Schulterschmerzen – Ursachen und Behandlung

Susanne Waschke
Schmerzen an der Schulter: Ursachen und Therapie
Schulterschmerzen sind etwas sehr Schmerzhaftes. Jede/r Betroffene wünscht eine schnelle Hilfe und vor allem eine Schmerzlinderung. Leider helfen bei Schulterschmerzen häufig nicht einmal Schmerzmittel, was den Leidensweg noch schlimmer macht. Die möglichen Ursachen für Schulterschmerzen sind äußerst vielfältig.


Ursachen

Die Schulter ist ein Kugelgelenk und das beweglichste Gelenk des menschlichen Körpers. Dies besitzt einen großen Bewegungsspielraum und ist deshalb auch anfällig für die verschiedensten Beschwerden. Zusätzlich ist das Schultergelenk das instabilste Gelenk des menschlichen Körpers und benötigt daher eine Vielzahl an muskulärer Unterstützung. Nicht immer muss bei Schmerzen gleich das Gelenk betroffen sein. Häufig sind die Schulter umgebenden Muskeln und Sehen für Schulterschmerzen verantwortlich. Zu den Ursachen gehören Überlastungen, Verletzungen, Verschleiß, Entzündungen, Ablagerungen und das Engpasssyndrom.

Die Schulterschmerzen lassen sich häufig durch bestimmte Bewegungen provozieren, was eine Diagnose erleichtert.

Schulterschmerzen können auf zahlreiche unterschiedliche Ursachen zurückgehen und machen schlimmstenfalls eine Operation erforderlich. (Bild: underdogstudios/fotolia.com)

Schmerzen in der Schulter

Schmerzen an der Schulter können den ganz normalen Tagesablauf ziemlich beeinträchtigen. Auch der Schlaf ist häufig durch Schulterschmerzen in Mitleidenschaft gezogen. Die Patienten werden nachts durch teilweise massive Schmerzen wach und können nicht mehr einschlafen. Dies deutet auf ein chronisch entzündliches Geschehen hin. Die Beschwerden können so massiv sein, dass Schmerzmittel keine wirkliche Linderung erzielen.

Ursache: Überlastung, Verletzung

Folgende Überlastungen und Verletzungen können zu Schulterbeschwerden führen: Durch eine Überlastung beim Sport, zum Beispiel beim Krafttraining, können ganz plötzlich Schulterschmerzen auftreten. Gründe dafür sind ein Einriss oder eine Überdehnung der Gelenkkapsel oder einer Sehne. Massive Schmerzen sind bei einer Schulterluxation (Ausrenkung des Schultergelenks) oder einem Schlüsselbeinbruch festzustellen. Hierbei lässt sich der betroffene Arm in der Regel gar nicht mehr bewegen. Deshalb nehmen die Betroffenen eine Schonhaltung ein, indem sie den Arm fest an den Körper pressen.

Das Schultergelenk weist äußerst komplexe Strukturen auf engstem Raum auf, was es besonders anfällig für Verletzungen macht. (Bild: bilderzwerg/fotolia.com)

Schultereckgelenksprengung
Eine weitere Verletzung, bei der starke Schmerzen auftreten, ist die Schultereckgelenksprengung. Das Schultereckgelenk bezeichnet eine feste Verbindung zwischen dem äußeren Schlüsselbein und dem Schulterblatt. Beim dem Unfall, der dieser Verletzung zugrunde liegt, werden die Bänder, die das Schultereckgelenk stabilisieren gedehnt, eingerissen oder sie reißen komplett. Die Schmerzen treten sofort nach dem Ereignis auf. Häufig ist die Verletzung sogar von außen zu sehen.

Verletzung der Rotatorenmanschette
Eine häufige Ursache ist eine Verletzung der Rotatorenmanschette. Sie besteht aus vier Muskeln, deren Sehnen eine Sehnenplatte bilden und diese, wie der Name sagt, als eine Art Manschette das Schultergelenk umschließt. Deren Funktion ist äußerst wichtig für eine gesunde Schulter. Mit zunehmendem Alter setzt eine ganz natürliche Degeneration ein, die dazu führt, dass die Rotatorenmanschette leichter reißen kann. Eine Verletzung kommt hier vor allem jenseits des Alters von 50 Jahren vor, ist jedoch auch bei Jüngeren möglich. Ist der Bereich schon einmal vorgeschädigt, so kann die Manschette zum Beispiel bei übermäßigen Kraftanstrengungen reißen.

Auch ein Sturz auf die Schulter kann dazu führen. Dies muss nicht zwingend schmerzhaft sein. Häufiger jedoch sind bei einer Ruptur Schulterschmerzen und ein Schwächegefühl in der Schulter festzustellen. Bei einem kompletten Riss ist ein normales Bewegen nicht mehr möglich. Auch kann die Rotatorenmanschette nur teilweise einreißen – hierbei entstehen Schulterschmerzen, die Bewegung jedoch ist nicht eingeschränkt.

Bei einer Teilruptur reicht häufig die alleinige konservative Therapie aus. Zuerst stehen aber die Entzündung und die Schmerzen im Vordergrund. Medikamente, die entzündungshemmend und schmerzlindernd sind, kommen zum Einsatz. Danach ist regelmäßige Physiotherapie wichtig. Ist die Sehne komplett gerissen, wird in der Regel operiert. Je nach Ausmaß stehen hier verschiedene Verfahren zur Wahl. Die komplizierte Schulter hat leider auch eine lange Rehabilitationszeit nötig. Sechs Monate bis zur vollständigen Genesung sind durchaus möglich.

Krankengymnastik kann bei vielen Ursachen der Schulterschmerzen für Abhilfe sorgen. (Bild: Photographee.eu/fotolia.com)

Das Impingement Syndrom (Engpasssyndrom) der Schulter
Damit ist eine Enge im Bereich zwischen Schulterdach und Oberarmkopf, dem sogenannten Subakromialraum, gemeint. Diese entsteht durch Instabilität, Sehnendicke, Verschleiß, ein ungünstig geformtes Schulterdach oder Kalkablagerungen (s.Kalkschulter). Am häufigsten davon betroffen sind Sportler, die Überkopfsportarten, wie zum Beispiel Speerwerfern oder Schwimmen ausüben. Aber auch Personen, die im Beruf viel über Kopf arbeiten (zum Beispiel Maler), leiden unter dieser Erkrankung.

Zu den Symptomen gehören leichte bis massive Schulterschmerzen. Anfangs sind diese vor allem bewegungsabhängig. Sie treten beim Anheben des betroffenen Armes nach hinten oder zur Seite auf, wie zum Beispiel beim Anziehen – vor allem, wenn die Bewegungen abrupt durchgeführt werden. Später ist ein Liegen auf der Schulter nicht mehr möglich. Die Patienten wachen mit massiven Schulterschmerzen auf. Spätestens dann, wird ein Arzt aufgesucht. Durch die Enge entsteht Reibung, die dann wiederum zu einer Entzündung führt. Die Schmerzen verschlimmern sich. Die betroffenen Strukturen der Schulter werden im schlimmsten Falle so gereizt und überstrapaziert, dass die Sehnen anreißen oder sogar komplett reißen können. (s. Verletzung der Rotatorenmanschette).

Bei einem Impingement Syndrom kann auch der Schleimbeutel mit betroffen sein. Dabei entsteht eine Schleimbeutelentzündung, was zu zusätzlichen unangenehmen Schulterschmerzen führt.

Zur Diagnose von Schmerzen an der Schulter sind Röntgen und MRT die Mittel der Wahl. Die Schmerzen werden medikamentös behandelt. Dem folgen spezielle Krankengymnastik und manuelle Therapie. Bestimmte Muskelgruppen, die das Schultergelenk entlasten, sollen gekräftigt werden. Hilft dies Alles nichts und ist die Rotatorenmanschette ruptiert, wird eine Operation in Betracht gezogen.

Mit Hilfe bildgebender Verfahren lassen sich mögliche Ursachen der Schulterschmerzen genauer bestimmen. (Bild: rcfotostock/fotolia.com)

Frozen Shoulder

Die Frozen Shoulder („eingefrorene Schulter“) beginnt mit Schmerzen an der Schulter, die immer häufiger werden und dann in eine Unbeweglichkeit übergehen, so als wäre die Schulter wirklich eingefroren. Das Ganze tritt entweder ohne erkennbare Ursache auf, oder entwickelt sich nach einer Verletzung oder einer Operation. Da mit der Frozen Shoulder eine Entzündung einhergeht, werden als Erstes entzündungshemmende und auch schmerzstillende Medikamente verordnet.

Eine spezielle Physiotherapie, die versucht, die Schulter beweglich zu erhalten, ist unverzichtbar. Wichtig dabei ist, während der entzündlichen Phase, die Behandlung unbedingt an die Schmerzen anzupassen, damit die Erkrankung nicht noch schlimmer wird. Unterstützt wird das Ganze mit Wärme, Kälte und Elektrotherapie. Eine Operation ist selten nötig.

Kalkschulter

Wie der Name schon sagt: Bei der Kalkschulter lagert sich Kalk in den Sehnenansätzen ab. Diese Erkrankung hat eine lange Entstehungsgeschichte. Ursachen sind Traumata, Sport, Fehlbelastungen, Überbeanspruchungen, Alterungsprozesse und eine schwache Durchblutung. Durch ständigen Reiz und eine ungenügende Durchblutung verwandelt sich Sehnengewebe in Faserknorpel. In der nächsten Phase lagert der Körper Kalk ins Gewebe ein. Dies ist dann auch mit bildgebenden Verfahren sichtbar. Dies Alles muss nicht weh tun, kann aber zu ganz massiven Beschwerden führen.

In der Behandlung wird, wie bei den anderen schmerzhaften Erkrankungen bereits erwähnt, mit geeigneten Medikamenten versucht ,die Entzündung in den Griff zu bekommen und die Schmerzen zu lindern. Des weiteren werden Schmerzmittel oder gar Betäubungsmittel injiziert. Sobald die Schmerzen leichte Bewegungen zulassen, erfolgt eine gezielte Physiotherapie. Weitere Verfahren sind die Stoßwellentherapie und die Matrixtherapie. Häufig löst sich der Kalk im Zusammenhang mit der geeigneten Behandlung auf und die Schmerzen sind Vergangenheit. Ist jedoch jegliche Therapie erfolglos und sind die Schmerzen unerträglich, werden operativ per Schlüsselloch Chirurgie die Kalkherde entfernt.

Ursachen außerhalb der Schulter

Schulterschmerzen können auch entstehen, wenn sich die Ursachen außerhalb des Schulter befinden, zum Beispiel durch Erkrankungen der Halswirbelsäule und durch Beschwerden im Bereich des Nackens. Die Schmerzen strahlen dann bis in die Schulter aus.

Aber auch ein von der Schulter weit entfernt liegendes Organ kann schuld an den Beschwerden sein. Das ist die Galle. Ist diese erkrankt, können die Schmerzen bis in die rechte Schulter ziehen. Gerade wenn die betroffenen Patienten zusätzlich zu den Schmerzen noch Verdauungsbeschwerden und Probleme mit dem Verzehr von fetten Speisen haben, sollte an die Galle gedacht werden.

Im Ernstfall bleibt eine Schulteroperation unerlässlich, allerdings sollten vorher alle anderen Optionen ausgeschöpft werden. (Bild: Gorodenkoff/fotolia.com)

Behandlungsmethoden bei Schulterschmerzen

Die Behandlung richtet sich natürlich nach der zugrunde liegenden Ursache. Zur Diagnosefindung werden eine ausführliche Anamnese, eine Untersuchung und bildgebende Verfahren, wie Röntgen, Ultraschall und MRT eingesetzt. Als erstes werden in der Regel Arzneimittel verordnet, die antientzündlich und schmerzlindernd wirken. Damit soll auch der Teufelskreis durchbrochen werden, in dem sich die Patienten befinden: Schmerzen – Schonhaltung – einseitige Belastung – noch mehr Schmerzen. Eventuell werden Medikamente per Injektion verabreicht.

Es folgt eine individuelle Physiotherapie. Dabei werden Fehlhaltungen erkannt, korrigiert, Muskeln gekräftigt. Der Patient oder die Patientin bekommt Übungen gezeigt, die er oder sie zuhause regelmäßig durchführen soll. Ist die Erkrankung zu massiv und zu fortgeschritten, wird eventuell zu einer Operation geraten. Diese ist heute in der Regel minimal invasiv. Da das Schultergelenk ein sehr kompliziertes Gelenk ist, sollte eine Operation auf keinen Fall überstürzt werden. Auch ist an die lange Rekonvaleszenz zu denken.

Muss operiert werden, sind die Vorgaben der Ärzte und Therapeuten unbedingt einzuhalten. Eine frühzeitige, zu massive Belastung ist unbedingt zu vermeiden, um den Heilungsprozess nicht negativ zu beeinflussen. Die Schulter braucht einfach Zeit, um zu heilen.

Naturheilkundliche Therapien bei Schulterschmerzen

Die verschiedensten naturheilkundlichen Therapien werden angewandt. Gerade die Akupunktur kann bei akuten Schulterschmerzen hilfreich sein. Die Anthroposophische Medizin hält Ampullen parat, die injiziert werden und antientzündlich wirken, die Schmerzen lindern und zusätzlich den Halteapparat und das Gelenk stärken. Eine Schleimbeutelentzündung, die im Zusammenhang mit den Schulterbeschwerden vorkommt, wird ebenso mit genannten Verfahren behandelt.

Gegen akute Schulterschmerzen kann auch Akupunktur angewandt werden. (Bild: WavebreakmediaMicro/fotolia.com)

Homöopathische Mittel zur Behandlung von Schmerzen im Bereich der Schulter sind Bryonia, Arnika, Ruta und Rhus toxicodendron. Häufig kommen diese Mittel auch in Form von Spritzen zum Einsatz. Die Baunscheidttherapie lindert etwas die Schmerzen und wirkt antientzündlich. Die Neuraltherapie nach Huneke ist ebenso ein probates Mittel. Dabei wird ein Lokalanästhetikum wie das Procain an bestimmten Punkte injiziert.

Aus der Phytotherapie helfen Brennnessel, Löwenzahn, Teufelskralle und Beinwell. Schmerzlindernd wirken Einreibungen und Umschläge mit leicht angewärmtem Johanniskrautöl. Die Patienten müssen selbst herausfinden, ob ihnen Wärme oder aber Kälte besser bekommt. Bei Wunsch nach Wärme ist eine Salbe aus Cayennepfeffer zu empfehlen. Diese durchwärmt das gesamte Gewebe. Bei Kältebedarf tun Quarkwickel ihr Gutes.

Entzündungshemmend und damit auch zugleich schmerzlindernd sind Enzyme aus der Papaya und Ananas. Diese sind in Tablettenform in der Apotheke zu bekommen. Aber Vorsicht: Patienten, die blutverdünnende Medikamente einnehmen, müssen davon Abstand halten.

Die Fußreflexzonentherapie kann den gesamten Körper behandeln, so auch die Schultern. Dies ist eine sehr angenehme Therapie, fern ab des eigentlichen Schmerzes, jedoch mit Erfolg.

Auch die Fußreflexzonentherapie kann bei Schulterschmerzen eingesetzt werden. (Bild: wildworx/fotolia.com)

Ernährung bei Schmerzen in der Schulter

Häufig sind Patienten, die unter Schulterbeschwerden leiden, übersäuert. Gerade bei Muskelverkrampfungen und/oder Kalkablagerungen liegt dies recht nah. Und je mehr Schmerz vorhanden ist, desto mehr Säure produziert der Körper. Deshalb ist hier unbedingt an eine basische Ernährung zu denken. Diese ist arm an tierischen Produkten und reich an Gemüse und Obst. Ebenso wichtig ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr mit Tee und stillem Wasser.

Schlusswort

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Schulterschmerzen nicht so leichtfertig hingenommen werden sollten. Je früher die geeignete Therapie beginnt, desto leichter ist diesen Schmerzen bei zukommen. Also bitte kein Held sein, sondern bald zum Arzt. (sw)