Erhöhte Kreatininwerte

Susanne Waschke
Erhöhte Kreatininwerte im Blut deuten auf eine Nierenfunktionsstörung hin. Jedoch existieren auch andere mögliche Ursachen für den erhöhten Kreatinin-Blutwert. Bei Verdacht auf Nierenerkrankungen wird stets das Kreatinin überprüft.

Inhaltsverzeichnis

Kreatinin
Kreatinin im Blut
Physiologie der Niere
Erhöhter Kreatininwert im Blut
Kreatinin-Clearance
Beeinflussung des Kreatininspiegels im Serum
Wann der Kreatininwert gemessen wird
Symptome bei erhöhtem Kreatininspiegel
Therapie

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Kreatinin

Als Kreatinin wird die Ausscheidungsform von Kreatin bezeichnet. Kreatin ist wichtig für die Muskelkontraktion und kommt auch in den Muskeln vor. Welche Muskelmasse ein Mensch besitzt, welche Art von Leben er führt, wie alt er ist und wie er sich ernährt, all dies hat Einfluss auf die Menge des Kreatins. Dieser Stoff wird in Leber und Niere aus Glycin gebildet, steigert die Aufnahmefähigkeit des Muskels für Zucker und kann aber auch durch Fleischkonsum aufgenommen werden.

(Bild: lassedesignen/fotolia.com)
Kreatin steht für die schnelle Energiebereitstellung in den Muskeln zur Verfügung, als Abbauprodukt fällt Kreatinin an. (Bild: lassedesignen/fotolia.com)

Kreatin ist eine energiereiche Verbindung, die bei Bedarf Energie an den Muskel abgeben kann. Die Ausscheidung erfolgt in Form von Kreatinin, das als Ausscheidungsprodukt des Kreatins gilt. Täglich werden mit dem Harn circa 1,0 bis 1,5 Gramm Kreatinin ausgeschieden. Diese Menge ist direkt proportional zur Muskelmasse. So zeigt ein muskulöser Mensch einen durchschnittlich höheren Wert, als eher schmächtige Personen. Ebenso ist der Wert bei Männern höher als bei Frauen und anders als bei Kindern und älteren Patienten. Kreatinin wird in der Niere vollständig filtriert und nichts davon rückresorbiert. Deshalb sind die Kreatininwerte ein guter Parameter für die Filtrationsleistung der Niere und werden stets zur Nierendiagnostik herangezogen.

Kreatinin im Blut

Tritt eine Nierenfunktionsstörung ein, so ist diese häufig mit einer Ausscheidungsstörung verbunden. Demnach wird auch weniger an Kreatinin ausgeschieden, obwohl gleichzeitig weiterhin Kreatin abgebaut wird. Kreatinin reichert sich somit im Blut an und kann dann zu diagnostischen Zwecken herangezogen werden. Damit lässt sich die sogenannte glomeruläre Filtrationsrate bestimmen.

(Bild: 7activestudio/fotolia.com)
Eine Erhöhung der Kreatininwerte geht meist auf eine beeinträchtigte Nierenfunktion zurück. (Bild: 7activestudio/fotolia.com)

Physiologie der Niere

Zu den Hauptaufgaben der Nieren gehört vor allem die Ausscheidung der Stoffwechselendprodukte Harnstoff, Harnsäure und Kreatinin. Die Urinbildung erfolgt im Nephron, das aus einem Nierenkörperchen und den dazugehörigen feinsten Haarkanälchen besteht. Zusammen bilden sie die kleinste funktionelle Einheit in der Niere. Das Nierenkörperchen besteht wiederum aus sogenannten Glomeruli, einer Kapsel und deren Kapselraum. In dem Nierenkörperchen wird der Primärharn abfiltriert, was in den Glomeruli (Gefäßschlingen) stattfindet. In den Haarkanälchen, auch Tubulusapparat genannt, wird dann durch Resorptionsvorgänge der Urin massivst konzentriert, woraus der Sekundärharn entsteht. Dieser ist das Endprodukt, dass anschließend zur Ausscheidung kommt.

Von circa 1.500 Litern Blut, die an einem Tag die Niere durchfließen, werden ungefähr 150 Liter Primärharn gebildet. Davon bleiben zuletzt circa 1,5 Liter Urin übrig, der dann über die Harnblase ausgeschieden wird. Um Das Blut so zu filtrieren, dass letztendlich Urin entsteht, muss ein gewisser Blutdruck im Inneren der Nierenkörperchen herrschen. Bei Nierenerkrankungen kann ein veränderter Blutdruck dazu beitragen, dass die Filtration nicht mehr richtig funktioniert und deshalb ein veränderter Kreatininwert entsteht.

Erhöhter Kreatininwert im Blut

Pro Minute werden ungefähr 125 Milliliter Blut abfiltriert. Wenn diese Filterleistung bis auf 60 bis 40 Milliliter pro Minute absinkt, verändert sich das Blutbild beziehungsweise der Kreatininwert steigt. Liegt die Filtrationsmenge zwischen diesen Bereichen, ist die nachlassende Nierenfunktion noch nicht am Blutbild erkennbar. Demzufolge ist der Kreatininwert kein Parameter, um eine Nierenerkrankung schon im Frühstadium zu diagnostizieren. Auch lässt sich der Schweregrad der Nierenschädigung nicht vom Kreatininwert im Blut ablesen. Der Körper kann bei verminderter Filtrationsfähigkeit sich selbst wehren und etwas Kreatinin über den Darm abgeben. Erholt sich die Niere, zum Beispiel nach einem Nierenversagen,so normalisiert sich der Kreatininwert im Blut nicht auf die selbe schnelle Art und Weise. Auch hier ist der Wert nicht unbedingt ein Gradmesser dafür, ob die Niere wieder richtig ihrer Arbeit nach kommen kann.

Kreatinin-Clearance

Um die Filterleistung der Niere zu bestimmen, ist die Kreatinin-Clearance eine aussagefähige Methode. Dabei wird gemessen, wie viel Kreatinin die Niere in einem bestimmen Zeitraum aus dem Blut in den Urin abgeben kann. Für die Clearance Berechnung werden die Menge des Kreatinins im Blut und die Menge des Kreatinins im 24 Stunden Urin verwendet. Eine bestimmte Rechenformel, die auch die Körperoberfläche (berechnet aus Gewicht und Größe) des Patienten berücksichtigt, lässt ein individuelles Ergebnis zu. Abhängig ist der Wert von Geschlecht, Alter und Körperoberfläche. Verfälschte Ergebnisse treten auf bei hoher Proteinzufuhr, Abbau der Muskelmasse und unausgeglichenem Wasserhaushalt. In diesen Fällen wird das wesentlich aufwendigere Verfahren der Inulin-Clearance zu Rate gezogen.

Beeinflussung des Kreatininspiegels im Serum

Die erwähnten Nierenschädigungen seien hier als erstes erwähnt. Allerdings existieren weitere Faktoren, die den Wert beeinflussen können. Dies sind länger anhaltender Durchfall, starkes Erbrechen, lange Zeiten ohne Flüssigkeitszufuhr, große Mengen an Fleischkonsum, Muskelzerfall, Hämolyse (Auflösung der roten Blutkörperchen), schwere körperliche Arbeit und Medikamente, wie zum Beispiel Opiate, Diuretika oder Zytostatika.

Der Kreatininspiegel sinkt ab während der Schwangerschaft und bei Diabetes. Er erhöht sich durch massiven Fleischverzehr, bei Nierenerkrankungen, Harnsteinen, Muskelerkrankungen, Herzinsuffizienz, bei der Akromegalie (Vergrößerung der Akren durch zu viel Wachstumshormon), bei starken Blutverlusten, Schock und dem Proteinmangelsyndrom.

Wann der Kreatininwert gemessen wird

Der Arzt lässt den Kreatininwert bei Verdacht auf eine Nierenerkrankung, Diabetes, Kollagenosen (Autoimmunerkrankung, rheumatisch entzündlich), Hypertonie (Bluthochdruck), Hämolyse und bei Patienten, die Medikamente einnehmen müssen, welche eventuell die Niere schädigen könnten, bestimmen.

Erhöhung der Kreatininwerte im Blut
Akutes Nierenversagen sorgt für eine Keratininwerterhöhung. Ursachen dafür sind eine verminderte Durchblutung der Niere, ausgelöst durch Schock, nach Verbrennungen, plötzlichem Blutdruckabfall, Sepsis (Blutvergiftung) und nach Operationen. Von akutem Nierenversagen wird auch gesprochen, wenn eine Schädigung der Niere durch Gifte oder Medikamente erfolgte.

Ebenso ist ein massiver Muskelzerfall, bei dem große Mengen an Muskeleiweiß frei werden, ein möglicher Auslöser erhöhter Kreatininwerte im Blut. Des weiteren tragen Entzündungen der Niere, wie zum Beispiel eine Glomerulonephritis (Entzündung der Glomeruli) oder eine Nephritis (Entzündung der Niere) zu einer Erhöhung des Serumkreatinins bei.

Auch chronisches Nierenversagen geht mit erhöhten Kreatininwerten einher. Mögliche Ursachen des chronischen Nierenversagens sind eine fortgeschrittene Diabetes, die zu Nierenschädigung führt, chronische Pyelonephritis (chronische Nierenbeckenentzündung), Zystennieren, Schädigungen der Nieren durch die längerfristige Einnahme nierenschädigender Schmerzmittel und Hypertonie (Bluthochdruck), bei der über einen längeren Zeitraum vor allem der diastolische (untere) Wert erhöht ist.

Symptome bei erhöhtem Kreatininspiegel

Liegt die glomeruläre Filtrationsrate (GFR) über dem Wert von 60, bleibt das Kreatinin noch im Normbereich, das heißt, dies wird vom Körper kompensiert und Betroffene haben keine Beschwerden. Bei Werten der GFR zwischen sechzig und vierzig, steigt der Kreatininwert bis circa zwei Milligramm je Deziliter an und dabei treten Müdigkeit, Leistungsabfall, Appetitlosigkeit und Bluthochdruck auf.

Von einer Dekompensation ist die Rede bei einer glomerulären Filtrationsrate von vierzig bis fünfzehn, dabei erhöht sich das Kreatinin bis auf den Wert von zehn Milligramm je Deziliter und dies führt zu körperlicher Schwäche, Gewichtsverlust und Pruritus (Juckreiz).

Eine terminale Niereninsuffizienz lässt die GRF auf kleiner als fünfzehn absinken. Dabei erhöht sich der Kreatininwert auf über zehn Milligramm je Deziliter. Die Urämie (Auftreten harnpflichtiger Substanzen im Blut) ist ein lebensbedrohlicher Zustand. Bedingt durch die zunehmende Harnvergiftung treten Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall auf, häufig begleitet von einem Lungenödem, einer Herzbeutelentzündung, einem Gehirnschaden bis hin zum Koma. Bei der Entscheidung, ob eine Dialyse nötig ist, wird der Kreatininwert stets mit berücksichtigt.

Therapie

Die Behandlung richtet sich in erster Linie nach der Grunderkrankung. Bei vorliegenden Nierenerkrankungen, vor allem bei der Niereninsuffizienz (Unterfunktion einer oder bieder Nieren), ist dringend eine bestimmte Ernährung nötig. Das Ziel ist, weniger Eiweiß zuzuführen, was die Filterleistung verbessert und auch weniger giftige Abfallprodukte, wie Harnstoff, Harnsäure und Kreatinin entstehen. Die Menge der Proteinzufuhr richtet sich nach dem Ausprägungsmaß der Niereninsuffizienz, das heißt der glomerulären Filtrationsrate. Wichtig ist dabei, dass die betroffenen Patienten bei verminderter Eiweißmenge trotzdem genügend Kalorien zu sich nehmen, damit keine Mangelernährung entsteht, die ihrerseits die Leistungsfähigkeit herabsetzt, die Krankheitsanfälligkeit steigert und letztendlich die Lebenserwartung reduziert.

Schreitet eine Niereninsuffizienz fort, so hat die weitreichende Folgen auf die Lebensqualität der Patienten. Durch die anfallenden Gifte leiden Betroffene zum Beispiel an chronischer Appetitlosigkeit und Stimmungsschwankungen bis hin zur Depression. Eine individuell abgestimmte Diät, die auch schmackhaft und für den Patienten leicht durchführbar sein sollte, ist daher eine wichtige Komponente bei der Behandlung. Auch müssen Salz- und Flüssigkeitszufuhr genau auf die Erkrankung abgestimmt werden. Eine zielgerichtete Ernährungstherapie bleibt daher bei der Bekämpfung erhöhter Kreatininwerte unerlässlich. (sw)


Bild1: Gerd Altmann / pixelio.de