Taube Finger – Ursachen, Symptome und Behandlung

Dr. Utz Anhalt
Sind unsere Finger taub, dann fühlen wir in ihnen kaum Schmerz und reagieren wenig auf Druck. Meist handelt es sich um ein Nervenproblem: Der Ulnarisnerv reicht in die Fingerspitzen und beginnt an der Halswirbelsäule. Wird dieser Nerv eingeklemmt, zum Beispiel, weil sich ein Seil straff um das Handgelenk spannt oder weil Sie die Handgelenke nach hinten biegen, um schwere Gegenstände zu stemmen, oder Sie die Handgelenke stark verdrehen, können taube Finger die Folge sein.

Betroffene berichten zum Beispiel von tauben Fingern nach einem Umzug, bei dem sie sperrige Schränke an den Körper pressten und die Handgelenke in einem über 90 Grad Winkel nach hinten bogen. Auch nach dem Eindrehen einer Glühbirne an der Decklampe auf einer etwas zu kurzen Stehleiter oder nach dem Hantieren an Automotoren zeigen sich mitunter entsprechende Beschwerden.

Das gilt besonders für verschiedene Sportarten, zum Beispiel für unsachgemäßen Umgang mit Hanteln beim Kraftsport, Reck- und Barrenturnen, Kampfsport wie Kendo, Gymnastik, Yoga, Kugelstoßen oder Speerwurf. Auch hier kann der Ulnarisnerv leicht einklemmen.

Bei tauben Fingern ist die Wahrnehmung von Druck und Schmerzen gestört, was oft im Zusammenhang mit einer Nervenkompression steht. (Bild: Dron/fotolia.com)

Nerven und Muskeln

Seltener sind sogenannte Polyneuropathien Ursache der tauben Finger. Dabei erkrankt das Nervensystem zum Beispiel als Folge von Diabetes mellitus. Auch Alkoholismus kann die Nerven so schädigen, dass Taubheitsgefühle die Folge sind. Bisweilen ist auch der Mittelhandnerv in seiner Funktion eingeschränkt, zum Beispiel durch eine Verengung.

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Muskelverspannungen an der Halswirbelsäule lösen ebenfalls taube Finger aus. Auch Verletzungen irgendwo zwischen Fingern und Halswirbelsäule, die den Ulnarisnerv schädigen, können Auslöser tauber Finger sein.

Ein Mangel an Vitamin B 12 beeinflusst die Signalübertragung der Nerven, denn Vitamin B 12 ist notwendig, um die Schutzhülle des Nervs auszubilden.

Der Auslöser kann auch banal sein: Wenn wir uns lange auf einen Ellenbogen stützen oder unsere Hand beim Liegen einklemmen, dann kann ein Nerv einklemmen.

Diagnose

Die „Erstdiagnose“ stellen Betroffene selbst und ein Taubheitsgefühl, das nicht verschwindet, ist der Grund, einen Arzt aufzusuchen. Ist die Ursache unbekannt, wird ein Neurologe hinzugezogen. Der misst die Nervenleitungen rund um den taub gewordenen Bereich.

Symptome

Das Taubheitsgefühl kann leicht sein, so dass die Betroffenen Reize, Schmerz und Druck gedämpft wahrnehmen, oder aber so schwer, dass sie gar nichts mehr fühlen. In der Regel verschwinden die Symptome nach wenigen Tagen wieder, je nach Ursache. Doch Vorsicht: Hat sich ein Nerv entzündet, dann kann es unter Umständen dazu führen, dass die Finger dauerhaft gelähmt sind.

Behandlung

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Ein eingeklemmter Nerv hat in vielen Fällen eine Operation zur Folge, da der Nerv erst einmal freigelegt werden muss. Der Arzt befreit dann den Nerv und verlegt ihn nach vorne – jedenfalls wenn eine verengte Nervenrinne die Ursache ist.

Auch ein Vitamin-B12-Mangel kann zu Beeinträchtigungen der Nerven und zu tauben Fingern führen. (Bild: bit24/fotolia.com)

Bei einem Vitamin B12 Mangel, der ähnlich wie eingeschlafene Hände nicht nur mit Taubheit, sondern auch mit einem Kribbeln verbunden ist, wird der Arzt Vitaminpräparate empfehlen. Bei einem Mangel an Vitamin B 12 treten zudem diverse andere Symptome auf: Vitamin B12 baut zusammen mit Vitamin B6 und Folsäure das giftige Homocystein in einen ungiftigen Stoff um. Fehlt jetzt Vitamin B 12, steigt der Giftstoff im Blut und schadet den Blutgefäßen, was zu Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems führen kann.

Ein Mangel verursacht Schäden am Rückenmark und Hirnstörungen, die zu unwillkürlichen Bewegungen führen – und eben zu Taubheitsgefühlen, weil die Nerven geschädigt sind. Die Erkrankung verbreitet sich vor allem in der Dritten Welt, in den Industrieländern sind Veganer die Hauptrisikogruppe. Die Ursache: Pflanzen produzieren kein Vitamin B 12. Allesesser bekommen einen Mangel an Vitamin B 12 vor allem durch Magen-Darm-Erkrankungen.

Symptome des Vitamin-B-Mangels sind eingeschränktes Denkvermögen, Depressionen, Verwirrung, Psychosen, veränderte Reflexe, geschwächte Muskeln, eine entzündete Zunge, ein Verlust des Geschmacksvermögens, Herzschwäche und Unfruchtbarkeit. Autisten und Schizophrene haben äußerst niedrige Vitamin B 12 Werte. Inwieweit diese aber die Störungen auslösen, ist noch nicht erforscht.

Besonders viel B 12 enthalten Innereien: Nieren, Leber und Hirn. Wer das nicht mag, kann auf Geflügel, rotes Fleisch, Eier und Fisch zurück greifen und viel Milch und Milchprodukte zu sich nehmen.

Vorbeugung

Sie können tauben Fingern vorbeugen, wenn sie beim Sport, bei der Arbeit, aber auch beim Autofahren oder Schlafen darauf achten, Hände und Ellenbogen sowie die Halswirbelsäule zu entlasten. Sportler sollten vor allem darauf achten, sich aufzuwärmen, und die Nerven ebenso wie die Muskeln zu entlasten, bevor sie diese beanspruchen.

Bei der Arbeit am Computer sollten Sie darauf achten, die Hände nicht unnatürlich zu verrenken.

Regelmäßige Massagen lösen Verspannungen und wirken auch präventiv.

Das Karpaltunnelsyndrom

Empfinden Sie Taubheitsgefühle in Fingern und Hand und dazu Schmerzen bis in Oberarm und Schulter, dann könnten sie am Karpaltunnelsyndrom leiden. Hier ist der Medianus-Nerv komprimiert, und zwar auf Höhe des Handgelenks. Der Karpaltunnel ist eine Röhre, die vom Unterarm zum Handgelenk auf der Handflächenseite verläuft. Die Handwurzelknochen unten und an den Seiten, sowie das Retinaculum flexorum oben begrenzen diese Röhre. Durch diesen Tunnel verlaufen nicht nur neun Beugesehnen, sondern auch der Medianus-Nerv. Dieser steuert Bewegungen der Finger und des Daumens und leitet die dortigen Empfindungen weiter.

Bei einem Karpaltunnelsyndrom sind taube Finger ein typisches Symptom. (Bild: Henrie/fotolia.com)

Die Neurologen und Psychiater im Netz schreiben über das Karpaltunnelsyndrom: „Häufig setzen Taubheitsgefühle und Kribbeln zunächst an den Kuppen der ersten drei Finger einer Hand ein – also dem Daumen, Zeige- und Mittelfinger. Mit der Zeit kommen leichte Schmerzen hinzu, die insbesondere nachts oder nach intensiver Handarbeit auftreten. Betroffene neigen dann oft instinktiv dazu, die Beschwerden durch Schütteln der Hand lösen zu wollen“ berichtet Dr. Curt Beil, vom Berufsverband Deutscher Neurologen (BDN) mit Sitz in Krefeld. Auch eine Muskelschwäche der Hand mit Steifheit der Finger kann als Symptom auftreten.“

Wird die Krankheit nicht gestoppt, setzten erst einmal starke Schmerzen ein und nach Jahren schwinden die Daumenmuskeln. Die Betroffenen können mit dem Daumen immer schlechter greifen. Lassen die Schmerzen nach, ist das nicht unbedingt ein Zeichen zur Entwarnung – es kann auch ein Alarmsignal dafür sein, dass die Nerven stark geschädigt sind. Fehlender Schmerz heißt hier Gefühllosigkeit durch Absterben.

Die Ursache ist die gleiche wie bei vielen Symptomen der Taubheit in den Fingern: Dr. Beil erklärt auf dem Fachportal „Neurologen und Psychiatern im Netz“ hierzu, dass der Nerv „eingeengt und geschädigt wird durch beständige Druckbelastung durch das Umgebungsgewebe der Handwurzel und deren Band.“ Meist seien eine Fehlhaltung und eine gleichzeitige Überlastung des Handgelenks die Ursache für die Verengung.

Wieder sind Menschen, die vor allem am Computer arbeiten und Sportler besonders gefährdet. Ärzte empfehlen eine ergonomisch geformte Tastatur und ein gut zu bewegende Maus, außerdem Übungen, um die Handgelenke zu lockern.

Spreizen Sie also zwischendurch einmal die Finger, ballen Sie eine Faust oder schütteln Sie ihre Finger.

Andere Ursachen sind Hormonschwankungen während der Schwangerschaft und Wechseljahre, rheumatische Erkrankungen und Stoffwechselkrankheiten.

Ein Neurologe erkennt, ob es sich um das Karpaltunnel-Syndrom oder eine geschädigte Halswirbelsäule handelt, die ähnliche Symptome auslöst. (Dr. Utz Anhalt)