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Diabetes Jahre vorab anhand der Darmflora vorhersehbar

Fabian Peters
Verfasst von Fabian Peters
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14. Juli 2026
in News
Darstellung des Darmmikrobioms
Bestimmte Bakterien der Darmflora können frühzeitig auf ein erhöhtes Diabetes-Risiko hinweisen. (Bild: nobeastsofierce/stock.adobe.com)
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Bereits Jahre vor dem Auftreten von Typ-2-Diabetes sind bestimmte Veränderungen der Darmflora nachweisbar. Diese Erkenntnis könnte auch die Früherkennung und Prävention deutlich verbessern.

Forschende der Universität Uppsala, des Karolinska Institutet und der Chalmers University of Technology in Schweden haben die möglichen Zusammenhänge zwischen den Bakterien der Darmflora und dem Risiko für Erkrankungen an Typ-2-Diabetes untersucht und die Ergebnisse in dem Fachmagazin „Cell Reports Medicine“ veröffentlicht.

Diabetes & Darmflora verbunden

Frühere Studien hatten bereits darauf hingedeutet, dass die Zusammensetzung der Darmflora bei Typ-2-Diabetes eine Rolle spielen kann und beispielsweise berichtete ein internationales Forschungsteam schon 2020 in dem Fachmagazin „Nature Communications“ von dem Einfluss der Darmflora bei Diabetes-Erkrankungen.

Zudem kam eine Anfang dieses Jahres veröffentlichte Forschungsarbeit zu dem Schluss, dass ein pflanzliches TCM-Präparat bei Diabetes vielversprechende Wirkung zeigt, indem es die mit der Erkrankung verbundene Dysbiose der Darmflora lindert.

So gilt der Zusammenhang zwischen der Darmflora und Diabetes heute als eindeutig belegt, doch bleibt die Frage, welche Bakterien hierbei welchen Einfluss haben.

Welche Bakterien spielen eine Rolle?

Auf Basis der Daten von 4.685 Teilnehmenden des EU-Projekts HealthFerm, deren Mikrobiome anhand von Stuhlproben analysiert wurden, versuchte das schwedische Forschungsteam nun die möglichen Zusammenhänge zwischen einzelnen Bakterien der Darmflora, deren Auswirkungen auf den Stoffwechsel und dem Diabetes-Risiko zu bestimmen.

Insgesamt entwickelten 383 Teilnehmende nach einem durchschnittlichen Beobachtungszeitraum von fünf Jahren eine Typ-2-Diabetes-Erkrankung und es zeigten sich deutliche Zusammenhänge mit einigen Darmbakterien, berichten die Forschenden.

Neun entscheidende Bakterienarten identifiziert

„Wir haben im Mikrobiom neun Bakterienarten identifiziert, die mit dem Risiko für die Entstehung der Krankheit in Verbindung stehen“, erklärt der Studienautor Gaël Toubon von der Chalmers University of Technology.

„Unsere Studie konnte Veränderungen der Darmmikrobiota bereits mehrere Jahre vor Ausbruch der Krankheit nachweisen. Dies könnte darauf hindeuten, dass die Zusammensetzung des Mikrobioms eine Rolle bei der Entstehung von Diabetes spielt – und nicht umgekehrt“, ergänzt Toubon.

Auch sei deutlich geworden, dass die Ernährungsgewohnheiten offenbar beeinflussen, ob bestimmte Bakterien im Darm eher förderlich oder schädlich wirken.

Beispielsweise waren bei Personen, die an Diabetes erkrankten, hohe Konzentrationen des Bakteriums Akkermansia muciniphila in der Darmflora vorhanden, das sich unter günstigen Bedingungen von den aufgenommenen Ballaststoffen ernährt, aber wenn diese fehlen, Schaden anrichten kann, erläutert das Team.

„Ist die Ballaststoffzufuhr zu gering, beginnt es stattdessen, die schützende Schleimschicht des Darms abzubauen. Dies kann dazu führen, dass andere Bakterien mit der Darmschleimhaut in Kontakt kommen, was Entzündungen und weitere Stoffwechselstörungen auslöst, die mit Insulinresistenz und Typ-2-Diabetes in Zusammenhang stehen“, so Toubon.

Weiterhin war auch ein erhöhtes Vorkommen der Bakterien Desulfovibrio piger, Alistipes communis, Alistipes finegoldii, Ruminococcus gnavus und Lachnospiraceae mit einem erhöhten Diabetes-Risiko verbunden, berichtet das Forschungsteam.

Anderseits sei zum Beispiel bei einem geringen Vorkommen des Bakteriums Coprococcus catus das Diabetes-Risiko erhöht ausgefallen. Oberhalb einer gewissen Konzentration der Bakterien war dies den Fachleuten zufolge jedoch nicht mehr festzustellen.

Demnach scheint Coprococcus catus eine gewisse Schutzwirkung zu entfalten, was laut den Forschenden auch für Erysipelotrichaceae– und Clostridia-Bakterien gilt.

Neue Ansätze zur Früherkennung & Prävention

Künftig könnten die identifizierten Bakterien als Biomarker dienen, um Personen mit einem erhöhten Risiko für Typ-2-Diabetes frühzeitig zu identifizieren und entsprechende präventive Maßnahmen einzuleiten, resümiert Toubon. Bereits Jahre vor Ausbruch der Erkrankung seien die Veranlagungen der Darmflora nachweisbar. (fp)

Autoren- und Quelleninformationen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Autor:
Fabian Peters
Quellen:
  • Gaël Toubon, Fredrik Boulund, Cecilia Martinez Escobedo, Carl Brunius, Lars Engstrand, Susanna C. Larsson, Elise Nordin, Ina Schuppe-Koistinen, Alicja Wolk, Clemens Wittenbecher, Rikard Landberg: Gut microbiome composition and functional potential associate with incident type 2 diabetes in 4,685 adults from a Swedish prospective cohort; in: Cell Reports Medicine (veröffentlicht 16.06.2026), cell.com
  • Chalmers University of Technology: Gut microbiota can predict risk of type 2 diabetes years before it develops (veröffentlicht 07.07.2026), eurekalert.org
  • Antonio Molinaro, Pierre Bel Lassen, Marcus Henricsson, Hao Wu, Solia Adriouch, Eugeni Belda, Rima Chakaroun, Trine Nielsen, Per-Olof Bergh, Christine Rouault, Sébastien André, Florian Marquet, Fabrizio Andreelli, Joe-Elie Salem, Karen Assmann, Jean-Philippe Bastard, Sofia Forslund, Emmanuelle Le Chatelier, Gwen Falony, Nicolas Pons, Edi Prifti, Benoit Quinquis, Hugo Roume, Sara Vieira-Silva, Tue H. Hansen, Helle Krogh Pedersen, Christian Lewinter, Nadja B. Sønderskov, The MetaCardis Consortium, Lars Køber, Henrik Vestergaard, Torben Hansen, Jean-Daniel Zucker, Pilar Galan, Marc-Emmanuel Dumas, Jeroen Raes, Jean-Michel Oppert, Ivica Letunic, Jens Nielsen, Peer Bork, S. Dusko Ehrlich, Michael Stumvoll, Oluf Pedersen, Judith Aron-Wisneswky, Karine Clément, Fredrik Bäckhed: Imidazole propionate is increased in diabetes and associated with dietary patterns and altered microbial ecology; in: Nature Communications (veröffentlicht 18.11.2020), nature.com
  • Bingwei Li, Yuan Li, Bing Wang, Yingyu Wang, Weiqi Liu, Xiang Xu, Mingming Liu, Xu Zhang, Ruijuan Xiu: Modulation of gut microbiota by the herbal formulation Intestinal Flora Balance rescues pancreatic and intestinal microvascular dysfunction to alleviate type 2 diabetes mellitus; in: Phytomedicine (veröffentlicht 12.01.2026), sciencedirect.com

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.

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