Beliebte Süßstoffe wie Sucralose und Stevia haben offenbar negative Auswirkungen auf die Darmflora und die Genexpression, die auch an die Nachkommen weitergeben werden können. Damit drohen gesundheitliche Folgen über Generationen hinweg.
Forschende der Universität Chile haben in einer aktuellen Studie die Auswirkungen von Sucralose und Stevia auf die Zusammensetzung der Darmflora, die Konzentrationen kurzkettiger Fettsäuren und die Expression bestimmter Gene in Leber und Darm untersucht. Die besorgniserregenden Ergebnisse sind in dem Fachmagazin „Frontiers in Nutrition“ veröffentlicht.
Süßstoffe mit Vorsicht zu genießen
Nachdem die negativen Gesundheitseffekte des hohen Zuckerkonsums zunehmend deutlich wurden, erfreuen sich verschiedene andere Süßstoffe seit einigen Jahrzehnten einer wachsenden Beliebtheit. Allerdings zeigen neuere Studien, dass auch diese gewisse Risiken bergen.
So berichteten Forschende zum Beispiel 2022 in dem Fachmagazin „BMJ“, dass künstliche Süßstoffe mit Herz-Kreislauf-Risiken verbunden sind und eine Studie aus dem vergangenen Jahr belegt, dass die Süßstoffe auch dem Gehirn schaden und das Gedächtnis beeinträchtigen können.
Zudem ist trotz der zunehmenden Verwendung künstlicher Süßstoffe keine Trendwende bei den typischen Folgen des hohen Zuckerkonsums erkennbar.
„Wir fanden es faszinierend, dass trotz des steigenden Konsums dieser Zusatzstoffe die Häufigkeit von Fettleibigkeit und Stoffwechselstörungen wie Insulinresistenz nicht zurückgegangen ist“, erläutert die Studienautorin Dr. Francisca Concha Celume von Universität Chile.
Hier habe sich daher die Frage gestellt, ob die Süßstoffe den Stoffwechsel möglicherweise auf noch nicht vollständig verstandene Weise ebenfalls nachteilig beeinflussen.
Welche Folgen haben Süßstoffe?
An Mäusen überprüften die Fachleute nun die Auswirkungen des Konsums von Sucralose und Stevia auf die Zusammensetzung der Darmflora, die Konzentrationen kurzkettiger Fettsäuren sowie die Expression von bestimmten Genen in der Leber und dem Darm.
Ebenso wurde mittels Glukosetoleranztest die Insulinsresistenz erfasst und die Forschenden beobachteten zudem, ob die Veränderungen an die folgenden zwei Generationen weitergegeben wurden.
Dabei zeigte sich, dass die beiden Süßstoffe unterschiedliche Wirkungen haben, die sich zudem im Laufe der Zeit veränderten. So waren zum Beispiel nur bei männlichen Nachkommen von Mäusen, die Sucralose konsumierten, in der ersten Generation Anzeichen einer gestörten Glukosetoleranz feststellbar.
In der zweiten Generation war jedoch ein erhöhter Nüchternblutzuckerspiegel sowohl bei männlichen Nachkommen von Sucralose-konsumierenden Mäusen als auch bei weiblichen Nachkommen von Stevia-konsumierenden Mäusen nachweisbar, berichtet das Team.
Zwar sei bei den Mäusen, die Stevia oder Sucralose konsumierten, eine höhere Vielfalt der Darmflora aufgetreten, doch die Konzentrationen an kurzkettigen Fettsäuren waren geringer, so die Fachleute weiter. Dies deute darauf hin, dass die Bakterien weniger nützliche Stoffwechselprodukte produzierten.
Sucralose nachteiliger als Stevia
Und auch in den nachfolgenden Generationen seien die Konzentrationen an kurzkettigen Fettsäuren infolge der Süßstoffe geringer ausgefallen. Zudem waren Mäuse, die Sucralose konsumierten, stärker und länger von Veränderungen der Darmflora betroffen, mit mehr pathogenen und weniger nützlichen Bakterienarten, ergänzen die Forschenden.
Darüber hinaus habe Sucralose die Expression von Genen angeregt, die mit Entzündungen in Verbindung stehen, und die Expression von Genen gehemmt, die mit dem Stoffwechsel in Verbindung stehen, über beide Generationen der Nachkommen hinweg.
Bei Stevia seien die Auswirkungen auf die Genexpression indes deutlich geringer ausgefallen und nicht über mehr als eine Generation hinweg aufgetreten.
„Die beobachteten Veränderungen der Glukosetoleranz und Genexpression könnten als frühe biologische Signale im Zusammenhang mit Stoffwechsel- oder Entzündungsprozessen interpretiert werden“, ergänzt Dr. Concha.
Insgesamt zeigt die Studie, dass insbesondere Sucralose die Glukosetoleranz sowie die Expression bestimmter Gene in der Leber und im Darm verändert und die Zusammensetzung der Darmflora und die Konzentrationen kurzkettiger Fettsäuren beeinflusst – zumindest bei Mäusen.
Zudem können die Veränderungen offenbar über Generationen weitergegeben werden, weshalb es grundsätzlich ratsam scheint, den Konsum der Süßstoffe zu minimieren. (fp)
Autoren- und Quelleninformationen
Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.
- Frontiers: Negative effects of artificial sweeteners may pass on to next generation, mouse research suggests (veröffentlicht 10.04.2026), eurekalert.org
- Francisca Concha Celume, Francisco Pérez-Bravo, Fabien Magne, Ricardo Olivares, Martin Gotteland: Artificial and Natural Non-Nutritive Sweeteners Drive Divergent Gut and Genetic Responses Across Generations: in: Frontiers in Nutrition (veröffentlicht 10.04.2026), frontiersin.org
- Natalia Gomes Gonçalves, Euridice Martinez-Steele, Paulo A. Lotufo, Isabela Bensenor, Alessandra C. Goulart, et al.: Association Between Consumption of Low- and No-Calorie Artificial Sweeteners and Cognitive Decline; in: Neurology (veröffentlicht 03.09.2025), neurology.org
- Charlotte Debras, Nathalie Druesne-Pecollo, Fabien Szabo de Edelenyi, Rebecca Lutchia, Chantal Julia, et al.: Artificial sweeteners and risk of cardiovascular diseases: results from the prospective NutriNet-Santé cohort; in: BMJ (veröffentlicht 07.09.2022), bmj.com
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