Demenzerkrankungen stehen oftmals in Verbindung mit vorherigen Krankheiten, wobei auch schwere Infektionen zu den potenziellen Einflussfaktoren zählen. Insbesondere Blaseninfektionen und bakterielle Infektion ohne näher spezifizierter Lokalisation hängen laut einer neuen Studie mit der Entwicklung von Demenz zusammen.
Forschende der Universität Helsinki und des University College London haben mögliche Verbindungen zwischen dem Demenz-Risiko und Erkrankungen im früheren Lebensverlauf analysiert. Die Ergebnisse sind in dem Fachmagazin „PLOS Medicine“ veröffentlicht.
Erkrankungen als Demenz-Risikofaktoren
Welche Risikofaktoren mit Demenzerkrankungen in Zusammenhang stehen, haben zahlreiche frühere Forschungsarbeiten bereits untersucht und zuletzt kamen Forschende 2024 in dem Fachmagazin „The Lancet“ zu dem Schluss, dass 14 Risikofaktoren bei Demenz besonders relevant sind, darunter auch Sehstörungen und hohe Cholesterinwerte.
Schwere Infektionskrankheiten wurden ebenfalls schon mit einem erhöhten Demenz-Risiko in Verbindung gebracht, doch blieb bisher unklar, ob dieser Zusammenhang möglicherweise über andere Krankheiten vermittelt wird, erläutern die Forschenden der Universität Helsinki und des University College London.
Welche Rolle spielen Infektionen?
Anhand der Daten von mehr als 62.000 Personen im Alter ab 65 Jahren aus dem finnische Gesundheitsregister versuchten die Forschenden nun zu klären, ob Infektionen einen eigenständigen Demenz-Risikofaktor bilden.
Bei allen Teilnehmenden wurde im fortgeschrittenen Alter zwischen 2017 und 2020 Demenz diagnostiziert und als Vergleich dienten die Daten von 312.000 demenzfreien Kontrollpersonen, so das Forschungsteam.
Verbindung mit 29 Krankheiten identifiziert
Bei dem Abgleich der Krankenakten mit den Demenzerkrankungen identifizierten die Forschenden 29 Krankheiten, die stark mit einem erhöhten Demenz-Risiko assoziiert waren, wobei fast die Hälfte der Personen mit Demenz in den letzten 20 Jahren vor der Diagnose mindestens eine dieser Erkrankungen aufwies.
Unter den Erkrankungen waren 27 aus den Bereichen Psychiatrie, Verhalten, Verdauung, Hormonsystem, Herz-Kreislauf-System, Nervensystem und Augenheilkunde sowie Schädel- bzw. Hirnerletzungen, berichtet das Team.
Allerdings konnten die Forschenden auch zwei Formen von Infektionen feststellen, die mit einem erhöhten Demenz-Risiko in Zusammenhang stehen, Blaseninfektionen und bakterielle Infektion ohne näher spezifizierte Lokalisation.
Schwere Infektionen ein potenzieller Risikofaktor
Dieser Zusammenhang zwischen den beiden Infektionskrankheiten und Demenz war nicht auf die anderen Erkrankungen zurückzuführen und bei früh einsetzender Demenz (Diagnose vor dem 65. Lebensjahr) war er noch deutlicher ausgeprägt, erläutern die Forschenden.
Insgesamt zeige die Studie, dass Personen mit schweren Harnwegsinfektionen und bakteriellen Infektionen ohne spezifizierte Lokalisation ein erhöhtes Demenz-Risiko aufweisen und das schwere Infektionen als unabhängiger Risikofaktor für Demenz zu betrachten seien. (fp)
Autoren- und Quelleninformationen
Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.
- Pyry N. Sipilä, Kaarina Korhonen, Joni V. Lindbohm, Mika Kivimäki, Pekka Martikainen: The role of noninfectious comorbidities in the association between severe infections and risk of dementia in Finland: A nationwide registry study; in: PLOS Medicine (veröffentlicht 24.03.2026), plos.org
- PLOS: Severe infections may raise dementia risk, study finds (veröffentlicht 24.03.2026), eurekalert.org
- Gill Livingston, Jonathan Huntley, Kathy Y. Liu, Sergi G. Costafreda, Geir Selbæk, Suvarna Alladi: Dementia prevention, intervention, and care: 2024 report of the Lancet standing Commission; The Lancet (veröffentlicht 31.07.2024), thelancet.com
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