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Studien: Armut reduziert die Lebensdauer stärker als Adipositas

Alexander Stindt
Verfasst von Alexander Stindt, Fachredakteur für Gesundheitsnews
2. Februar 2017
in News
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Studie: Finanziell schlechter gestellte Menschen leben deutlich kürzer
Fettleibigkeit ist eine Erkrankung, welche sich sehr negativ auf die Gesundheit von Betroffenen auswirken kann. Forscher fanden jetzt heraus, dass in Armut zu leben sich allerdings stärker auf die Lebenserwartung auswirkt, als Fettleibigkeit oder auch zu hoher Blutdruck. Finanziell schlechter gestellte Menschen leben demnach im Durchschnitt bis zu zwei Jahre weniger.

Die Wissenschaftler von dem Konsortium Lifepath, das durch die Europäische Kommission finanziert wird, stellten bei einer Untersuchung fest, dass arme Menschen bis zu zwei Jahre kürzer leben. Die Auswirkungen der Armut übertreffen dabei sogar die Reduzierung der Lebenserwartung durch Fettleibigkeit. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der Fachzeitschrift „The Lancet“.

Risikofaktor für vorzeitigen Tod ist fast so hoch wie der durch körperliche Inaktivität
Erstaunlicherweise wirken sich der soziale Rang und mangelnde finanzielle Mittel stärker auf die Lebenserwartung aus, als starker Alkoholkonsum oder Fettleibigkeit, sagen die Experten. Der Risikofaktor für einen vorzeitigen Tod durch Armut sei fast so hoch wie der durch körperliche Inaktivität, erläutern die Autoren weiter.

Welche Faktoren können die Lebensdauer reduzieren?
Ein niedriger sozialer Rang reduziert die durchschnittliche Lebensdauer um etwa 25 Monate. Zum Vergleich dazu bewirkt schwerer Alkoholkonsum eine reduzierte Lebenserwartung von etwa sechs Monaten, sagen die Forscher. Fettleibigkeit reduziere die Lebenserwartung um etwa acht Monate. Diabetes lasse Betroffene etwa vier Jahre kürzer leben und Rauchen bewirke sogar eine reduzierte Lebenserwartung von fünf Jahren. Die aktuelle Studie war der erste Versuch, das Gesundheitsrisiko des sozioökonomischen Status gegen andere modifizierbare Faktoren abzuwägen, zumindest in Ländern mit einem hohen Einkommen, erklären die Autoren.

Die Politik muss die Risikofaktoren kennen und berücksichtigen
Angesichts der enormen Auswirkungen des sozioökonomischen Status auf die Gesundheit ist es von entscheidender Bedeutung, dass die Regierungen diesen großen Risikofaktor akzeptieren und ihn bei ihrer Gesundheitspolitik berücksichtigen, erklärt Hauptautorin Silvia Stringhini vom Universitätsklinikum Lausanne.

Sozioökonomischer Status muss verbessert werden
Die Verringerung der Armut, die Verbesserung der Bildung und die Schaffung von sicheren Heim-, Schul- und Arbeitsumgebungen seien von zentraler Bedeutung für die Überwindung der Auswirkungen der sozioökonomischen Deprivation, erklären die Forscher. Auf diese Weise könne der sozioökonomische Status gezielt verbessert werden, was zu mehr Wohlstand und Gesundheit für viele Menschen führen würde.

Auswirkungen des sozioökonomischem Status werden von Politikern unterschätzt
Die Autoren von Lifepath fügen hinzu: Ein niedriger sozioökonomischer Status ist einer der stärksten Prädiktoren der vorzeitigen Sterblichkeit weltweit, aber Politiker unterschätzen diesen Risikofaktor offenbar. Rauchen, Trinken und körperliche Untätigkeit stünden dagegen bereits im Fokus von vielen nationalen und globalen Gesundheitsmaßnahmen. Fettleibigkeit reduziere die durchschnittliche Lebenserwartung um etwa acht Monate. Armut dagegen führe zu einer Reduzierung um mehr als zwei Jahre. Der soziale Rang könnte beispielsweise durch die staatliche Politik bei Steuern und Bildung verbessert werden, sagen die Experten.

Mediziner analysieren Daten von 1,7 Millionen Menschen
Für ihre Untersuchung überprüften die Wissenschaftler die Daten aus 48 älteren Studien. An diesen hatten 1,7 Millionen Menschen aus sieben Ländern teilgenommen. Zu den Teilnehmerländern gehörten beispielsweise Australien, Großbritannien, Frankreich, Italien, Portugal, Schweiz und die Vereinigten Staaten. (as)

Autoren- und Quelleninformationen

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.

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