Wiederholte kurze Sprints haben stärkere positive Auswirkungen auf die Metaboliten im Blut als 90 Minuten moderate Bewegung. Bereits sechs kurze Sprints von jeweils 30 Sekunden zeigen deutliche Effekte.
Welche Auswirkungen Bewegung unterschiedlicher Intensität auf die Regulation der verschiedenen Organe und die Metaboliten im Blut entfaltet, hat eine internationales Forschungsteam unter Federführung von Fachleuten der Rockefeller University in einer aktuellen Studie untersucht. Die Ergebnisse sind in dem Fachmagazin „Cell Reports Medicine“ veröffentlicht.
Trainingsform entscheidend für die Wirkung
Dass körperliche Bewegung der Gesundheit auf zahlreichen Ebenen zugutekommt, ist bereits hinlänglich belegt, wobei sich die Wirkung allerdings zwischen den verschiedenen Bewegungsformen stark unterscheiden kann.
Ausdauertraining hat bekanntlich andere Effekte als kurze hochintensive Belastungen und die Forschenden stellten sich daher die Fragen, inwiefern sich hier auch Unterschiede bei der Regulation der Organe und der Zusammensetzung des Blutes ergeben.
Kurze Sprints besonders wirksam
In einer Interventionsstudie verglichen sie die Auswirkungen verschiedener Trainingsintensitäten und stellten dabei fest, dass sechs Sprints von jeweils 30 Sekunden bei maximaler Anstrengung die Konzentration von fast einem Viertel der unmittelbar danach gemessenen Proteine veränderten.
Moderates, kontinuierliches Radfahren über 90 Minuten veränderte hingegen weniger als ein Prozent dieser Proteine und moderates Laufen auf dem Laufband beeinflusst zwar ein wenig mehr Proteine als das Radfahren, aber dennoch weitaus weniger als die kurzen Sprints, berichten die Forschenden.
Sofortige Wirkung nachweisbar
Das Sprinten habe Veränderungen bei mehr als 200 Metaboliten ausgelöst und zu einem sofortigen Anstieg von Proteinen geführt, die an der Bildung von Blutgefäßen, der Gewebeumgestaltung und der hormonellen Signalübertragung beteiligt sind.
Einige dieser Proteine seien offenbar über einen beschleunigten zellulären Signalprozess (sogenanntes Ektodomänen-Shedding) in den Blutkreislauf gelangt. Sie mussten nicht synthetisiert und ausgeschüttet werden, sondern wurden von Proteinen auf den Zelloberflächen abgespalten, erläutert das Team.
Moderate Bewegung wenig wirksam
Moderate körperliche Betätigung habe eine deutlich geringere Reaktion ausgelöst und erst drei Stunden nach Abschluss des Trainings seien im Blutkreislauf nennenswerte Veränderungen jener Fettsäuren und aus der Leber stammender Proteine aufgetreten, die typischerweise durch Ausdauersport beeinflusst werden.
Zudem waren die Unterschiede laut den Fachleuten auch auf Ebene der Genaktivität nachweisbar und im Vergleich zu den Sprints habe moderate Bewegung nur geringfügige Veränderungen der Genaktivität bewirkt.
Verbindung mit Erkrankungsrisiken
Bei dem Abgleich der festgestellten Proteinveränderungen mit den Gesundheitsdaten von mehr als 53.000 Personen aus der UK Biobank habe sich darüber hinaus gezeigt, dass viele der betroffenen Proteine mit einem geringeren Risiko für Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen in Verbindung stehen.
Besonders deutlich zeigte sich dieser Zusammenhang bei Adipositas, Typ-2-Diabetes und anderen Stoffwechselstörungen und von 33 Proteinen, die mit einem niedrigeren Risiko für diese Beschwerden assoziiert sind, wurden 32 durch Sprinten beeinflusst, verglichen mit nur drei bei moderater körperlicher Betätigung, erklären die Forschenden.
Intensitätsabhängigen Wirkung der Bewegung
„Das Spannende daran ist, dass schon wenige Minuten des intensiven Trainings eine signifikante molekulare Reaktion auslösen können“, betont Studienautor Paul Cohen von der Rockefeller University.
„Es ist hinlänglich bekannt, dass unterschiedliche Trainingsintensitäten spezifische, den gesamten Körper betreffende Anpassungsprozesse anstoßen. Die molekularen Mechanismen, die diesen intensitätsabhängigen Anpassungen zugrunde liegen, waren jedoch weitgehend unbekannt“, ergänzt der Studienautor Luke Olsen von der Rockefeller University
Die neue Studien lege nun den Schluss nahe, dass sogenannte Exerkine – Proteine und Stoffwechselprodukte, die nach körperlicher Betätigung in die Blutbahn abgegeben werden – eine entscheidende Rolle spielen.
Exerkine scheinen äußerst empfindlich auf die Trainingsintensität zu reagieren und könnten die entscheidenden Vermittler jener gesundheitsfördernden Effekte sein, die durch kurze Phasen intensiven Trainings erzielt werden, resümieren die Forschenden. (fp)
Autoren- und Quelleninformationen
Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.
- Luke Olsen, Javier Botella, Douglas Barrows, Ethan Romero, Kaitlyn Baird, Mutsumi Katayama, Ece Kilic, Christopher Peralta, Nadège Zanou, Henry Sanford, Laurie Farrell, Christopher L. Axelrod, Kaja Plucińska, Jeanne Walker, Lu Yan, Katie Fredrickson, Olivier Pourquie, Jeremy M. Robbins, Ekaterina V. Vinogradova, Henrik Molina, Nicolas Place, John P. Kirwan, Juleen R. Zierath, Anna Krook, Robert E. Gerszten, David J. Bishop, Paul Cohen: Exercise intensity modulates interorgan communication and is associated with cardiometabolic health outcomes in humans; in Cell Reports Medicine (veröffentlicht 13.08.2026), cell.com
- The Rockefeller University: A few minutes of sprinting could make a bigger impact than 90 minutes of moderate running (veröffentlicht 13.08.2026), rockefeller.edu
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