Der Konsum von drei bis vier Tassen Kaffee pro Tag kann bei Personen mit schweren psychischen Erkrankungen die biologische Alterung nachweisbar verlangsamen. So wird die Verkürzung der Telomere, die als biologischer Marker der Alterung gilt, deutlich reduziert.
Forschende des King’s College London und des Oslo University Hospital haben in einer aktuellen Studie die Auswirkungen des Kaffeekonsums auf die Telomerlänge bei Personen mit schweren psychischen Erkrankungen untersucht. Die Ergebnisse sind in dem Fachmagazin „BMJ Mental Health“ veröffentlicht.
Psychische Erkrankungen erhöhen biologisches Alter
Die Telomerlänge ist ein Indikator für die zelluläre Alterung und Personen mit schweren psychischen Erkrankungen weisen tendenziell deutlich kürzere Telomere auf als die Allgemeinbevölkerung, erläutern die Forschenden.
Die Verkürzung der Telomere sei zwar ein natürlicher Bestandteil des Alterungsprozesses, erscheine aber bei Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen wie Psychosen, Schizophrenie und bipolarer Störung erheblich beschleunigt.
So können psychische Erkrankungen das biologische Alter äußerst nachteilig beeinflussen und die Lebenserwartung der Betroffenen tendenziell verkürzen.
Kaffee kann Lebenserwartung verlängern
Anderseits haben verschiedene frühere Studien bereits belegt, dass regelmäßiger Kaffeekonsum das frühzeitige Sterberisiko senken kann und eine in dem Fachmagazin „Ageing Research Reviews“ veröffentlichte Forschungsarbeit zeigt zudem auf, weshalb Kaffee die Lebenserwartung verlängert.
So kann Kaffeekonsum unter anderem über eine Reduzierung von oxidativem Stress den biologischen Alterungsprozess bremsen und der Telomerverkürzung entgegenwirken.
Welche Wirkung zeigt sich bei psychischen Erkrankungen?
Ob auch Personen mit schweren psychischen Erkrankungen hiervon profitieren können und welche tägliche Kaffeedosis welche Wirkung entfaltet, haben die Forschenden nun anhand der Daten von 436 Teilnehmenden der norwegischen TOP-Studie (Thematically Organised Psychosis) untersucht
Die Teilnehmenden wurden zwischen 2007 und 2018 rekrutiert, wobei 259 an Schizophrenie litten und 177 an affektiven Störungen, darunter bipolare Störungen und schwere depressive Störungen mit Psychose, berichten die Forschenden.
Anhand den Angaben zu ihrem täglichen Kaffeekonsum wurden die Teilnehmenden in vier Kategorien eingeteilt: Personen, die keinen Kaffee tranken; die ein bis zwei Tassen täglich tranken; die drei bis vier Tassen täglich tranken; und Personen, die fünf oder mehr Tassen Kaffee pro Tag konsumierten.
Höherer Kaffeekonsum im Alter
Allgemein sei dabei aufgefallen, dass Teilnehmende, die fünf oder mehr Tassen Kaffee pro Tag tranken, signifikant älter waren als diejenigen, die keinen oder nur ein bis zwei Tassen täglich konsumierten, erklären die Fachleute.
Zudem tranken Teilnehmenden mit Schizophrenie signifikant mehr Kaffee als Personen mit einer affektiven Störung und unter den Teilnehmenden, die fünf oder mehr Tassen Kaffee am Tag konsumierten, rauchte ein erhöhter Anteil schon besonders lange, so das Forschungsteam.
Deutliche Unterschiede bei der Telomerlänge
Die Messung der Telomerlänge bei weißen Blutkörperchen (Leukozyten), die aus Blutproben extrahiert wurden, habe zudem starke Unterschied zwischen den vier Gruppen ergeben.
Im Vergleich zu Personen, die keinen Kaffee tranken, war in der Gruppe mit drei bis vier Tassen pro Tag eine deutlich höhere Telomerlänge feststellbar, nicht jedoch bei Teilnehmenden, die täglich fünf oder mehr Tassen tranken, erläutern die Forschenden.
Bei den Personen, die täglich vier Tassen Kaffee konsumierten, habe die erhöhte Telomerlänge einem um rund fünf Jahre jüngeren biologischen Alter im Vergleich zu den Teilnehmenden ohne Kaffeekonsum entsprochen.
Dies galt auch nach Berücksichtigung von Faktoren wie Alter, Geschlecht, ethnischer Zugehörigkeit, Tabakkonsum, Art der psychischen Erkrankung und medikamentöser Behandlung, so das Forschungsteam.
Manche Faktoren blieben unberücksichtigt
Allerdings lagen laut den Forschenden keine Informationen zu weiteren potenziell einflussreichen Faktoren vor, wie dem tatsächlichen Koffeingehalt, dem Konsum anderer koffeinhaltiger Getränke oder der Art und dem Zeitpunkt des Kaffeekonsums, wobei insbesondere letztere nachweisbar von Bedeutung sein kann.
Denn wie eine erst kürzlich in dem „European Heart Journal“ veröffentlichte Studie zeigt, reduziert vor allem der Morgenkaffee das frühzeitige Sterberisiko, während der Kaffeekonsum zu anderen Tageszeit diesbezüglich offenbar keine signifikante Wirkung hat.
Nicht mehr als vier Tassen pro Tag
Insgesamt spreche die neuen Studienergebnisse jedoch eindeutig dafür, dass Kaffee einen Beitrag zur Senkung des biologischen Alters bei Personen mit schweren psychische Erkrankungen leisten kann, wobei die Fachleute vermuten, dass die Wirkung auf die starken antioxidativen und entzündungshemmenden Verbindungen im Kaffee zurückgeht.
Bei einem Konsum von mehr als vier Tassen Kaffee pro Tag steige das Risiko für Zellschäden und Verkürzungen der Telomere jedoch offensichtlich wieder an, weshalb diese Empfehlung möglichst nicht überschritten werden sollte. (fp)
Autoren- und Quelleninformationen
Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.
- BMJ Group: Daily coffee drinking may slow biological ageing of people with major mental illness (veröffentlicht 25.11.2025), eurekalert.org
- Vid Mlakar, Marta Di Forti, Els F. Halff, Deepak P. Srivastava, Ibrahim Akkouh, Srdjan Djurovic, Carmen Martin-Ruis, Daniel S. Quintana, Viktoria Birkenæs, Nils Eiel Steen, Monica B. E. G. Ormerod, Ole A. Andreassen, Monica Aas: Coffee intake is associated with telomere length in severe mental disorders; in: BMJ Mental Health (veröffentlicht 25.11.2025), bmj.com
- Cátia R. Lopes, Rodrigo A. Cunha: Impact of Coffee Intake on Human Aging: Epidemiology and Cellular Mechanisms; in: Ageing Research Reviews (veröffentlicht 16.11.2024), sciencedirect.com/
- Xuan Wang, Hao Ma, Qi Sun, Jun Li, Yoriko Heianza, et al.: Coffee drinking timing and mortality in US adults; in: European Heart Journal (veröffentlicht 08.01.2025), academic.oup.com
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