Viele Teenager neigen dazu, am Wochenende deutlich länger zu schlafen als unter der Woche. Welchen Einfluss dies auf ihre psychische Gesundheit hat, blieb bisher umstritten. Ein neue Studie zeigt nun, welche Auswirkungen das Ausschlafen am Wochenende auf das Auftreten depressiver Symptome hat.
Forschende der University of Oregon und der State University of New York Upstate Medical University haben die Zusammenhänge zwischen dem Schlafverhalten am Wochenende und depressiven Symptome im späten Jugend- und jungen Erwachsenenalter untersucht. Die Ergebnisse sind in dem „Journal of Affective Disorders“ veröffentlicht.
Schlaf wichtig für die Psyche
Dass die Schlafdauer- und -qualität unsere Psyche beeinflussen, ist durch zahlreiche frühere Forschungsarbeiten bereits eindeutig belegt. Beispielsweise kam eine in dem Fachmagazin „npj Digital Medicine“ veröffentlichte Studie zu dem Schluss, dass ein unregelmäßiger Schlafrhythmus das Risiko für Depression erhöht.
Anderseits kann schlechter Schlaf bei Teenagern zu Depressionen führen, wie eine weiteren Studie aus dem Jahr 2021 zeigt. Welchen Einfluss das Ausschlafen am Wochenende auf die Psyche der Teenager hat, blieb bislang allerdings unklar.
Welchen Einfluss haben Schlafzeiten am Wochenende?
An mehr als 1.000 Teilnehmenden der „National Health and Nutrition Eximamination Survey“ (NHANES) im Alter von 16 bis 24 Jahren überprüften die Forschenden daher in der aktuellen Studie den Einfluss der Schlafzeiten am Wochenende auf das Auftreten depressiver Symptome.
Für alle Teilnehmenden lagen Angaben zu den Schlafens- und Aufstehzeiten unter der Woche und am Wochenende vor, so dass die Fachleute die Differenz zwischen dem durchschnittlichen Schlaf pro Wochenendtag und dem durchschnittlichen Schlaf pro Wochentag berechnen konnten. Außerdem wurden die Teilnehmenden regelmäßig zu ihrem psychischen Befinden befragt.
Weniger depressive Symptome
Die Datenauswertung ergab, dass Teenager und junge Erwachsene, die am Wochenende Schlaf nachholten, den sie unter der Woche verpasst hatten, tatsächlich 41 Prozent seltener über täglich auftretende depressive Symptome berichteten als Teilnehmende, die am Wochenende nicht ausschliefen, erläutern die Forschenden.
Noch geringer sei das Risiko für depressive Symptome allerdings, wenn unter der Woche eine gesunde Schlafdauer eingehalten werde. Diese ist allerdings laut den Fachleuten bei Teenager anders, als bei Erwachsenen oder Kindern.
Denn der Schlafrhythmus verschiebe sich in der Pubertät weiter nach hinten, so dass die meisten Teenagern erst gegen 23 Uhr einschlafen und gegen 8 Uhr wieder aufwachen. Dies kollidiere allerdings mit dem frühen Schulbeginn und oftmals bekommen die Heranwachsenden daher unter der Woche nicht genug Schlaf, so das Forschungsteam.
„Schlafforscher und -mediziner empfehlen Jugendlichen seit Langem, jeden Tag acht bis zehn Stunden zur gleichen Zeit zu schlafen. Das ist aber für viele Jugendliche – und generell für viele Menschen – einfach nicht praktikabel“, erläutert die Studienautorin Prof. Dr. Melynda Casement von der University of Oregon.
Teenager sollten am Wochenende ausschlafen
Hier kann jedoch das Ausschlafen am Wochenende den Teenager offenbar helfen, das Risiko depressiver Symptome zu reduzieren und ihr psychisches Wohlbefinden zu stärken.
„Wenn sie unter der Woche nicht genug Schlaf bekommen, sollten sie ihn am Wochenende nachholen, da dies wahrscheinlich einen gewissen Schutz bietet“, resümiert Co-Studienautor Jason T. Carbone von der State University of New York Upstate Medical University. (fp)
Autoren- und Quelleninformationen
Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.
- Jason T. Carbone, Melynda D. Casement: Weekend catch-up sleep and depressive symptoms in late adolescence and young adulthood: Results from the National Health and Nutrition Examination Survey; in: Journal of Affective Disorders (veröffentlicht 03.11.2025), sciencedirect.com
- University of Oregon: Sleeping in on weekends may help boost teens’ mental health (veröffentlicht 06.01.2026), eurekalert.org
- Yu Fang, Daniel B. Forger, Elena Frank, Srijan Sen, Cathy Goldstein: Day-to-day variability in sleep parameters and depression risk: a prospective cohort study of training physicians, in npj Digital Medicine (veröffentlicht 18.02.2021), nature.com
- Faith Orchard, Alice M. Gregory, Michael Gradisar, Shirley Reynolds: Self‐reported sleep patterns and quality amongst adolescents: cross‐sectional and prospective associations with anxiety and depression, in Journal of Child Psychology and Psychiatry (veröffentlicht 17.06.2020) , onlinelibrary.wiley.com
Wichtiger Hinweis:
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