Europaweit sind die Fälle der Erkrankungen an arzneimittelresistenter Gonorrhö (umgangssprachlich Tripper) in den vergangenen zwei Jahren deutlich gestiegen. Das European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) warnt daher vor den Folgen der zunehmenden Ausbreitung antibiotikaresistenter Gonokokken-Stämme.
Gonorrhö ist weltweit eine der häufigsten sexuell übertragbaren Krankheiten, wobei die Infektionen bisher mit Antibiotika gut therapierbar waren. Seit einigen Jahren melden jedoch immer mehr europäische Länder Gonokokken-Stämme, die gegen das üblicherweise verwendete Antibiotikum Ceftriaxon resistent sind, berichte das ECDC.
Rekordzahl an Infektionen in den EU
Jährlich erkranken laut ECDC weltweit geschätzte 82 Millionen Personen an Tripper und im Jahr 2024 wurden in der EU mehr als 106.000 Gonorrhö-Fälle gemeldet. Dies sei die höchste Zahl seit Beginn der EU-weiten Überwachung im Jahr 2009.
In den letzten zwei Jahren sei in Europa zudem ein deutlicher Anstieg von Gonorrhö-Erkrankungen aufgetreten, bei denen die Behandlung mit Ceftriaxon wirkungslos blieb. Diese Ausbreitung resistenter Gonokokken-Stämme birgt dabei laut den ECDC nicht zu unterschätzende Risiken.
Insbesondere meldeten Frankreich, Deutschland, Schweden und das Vereinigte Königreich einen deutlichen Anstieg der arzneimittelresistenten Gonorrhö-Erkrankungen, wobei offenbar die Einschleppung aus Regionen mit stärkerer Verbreitung resistenter Stämme (wie Südostasien) eine wichtige Rolle spielt, berichtet das ECDC.
Einschränkung der Behandlungsoptionen
Aber viele der Fälle seien lokal erworbene Infektionen, was auf eine Weiterverbreitung innerhalb Europas schließen lasse. Auch wenn die Gefahr für die Allgemeinbevölkerung bisher begrenzt bleibt, könnten sich hochgradig resistente Stämme weiter etablieren und ausbreiten, wodurch die Behandlungsoptionen zunehmend eingeschränkt würden, warnt Csaba Ködmön von dem ECDC.
„Die lokale Übertragung von Ceftriaxon-resistenter Gonorrhö in Europa ist ein Warnsignal, das wir nicht ignorieren dürfen“, betont Ködmön. Ohne erfolgreiche Behandlung könne eine Gonorrhö-Infektion zu schweren Komplikationen wie beispielsweise entzündlichen Beckenerkrankungen, Unfruchtbarkeit und Eileiterschwangerschaften führen.
Zwar sei das Risiko einer Infektion für die Bevölkerung in Europa insgesamt eher gering, doch beispielsweise bestehe für Personen, die ohne Kondom häufiger Sex mit wechselnden Partnerinnen und Partnern haben eine erhöhte Gefahr.
Handlungempfehlungen der ECDC
Das ECDC fordert eine Stärkung der Prävention, den Ausbau antimikrobieller Tests und die Förderung einer frühzeitigen Diagnose, um resistente Stämme rechtzeitig zu erkennen, die weitere Ausbreitung resistenter Gonokokken-Stämme zu begrenzen und die therapierbarkeit von Gonorrhö sicherzustellen.
Einfache Maßnahmen zur Verhinderung der Infektion seien die korrekte und konsequente Verwendung von Kondomen (oder anderen Barrieremethoden) beim Geschlechtsverkehr, regelmäßige Tests (insbesondere nach Sex mit neuen, wechselnden oder mehreren Partnerinnen bzw. Partnern) sowie Tests nach einer möglichen Exposition.
Weiterhin empfiehlt das ECDC die kontinuierliche Überwachung der antimikrobiellen Resistenzen von Gonokokken, die Bestimmung der Empfindlichkeit gegenüber antimikrobiellen Wirkstoffen sowie gezielte Präventionsmaßnahmen zur Eindämmung der Ausbreitung. Auch sei eine angemessene klinische Versorgung der Betroffenen geboten. (fp)
Autoren- und Quelleninformationen
Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.
- European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC): Drug-resistant gonorrhea on the rise in Europe, ECDC warns (veröffentlicht 16.07.2026), ecdc.europa.eu
- European Centre for Disease Prevention and Control: Upsurge in ceftriaxone-resistant Neisseria gonorrhoeae with evidence of domestic transmission in the EU/EEA and the UK (veröffentlich 16.07.2026), ecdc.europa.eu
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