Wer den Verdacht hat, dass Weizen beziehungsweise Produkte mit Weizenmehl der eigenen Gesundheit schaden, sollte sich nicht einfach für einen Verzicht entscheiden. Vielmehr gilt es, zu klären, ob tatsächlich eine Weizenallergie oder eine Zöliakie oder ob möglicherweise nur eine Weizenunverträglichkeit vorliegt.
Welche Unterschiede zwischen den verschiedenen Beschwerdebildern bestehen und warum ein pauschaler Weizenverzicht in den meisten Fällen nicht hilfreich ist, erläutert Professorin Dr. Margitta Worm von der Charité – Universitätsmedizin Berlin in einer aktuellen Mitteilung des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR).
Ist Weizen ungesund?
Weizen gerät immer häufiger unter Verdacht, Allergien auszulösen und ungesund zu sein, wobei jedoch viele Nahrungsmittel unseres Kulturkreises Weizen enthalten, erläutert die Expertin. Ein Verzicht sei daher mit durchaus erheblichen Einschränkungen verbunden, aber glücklicherweise auch nur bei einer Weizenallergie und einer Zöliakie wirklich erforderlich.
Wie häufig Weizenallergien und Weizenunverträglichkeiten tatsächlich vorkommen hat das Team um Prof. Dr. Worm in einer vom BMFTR geförderten Studie anhand von an 1.770 Personen untersucht. Rund 13 Prozent der Teilnehmenden gaben dabei an, nach dem Verzehr von Weizen Beschwerden zu entwickeln.
Echte Weizenallergie sehr selten
Die durchgeführten Allergietest in der für Deutschland repräsentative Stichprobe zeigt jedoch auch, dass eine echte Nahrungsmittelallergie gegenüber Weizen sehr selten ist.
„Nur 0,25 Prozent der deutschen Bevölkerung leiden an einer Allergie gegen Weizenproteine. Diese Menschen sollten deshalb Weizen und verwandte Getreidesorten strikt meiden“, betont Prof. Dr. Worm
Die Weizenallergie bilde eine echte Nahrungsmittelallergie, bei der das Immunsystem Antikörper (IgE) gegen Weizenproteine produziere und die sofort oder bis zu zwei Stunden nach dem Verzehr zu Symptomen wie Hautausschlag, Atemnot, Schwellungen oder Magen-Darm-Beschwerden führe.
Bei Weizenallergie & Zöliakie auf Weizen verzichten
„Die Betroffenen sollten Weizen und verwandte Produkte wie Dinkel, Grünkern oder Emmer konsequent meiden“, so Worm. Ein Weizenverzicht ist ebenfalls für Personen mit Zöliakie angeraten, einer Autoimmunerkrankung, bei der das Gluten aus Getreide die Dünndarmschleimhaut angreift und schädigt, weshalb die Ernährung strikt glutenfrei sein sollte.
Für Personen, die lediglich eine Weizenunverträglichkeit haben, ist ein grundsätzlicher Verzicht auf Weizen oder Gluten jedoch nicht erforderlich. Und deren Anteil liegt laut der repräsentativen Umfrage offenbar bei rund 13 Prozent, wobei Frauen laut den Fachleuten mit 17,5 Prozent deutlich häufiger betroffen sind als Männer mit 8,8 Prozent.
Bei der Weizenunverträglichkeit treten die Beschwerden laut den Fachleuten weniger rasch auf als bei einer Allergie und sie umfassen eher Verdauungsprobleme, Müdigkeit, Kopfschmerzen und das Gefühl von Verwirrtheit („brain fog“) anstatt der typischen Allergiesymptome.
Die Studienleiterin empfiehlt bei Beschwerden mit Weizen immer eine ärztlichen Abklärung, um zu unterscheiden, ob eine Allergie, eine Zöliakie oder eine Unverträglichkeit vorliegt, auch weil die daraus folgenden Ernährungsempfehlungen sehr unterschiedlich seien.
Pauschaler Verzicht nicht hilfreich
„Viele Betroffene stellen auf Verdacht auf eine glutenfreie Ernährung um. Möglicherweise ernähren sich diese Patienten dann völlig unnötig glutenfrei, was mit einer starken Einschränkung der Lebensqualität und höheren Kosten verbunden ist. Auch sind glutenfreie Produkte nicht unbedingt weizenfrei, sodass diese für Menschen mit Weizenallergie schädlich sein können“, betont Prof. Dr. Worm.
Für Patientinnen und Patienten, die sich nach dem Verzehr von Weizen unwohl fühlen, ohne dass bei ihnen eine eindeutige Diagnose gestellt werden kann, sei oftmals eine professionelle Ernährungsberatung hilfreich.
Denn häufig reiche es beispielsweise schon aus, die Ernährung auf eine vielfältige Mischkost umzustellen, die reich an Gemüse und Hülsenfrüchten ist, um die Beschwerden zu vermeiden. (fp)
Autoren- und Quelleninformationen
Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.
- Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Weizen: Der große Unterschied zwischen Allergie und Unverträglichkeit (Stand 25.03.2026), gesundheitsforschung-bmftr.de
- A. Neyer, S. Dölle-Bierke, V. Höfer, J. Grünhagen, K. Beyer, M. Worm: Prevalence and Clinical Symptoms of Wheat Allergy in Adults and Adolescents in Central Europe; in: Clinical & Experimental Allergy (veröffentlicht 19.02.2025), onlinelibrary.wiley.com
- Margitta Worm, Sabine Dölle-Bierke, Veronika Höfer: The Frequency of Food Allergens as Triggers of Severe Allergic Reactions; in: Deutsches Ärzteblatt (2024), aerzteblatt.de
Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.









