiel:

Kleben ist kein Allheilmittel

Das Anlegen der elastischen Baumwoll-Tapes ist kein Allheilmittel, kann jedoch bei vielen Erkrankungen unterstützend eingesetzt werden. Ist der Energiefluss im Körper allerdings aus irgendwelchen Gründen blockiert, entsteht eine sogenannte Regulationsstarre, was bewirken kann, dass bisher angewandten Therapien, so auch das Klebeband, keinen positiven Effekt entfalten.

Der Begriff Regulationsstarre ist bekannt in der Naturheilkunde und sagt aus, dass zum Beispiel durch eine ungesunde Ernährungsweise der Stoffwechsel so negativ beeinflusst wird, dass in dem erkrankten Gebiet eine Blockade vorherrscht. Hier muss zuerst diese aufgelöst werden, wobei meistens Maßnahmen zur Entgiftung und/oder Entsäuerung anzuwenden sind.

Aussehen, Beschaffenheit und Anwendung von Kinesio-Tape

Das Tape besteht aus einem hochwertigen elastischen Baumwollgewebe, das bis zu 160 Prozent dehnbar ist. Auf seiner Unterseite ist ein hautverträglicher Acrylkleber in Wellenform aufgetragen. Das Tape ist latexfrei.

Durch die Körperwärme hält das Band noch besser und kann bis zu sieben Tage lang auf der Haut verbleiben. Duschen und Sauna sind kein Problem, da das Band kein Wasser speichern kann. Die Ausnahme ist Salzwasser oder stark gechlortes Wasser, was beides dazu beiträgt, dass sich das Klebeband schneller löst. Schwitzen hingegen schadet nicht.

Nach dem Duschen soll das Band nicht mit einem Handtuch trocken gerubbelt, sondern nur abgetupft werden. Eine Wartezeit von mindestens dreißig Minuten ist zwischen Kleben des Tapes und einer sportlichen Aktivität einzuhalten, da sich in dieser Zeit das Band erst so richtig mit der Haut verbinden muss. Diese „Versiegelungszeit“ ist wichtig, um eine ausreichende Wirkkraft zu entfalten.

Die unterschiedlichen Farben der Tapes stehen im Zusammenhang mit verschiedenen körperlichen und emotionalen Wirkungen. (Bild: mdbildes/fotolia.com)

Bedeutung der Farben beim Taping

Die Tapes sind von der Beschaffenheit her eigentlich alle gleich und trotzdem in verschiedenen Farben erhältlich. Die Hauptfarben sind Rot und Blau, neben dem sind z.B. grüne, schwarze, gelbe und beige Bänder erhältlich. Viele Anwender gehen davon, aus, dass sich diese an der chinesischen Farbenlehre orientieren und demnach jede Farbe eine bestimmte Wirkung auf den Körper hat. Ob es hier tatsächlich ein Zusammenhang besteht, ist jedoch nicht belegt und unter Experten umstritten.

In der Praxis werden den Farben der Tapes häufig folgende Bedeutungen bzw. Wirkweisen zugeschrieben:

  • Blau: Wirkt kühlend, schmerzlindernd und entspannend. Daher häufige Anwendung z.B. bei Prellungen, Schwellungen und akuten Schmerzen.
  • Rot/Pink: Aktivierend, wärmend, stabilisiered, löst Blockaden und fördert die Durchblutung.
  • Gelb: Wirkt generell positiv und stimmungsaufhellend, steigert das Wohlbefinden und regt den Stoffwechsel an.
  • Orange: Stärkende und anregende Wirkung auf die betroffene Körperstelle.
  • Beige/Hautfarben: Diese Tapes sind neutral und werden daher gerne für Gesicht, Hals und andere sichtbare Bereiche genutzt.
  • Grün: Ausgleichende und harmonisierende Wirkung, fördert innere Ruhe und Balance, unterstützt den Heilungsverlauf.
  • Schwarz: Signalisiert Kraft und Macht, wirkt neutral und wird daher gerne von Sportlern eingesetzt. Oft auch in Kombination mit anderen Bändern, um deren Wirkung zu unterstützen.

In manchen Praxen können sich die Patienten die Farbe auswählen, die sie bevorzugen. Lehnen die Betroffen nämlich die Farbe ab, so bleibt unter Umständen auch die Wirkung aus.

Kontraindikationen

Taping darf nicht bei jedem angewandt werden, auch hier existieren Kontraindikationen. Die Schwangerschaft ist eine ganz besondere Zeit im Leben einer Frau und es sollte unbedingt vor der Anwendung der behandelnde Gynäkologe befragt werden. Bei vorliegenden, noch nicht schulmedizinisch abgeklärten Krankheiten, ist auf jeden Fall vor dem Einsatz des Tapes der Arzt zu befragen.

Bei der Einnahme von blutverdünnenden Medikamenten ist ebenfalls Vorsicht geboten. Auch im Bereich der psychischen Erkrankungen darf Taping nicht einfach leichtfertig zum Einsatz kommen, sondern es sollte vorher ärztlicher Rat eingeholt werden. Auf erkrankten Hautstellen und bei Allergien sowie im Bereich einer Fraktur oder Ruptur sollte die Methode ebenfalls nicht angewendet werden.

Bei Einnahme bestimmter Medikamente ist Vorsicht geboten und sollte immer erst Rücksprache mit dem Therapeuten erfolgen. (Bild: grafikplusfoto/fotolia.com)

Allergische Reaktion

Eine allergische Reaktion auf das Klebeband ist selten. Dies kommt am ehesten bei Patienten vor, die eine sehr empfindliche Haut haben. Treten Juckreiz und/oder Rötungen auf, kann das Tape ganz einfach entfernt werden, damit sich die Haut wieder erholt. Das aufgeklebte Band wird mit Wasser oder Öl angefeuchtet und dann langsam und vorsichtig von der Haut abgelöst.

Zu treffende Vorkehrungen

Einige Vorkehrungen sind vor dem Taping zu treffen. Die Haut, auf der geklebt wird, muss fettfrei, sauber und trocken sein. Häufig wird sie vorher mit einem feuchten Tuch oder aber mit einer Desinfektionslösung gereinigt und anschließend gut abgetrocknet.

Liegt an der zu behandelnden Stelle eine starke Körperbehaarung vor, werden die Haare vor dem Kleben gekürzt. Werden diese komplett durch Enthaaren entfernt, so sollte mit dem Aufbringen der Klebestreifen mindestens ein Tag gewartet werden, da nicht über Hautirritationen behandelt wird. Die Enden der Bänder werden vor dem Aufkleben stets mit einer Schere abgerundet, damit sich diese nicht so schnell von der Haut lösen können.

Wo geklebt wird

Der Hauptschmerzort ist der erste Bereich, in dem der Streifen zum Einsatz kommt. Eventuell wählt der Therapeut noch einen weiteren Ort aus, an dem getapet wird. Das Band verweilt dort zwischen fünf und sieben Tagen und wird, je nach vorliegenden Beschwerden, mehrmals erneuert.

Das richtige Anbringen der Tapes

Je nach Einsatzbereich werden beim Taping verschiedene Anlagetechniken unterschieden.

So wird das Tape bei der sogenannten Muskelanlage beginnend am Ansatz eines Muskels und in Richtung dessen Ursprungs oder umgekehrt geklebt. Dies hilft gegen Muskelkrämpfe, erhöhte Muskelspannung (Hypertonie) oder einen niedrigen bzw. schwachen Muskeltonus (Hypotonie).

Eine andere Technik ist die Ligamentanlage. Die Einsatzmöglichkeiten sind hier zum Beispiel die Entlastung und Unterstützung von Gelenken.

Bei der Faszienanlage werden die Streifen nicht mittig auf dem Ort des Geschehens, sondern seitlich angebracht. Die Indikationen sind hier Fehlstellungen und Fehlhaltungen.

Die Nervenanlage dient zum Beispiel bei Kompressionen von Nerven oder einer Ischialgie zur leichten Dehnung und um die Gleitfähigkeit des Nervs zu verbessern.

Eine weitere Möglichkeit ist die Lymphanlage, bei der die Tapes streifenförmig aufgeklebt werden, um den Lymphfluss zu verbessern. Dies ist vor allem nach einem operativen Eingriff oder anderen Verletzungen sinnvoll, um Schwellungen zu lindern und den Heilungsprozess zu unterstützen.

Das Anlegen eines Lymphtapes kann bei einem geschwollenen Knie oder Bein sehr hilfreich sein, um den Abbau von gestauten Flüssigkeiten zu fördern. (Bild: sunlight19/fotolia.com)

Basierend auf der chinesischen Medizin, ist die sogenannte Energietechnik zu erwähnen. Hier wird das Qi (chinesischer Begriff für Lebensenergie) angeregt oder reduziert, indem das Tapen auf bestimmten Meridianen erfolgt. Zur Schmerztherapie werden häufig auch Gitterpflaster auf die betroffene Stelle aufgebracht. Getapet wird des Weiteren, um Narben zu entstören, wodurch die Energie wieder fließen kann.

Wichtig: Alle genannten Anlagetechniken sind von geschulten Therapeuten durchzuführen.

Ausbildung notwendig

Taping ist eine Therapieform, die richtig angewandt, in den verschiedensten Bereichen die Heilung unterstützen und Linderung bringen kann. Das Aufkleben verschiedenfarbiger Tapes ist eine Methode, die auf jeden Fall eine fundierte Ausbildung erfordert. Die Möglichkeiten dieser Therapieform entwickeln sich immer weiter. So existieren mittlerweile bereits Kinesio-Taping, Aku-Taping, Emotional-Taping, Medi-Taping und das Aufkleben von Gitterpflastern.

Unterschied Aku-Taping – kinesiologisches Taping

Das Kinesio-Taping wird nach anatomischen Kenntnissen unmittelbar auf dem schmerzenden Bereich angewandt. Das Aku-Taping, eine Weiterentwicklung dessen, verbindet die anatomischen Gesetzmäßigkeiten mit dem Wissen der Chinesischen Medizin und ist somit vielseitiger einsetzbar. Jedoch bleibt die Wirkung nach wie vor umstritten. Für beide Verfahren gilt, dass diese nur von Fachleuten angewandt werden sollten.

Traditionell Chinesische Medizin (TCM)

Die Traditionell Chinesische Medizin (TCM) ist ein mehr als 3.000 Jahre altes ganzheitliches, in sich stimmiges Heilsystem, das seinen Ursprung in China hat. Zur TCM gehören Akupunktur, Diätetik, Massage, Tuina, Bewegungslehre und vieles mehr. Körper, Seele und Geist sind in der chinesischen Medizin unzertrennbar. Gesundheit bedeutet Harmonie von Yin und Yang, die als gegensätzliche Pole in jedem Menschen vorhanden sind.

In der TCM existieren fünf Elemente, die mit den Rhythmen der Natur einhergehen. So zum Beispiel werden Menschen, deren Organe, Erkrankungen, aber auch Eigenschaften, wie Zorn, Ängste oder Wut diesen Rhythmen zugeordnet. Ein Beispiel dafür ist die Leber. Wut oder Zorn ist deren negative Eigenschaft und Holz das zugehörige Element.

Die Akupunktur, auch ein Teil der TCM, hat sich mittlerweile etabliert und gewinnt immer mehr an Anerkennung. Nach der Denkweise der chinesischen Medizin durchlaufen den Körper verschiedene Energiebahnen, auf denen die Akupunkturpunkte angeordnet sind.

Das Wissen um die TCM, vor allem die Akupunktur, gehen in die Therapieform des Aku-Taping mit ein. So werden zum Beispiel Bänder auf Meridiane (Energiebahnen) geklebt, um hier den Fluss zu steigern.(sw, nr; zuletzt aktualisiert am 22.3.2018)