Das Risiko für Borreliose-Infektionen ist offenbar stark abhängig von der Mäusepopulation. Denn Mäuse sind eine gute Nahrungsquelle für Zecken und geben zudem häufig Borrelia burgdorferi an die blutsaugenden Parasiten weiter.
In einer Langzeitstudie haben Forschende des Cary Institute of Ecosystem Studies und des Bard College untersucht, welche Umweltfaktoren das Übertragungsrisiko der Borreliose beeinflussen. Die durchaus überraschenden Ergebnisse sind in dem Fachmagazin „Proceedings of the National Academy of Sciences“ veröffentlich.
Deutlicher Anstieg der Borreliose-Fälle
Nicht nur in Deutschland, auch in den USA ist seit Jahren ein deutlicher Anstieg der durch Zecken übertragenen Krankheiten zu verzeichnen. Besonders häufig haben Zeckenbisse dabei eine Lyme-Borreliose zur Folge, die durch das Bakterium Borrelia burgdorferi verursacht wird, erläutern die Forschenden.
Zwar lasse sich die Borreliose in der Regel mit Antibiotika erfolgreich behandeln, doch unbehandelt könne die Infektion auf Gelenke, Herz und Nervensystem übergehen und bei einigen Betroffenen anhaltende Beschwerden verursachen.
Wie hoch das Risiko eines Zeckenbisses und die Wahrscheinlichkeit einer Borreliose-Infektion tatsächlich sind, wird dabei auch durch verschiedene Umweltfaktoren beeinflusst, die im Zusammenhang mit der Ausbreitung der Krankheitserreger und dem Vorkommen der Zecken stehen.
Welche Faktoren spielen eine Rolle?
Welche Umweltfaktoren eine maßgebliche Rolle in Bezug auf das Borreliose-Risiko spielen, hat das Forschungsteam nun in einem bewaldeten Areal von rund 800 Hektar Größe im New Yorker Dutchess County untersucht.
Die Fachleute analysierten über einen Zeitraum von rund 35 Jahren das Zusammenspiel von Eicheln, Wirtstieren, Zecken, Fressfeinden und Klima sowie die Folgen für das Risiko einer Borreliose-Infektion bei Menschen.
Hirschpopulation ohne signifikanten Einfluss
Ursprünglich stand die Population der Weißwedelhirsche als wichtiger Faktor für die Verbreitung der Krankheit in Verdacht, da auf erlegten Hirschen häufig eine große Anzahl ausgewachsener Zecken gefunden wurde.
Zwar können die Hirsche keine Borreliose-Erreger an die Zecken weitergeben, doch die Überlegung war, dass ein größerer Hirschbestand mehr Nahrung für erwachsene weibliche Zecken biete, die dann mehr Eier ablegen und mehr Zecken hervorbringen, erläutern die Forschenden.
Doch nach jahrzehntelanger intensiver Forschung habe sich nun gezeigt, dass es keinen statistischen Zusammenhang zwischen der Hirschpopulation und dem Vorkommen der Zeckennymphen gibt. In diesem Entwicklungsstadium übertragen Zecken am ehesten Borreliose auf den Menschen.
„In kurzen Datensegmenten hatten wir zwar einen schwachen positiven Zusammenhang zwischen der Anzahl der Hirsche und der späteren Nymphenpopulation festgestellt, aber der gesamte Datensatz zeigt einen solchen Zusammenhang nicht“, so der Studienautor Richard Ostfeld vom Cary Institute of Ecosystem Studies.
Mäuse eine wichtiger Faktor
Hingegen beobachteten die Forschenden bei der Mäusepopulation einen signifikanten Zusammenhang mit der Zahl der Zeckennymphen. Nach einem Jahr mit vielen Mäusen stieg die Nymphenzahl im Folgejahr um etwa 40 Prozent, berichtet das Team.
Mäuse seien eine hochwertige Nahrungsquelle für die Larven der Zecken und zudem sehr effiziente Überträger von Borrelia burgdorferi. Haben sich Zecken im Larvenstadium mit Borrelien infiziert, können sie die Bakterien weitergeben, wenn sie im Nymphenstadium Blut saugen, erläutern die Forschenden.
Eichelmenge beeinflusst Mäusepopulation
Weiterhin sei deutlich geworden, dass ene erhöhte Mäusepopulation nach einer sogenannten Eichelmast folgt, also wenn eine große Anzahl von Eichen gleichzeitig die Früchte abwirft. Damit werde ein reichhaltiges Nahrungsangebot für Mäuse geschaffen, das deren Population im Folgejahr anwachsen lasse.
Dies führt wiederum ein Jahr später zu einer Zunahme der Zeckennymphen, so dass eine große Eichelmenge einen zuverlässigen Indikator für eine höhere Anzahl von Zeckennymphen zwei Jahre später bildet, erklären die Fachleute.
Allerdings sei auch deutlich geworden, dass große Mäusepopulationen nicht automatisch mit einem erhöhten Anteil infizierter Nymphen verbunden sind, obwohl Mäuse den Erreger effizient übertragen.
Ein möglicher Erklärungsansatz sei, dass in Jahren mit hoher Mäusepopulation auch andere potenzielle Wirtstiere der Zecken zahlreicher vorkommen, die jedoch seltener den Erreger an Zecken weitergeben, so dass sich die Prävalenz bei den Zeckennymphen verringere.
„Die Infektionsrate bei den Nymphen hängt also maßgeblich davon ab, wie sich die Blutmahlzeiten der Zeckenlarven auf die verschiedenen Wirtstiere verteilen“, erklärte Ostfeld.
Extreme Wetterlage ohne Einfluss
Nicht zuletzt stellten die Forschenden fest, dass besonders kalte Winter und besonders heiße Sommer offenbar keinen wesentlichen Einfluss auf die Zeckenpopulation haben. Allerdings war die Zahl der Zeckennymphen laut den Fachleuten in wärmeren Jahren niedriger als üblich.
Insgesamt könnten die neuen Erkenntnisse auch dabei helfen, bessere Strategien gegen die durch Zecken übertragenen Krankheiten zu entwickeln, betont Ostfeld. Die ökologischen Dynamiken, die das Borreliose-Risiko bestimmen, seien zwar komplex, aber vorhersagbar.
So ließen sich Phasen mit erhöhtem Borreliose-Risiko anhand der Eichelmenge und der Mäusepopulation in den beiden Vorjahren frühzeitig vorhersagen und es könnten entsprechende Präventionsmaßnahmen eingeleitet werden. (fp)
Autoren- und Quelleninformationen
Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.
- Richard S. Ostfeld, Shannon L. LaDeau, Kelly Oggenfuss, Kelly Oggenfuss, Charles D. Canham, Michael Fargione, Raymond J. Winchcombe, Felicia Keesing: The ecology of Lyme disease: Long-term data, surprises, and a synthesis; in: Proceedings of the National Academy of Sciences (veröffentlich 17.08.2026), pnas.org
- Cary Institute of Ecosystem Studies: 35-year study reshapes our understanding of Lyme disease ecology (veröffentlicht 17.08.2026), eurekalert.org
Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.









