Samenleiterentzündung – Ursachen, Symptome und Therapie

Fast jeder weiß wie schmerzempfindlich der männliche Genitalbereich von Natur aus ist. Zu den schmerzhaftesten Erkrankungen, die das männliche Geschlecht ereilen können, gehört die Samenleiterentzündung (Deferentitis). Die Schmerzen, die im Zuge der Erkrankung beim Wasserlassen oder auch in Ruhe entstehen können, sind für Männer oftmals kaum zu ertragen. Dabei können die Ursachen einer Samenleiterentzündung sehr vielschichtig sein. Häufig lässt sich eine Vorentzündung der Hoden oder der Prostata als Auslöser feststellen, jedoch kommen grundsätzlich auch andere Gründe für die Deferentitis infrage. Bei rechtzeitiger Behandlung heilt die Entzündung der Samenleiter aber vollständig ab. Sollte die Therapie jedoch ausbleiben oder zeitverzögert beginnen, drohen ernste Schäden und Funktionseinbußen am männlichen Genital, die selbst eine dauerhafte Impotenz nicht ausschließen. Wie sie derartige Spätfolgen bestmöglich verhindern und welche Maßnahmen zur Prävention einer Samenleiterentzündung ergriffen werden können, erfahren Sie nachstehend.


Definition

Die Samenleiter (Ductus deferens) bezeichnen jenen Abschnitt der männlichen Genitalien, welcher die Harnröhre mit den Nebenhoden verbindet. Für die Fortpflanzungsfähigkeit des Mannes sind sie unerlässlich, da sie als Teil des Samenstrangs (Funiculus spermaticus) die in den Hoden produzierten Spermien in den Penis transportieren. Der Aufbau eines Samenleiters gleicht einem gefäßartigen Hohlorgan. Zusätzlich sind sie mit Schleimhäuten und einer Muskelschicht ausgekleidet, welche die Transportfunktion erleichtern. Wenn sich innerhalb des Hohlorgans Infektionserreger ansiedeln, kommt es zu einer Entzündung der Samenleiter.

Eine Samenleiterentzündung ist sehr schmerzhaft und kann Impotenz zur Folge haben. (Bild: sasun-Bughdaryan/fotolia.com)

In den meisten Fällen geht der Samenleiterentzündung eine Vorentzündung im männlichen Genitalbereich voraus, welche eine entzündliche Folgeinfektion der Samenleiter auslöst. Bleibt die Deferentitis lange unbehandelt, kann es außerdem zu weiteren Folgeinfektionen kommen. Typische Folgeerkrankungen sind:

  • Samenstrangentzündung (Funiculitis beziehungsweise Spermatitis) ,
  • Nebenhodenentzündung (Epididymitis).

In den meisten Fällen lässt sich für die Samenleiterentzündung eine Vorinfektion der Hoden oder der Prostata ausmachen. Beide Krankheitsbilder ähneln der Deferentitis in ihrer Symptomatik stark, sie gehen ebenfalls mit starken Schmerzen beim Wasserlassen einher. Die häufigsten Infektionserreger sind dabei:

  • Chlamydien
  • Kolibakterien (Escherichia coli),
  • Enterokokken,
  • Mykoplasmen,
  • Neisserien,
  • Staphylokokken,
  • Treponema,
  • Trichomonien
  • und verschiedene Virenstämme

Hodenentzündung als Hauptursache

Die mit Abstand häufigste Ursache für eine Samenleiterentzündung ist die Hodenentzündung (Orchitis). Häufig ist sie einer bakteriellen Infektion durch Escherichia coli Bakterien, Staphylokokken, Streptokokken oder Neisserien geschuldet, welche wiederum durch Erkrankungen wie die Prostataentzündung (Prostatitis) oder eine aggressive Harnröhrenentzündung (Urethritis) in die Hoden gelangen. Zudem sind auch traumatische Ursachen, wie etwa eine extreme Gewalteinwirkung auf den Hoden mit anschließender Wundentzündung nicht abwegig.

Es wird ersichtlich, dass eine Verschleppung der Krankheitserreger bei Folgeinfektionen der männlichen Genitalien eine übergeordnete Rolle spielt. Das ist nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, dass die männliche Harnröhre und Prostata sehr eng mit den Hoden und Samenleitern verbunden sind. Im Grunde bedeuten Folgeinfektionen den ungehinderten Aufstieg einer Erstinfektion im männlichen Genitalkomplex. Je weiter die Infektion dabei voranschreitet, desto gefährlicher kann sie für die Fruchtbarkeit des Mannes werden.

Gelangen Escherichia coli Bakterien aus dem Analbereich in den männlichen Genitalbereich, so besteht die Möglichkeit einer Samenleiterentzündung. (Bild: Kateryna_Kon/fotolia.com)

Neben bakteriellen Erregern sind gelegentlich auch Viren an der Entstehung einer Hoden- beziehungsweise Samenleiterentzündung beteiligt. Vor allem die viralen Erreger klassischer Kinderkrankheiten lassen sich als mögliche Entzündungsverursacher festhalten. Dazu gehören:

  • Masernviren,
  • Mumpsviren
  • und Rötelnviren.

Die Erreger gelangen bei einem weit fortgeschrittenen Krankheitsstadium über die Blutbahn in den männlichen Genitalbereich, was dann entsprechende Entzündungssymptome zur Folge hat. Ob dabei zuerst ein Orchitis und dann eine Deferentitis entsteht oder umgekehrt, lässt sich nicht immer eindeutig festlegen.

Ebenfalls denkbar ist eine Hodenentzündung aufgrund rheumatischer Vorerkrankungen, die ein hohes Entzündungspotenzial haben. Man spricht hier auch von der Orchitis rheumatica. Wenngleich die Erkrankung primär die Gelenke betrifft, können entsprechende Entzündungsvorgänge auch das umliegende Gewebe erfassen. Die Hoden sind bei stark fortgeschrittenem Krankheitsverlauf nicht davon ausgeschlossen und eine Mitbeteiligung der Samenleiter ist äußerst wahrscheinlich.

Eine höchstwahrscheinlich von Autoimmunprozessen im Körper ausgelöste Form der Hodenentzündung ist die granulomatöse Orchitis, welche vornehmlich bei älteren Männern auftritt. Es kommt hierbei zu einer entzündlichen Knötchenbildung (Granulombildung) innerhalb des Hodengewebes, welche durch eine vermehrte Ansammlung von Fresszellen des Immunsystems ensteht, die auch als Makrophagen bekannt sind. Warum die Makrophagen hier gegen das körpereigene Hodengewebe vorgehen, ist noch nicht abschließend geklärt. Eine Ausweitung des Entzündungsprozesses auf die Samenleiter ist zumindest denkbar.

Geschlechtskrankheiten

Immer wieder werden Entzündungen im männlichen Genitalbereich auch durch vorangegangene Geschlechtskrankheiten ausgelöst. Der Erreger, der als Tripper bekannten Gonorrhoe (Neisseria gonorrhoeae), ist beispielsweise ein nicht seltener Auslöser der Hodenentzündung. Demzufolge können auch sexuell übertragbare Infektionskrankheiten umfassende Entzündungsprozesse in Hoden, Samenleitern und männlicher Harnröhre verursachen. Ein paar weitere Beispiele für derartige Infektionsszenarien sind Erreger wie

  • Candida Pilze,
  • Chlamydien,
  • Trichomonas vaginales
  • und Herpes genitales.

Sie alle führen zu infektiösen Geschlechtskrankheiten, die beim Mann entzündliche Folgeinfektionen innerhalb der Geschlechtsorgane provozieren können.

Der Erreger Neisseria gonorrhoeae, der eine Gonorrhoe auslöst, kann auch für eine Samenleiterentzündung verantwortlich sein. (Bild: Design-Cells/fotolia.com)

Mangelnde Hygiene

Die Entstehung zahlreicher Geschlechtskrankheiten ist einer unzureichenden Hygiene des Intimbereichs eines oder beider Sexualpartner geschuldet. Und auch bei der Samenleiterentzündung können entsprechende Hygienedefizite eine Rolle spielen. Abgesehen davon, dass sexuell übertragbare Infektionserreger nur dann ihren Weg in die männlichen Geschlechtsorgane finden können, wenn mangelnde Verhütung und schlechte Genitalreinigung ihnen dazu die Möglichkeit bieten, schafft ein dauerhaft unhygienisches Milieu im Intimbereich auch für andere Infektionskeime ein günstiges Umfeld zur Vermehrung. Sei es nun zu selten gewechselte Unterwäsche oder ungenügende Hygiene nach dem Toilettengang. Die denkbaren Wege, auf denen sich ein feuchtes, schlecht gereinigtes Intimmilieu zum Tummelplatz für Bakterien und andere Erreger entwickeln kann, sind vielseitig. Vernünftige Hygienemaßnahmen im Alltag sind deshalb eine der wichtigsten Präventivmaßnahmen gegen Samenleiterentzündung.

Operationskomplikationen

Einen Entzündungsgrund ganz anderer Natur stellen Komplikationen bei operativen Eingriffen im Bereich der Samenleiter dar. Gerade bei einer Vasektomie, also dem Durchtrennen der Samenleiter zu Sterilisationszwecken, kommt es des Öfteren zu entzündlichen Reaktionen auf Operationsbesteck oder einer Wundentzündung durch mangelnde Hygiene. Letzteres zeigt erneut, dass ausreichende Hygienemaßnahmen zur Vermeidung von Entzündungen an den Samenleitern nicht allein auf den Geschlechtsverkehr beschränkt sind.

Bei einer Sterilisation kann es passieren, dass Keime in den Samenleiter gelangen und so eine Samenleiterentzündung auslösen. (Bild: Henrie/fotolia.com)

Symptome

Samenleiterentzündungen machen sich allen voran durch Schmerzen beim Wasserlassen bemerkbar. Diese Schmerzsymptome können äußerst vielfältig sein. Von einem Brennen vor beziehungsweise nach dem Wasserlassen, über stechende Schmerzen im Zuge des bloßen Harndrangs bis hin zu verschiedenen Schmerzlokalisationen sind zahlreiche Beschwerden möglich. Hinzu kommen Schmerzen, die unabhängig vom Wasserlassen auftreten sowie optische Veränderungen am Penis aufgrund der Entzündung. Insgesamt müssen Männer mit Deferentitis mit folgenden Beschwerden rechnen:

  • brennende Schmerzen beim und nach dem Wasserlassen,
  • Leistenschmerzen,
  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr,
  • Hodenschmerzen,
  • Schmerzen in der Prostata,
  • Schwellungen im Bereich der Samenleiter,
  • weißlicher Ausfluss von Entzündungssekreten
  • und vermehrter Harndrang (mit oder ohne Schmerzbeteiligung).

Achtung: Die Symptome einer Samenleiterentzündung werden gerne mit Anzeichen einer Leistenhernie verwechselt, besonders, wenn krankheitsbedingte Leistenschmerzen und Schwellungen im Leisten- beziehungsweise Hodenbereich kombiniert auftreten.

Bei der Anamnese wird vom Urologen die Symptomatik eingegrenzt, um der Ursache für die Genitalschmerzen auf den Grund zu kommen. (Bild: Korrawin/fotolia.com)

Diagnose

Um eine zielführende Diagnose durchführen zu können, sollten sich Männer bei Verdacht auf Samenleiterentzündung direkt zu einer urologischen Fachpraxis begeben. Bei einer Patientenbefragung (Anamnese) erkundigt sich der Arzt zunächst nach bestehenden Symptomen sowie nach Art und Lage etwaiger Schmerzen. Patienten sollten hier auch unbedingt mögliche Infektionshergänge sowie bestehende Vorerkrankungen erwähnen, damit sich der Urologe ein umfassendes Bild zu eventuellen Krankheitsursachen machen kann.

Im zweiten Schritt erfolgt bei Verdacht auf eine Entzündung der Samenleiter eine gründliche körperliche Untersuchung. Hierbei werden zunächst die Samenleiter und Hoden auf mögliche Schwellungen abgetastet und es wird überprüft, ob ein entzündlicher Ausfluss vorliegt. Ist dies der Fall, wird ein Abstrich des Entzündungssekretes genommen und labortechnisch auf Erreger untersucht. Ein Ultraschall kann schließlich bestehende Entzündungsprozesse bildlich darstellen. Ergänzend werden Blut- und Urintests durchgeführt, um Entzündungserreger zu identifizieren. Protein- und Blutbeimengungen im Urin zeigen ferner an, wie weit die Entzündung bereits fortgeschritten ist.

Therapie

Je nach Ursache und Erregerart kommen bei Samenleiterentzündung verschiedene Therapiemaßnahmen in Betracht. Eine medikamentöse Behandlung mit Antibiotika ist aber meist unumgänglich, denn nur so können Infektionserreger schnell und gezielt unschädlich gemacht werden. Das ist wichtig, um eine weitere Ausbreitung der Entzündung und somit ernste Funktions- und Gewebeschäden an Samenleitern und Hoden zu verhindern. Zusätzlich gibt es einige heilpflanzliche und private Maßnahmen, die angewendet werden können, um den Heilungsprozess zu beschleunigen.

Medikamente

Eine bakterielle Entzündung der Samenleiter muss grundsätzlich mit Antibiotika behandelt werden. Gängige Präparate sind hier wie Cephalosporin, Cotrimoxazol oder auch Penicillin, wobei letzteres nur zur Anwendung kommen sollte, wenn nachweislich keine Penicillin-Unverträglichkeit beim Patienten vorliegt. Sind Parasiten wie Chlamydien oder Mykoplasmen als Urheber der Deferentitis auszumachen, greifen Urologen hingegen eher zu Tetracyclin. Bei Trichomonaden ist Metronidazol das Mittel erster Wahl und Pilzinfektionen lassen sich wiederum mit Antimykotika behandeln. Ergänzend ist die Gabe von Schmerzmitteln zur Symptombehandlung denkbar.

Schmerzen und Brennen beim Urinieren können ein Hinweis auf eine Samenleiterentzündung sein. (Bild: vchalup/fotolia.com)

Heilkräuter

Es gibt einige Kräuter, die bei entzündeten Samenleitern beziehungsweise Hoden gute Hilfe versprechen. Heilpflanze Nummer eins ist dabei der Mönchspfeffer. Die Pflanze gilt nicht umsonst als Männerkraut, vermag sie doch speziell bei Entzündungskrankheiten im männlichen Genitalbereich, Linderung zu verschaffen. Sie kann als Tee zubereitet und anschließend in kleinen Schlucken getrunken werden. Gleiches gilt für

  • Sägepalme,
  • Guajak,
  • Kuhschelle,
  • Rot-Zeder,
  • und Wacholder.

Rot-Zeder und Guajak sollen insbesondere bei Samenleiterentzündung aufgrund von Gonorrhoe-Infektionen helfen. Kuhschelle hat sich bei Samenleiterentzündung unter Mitbeteiligung der Nebenhoden bewährt. Wacholder ist bei allen Formen der Deferentitis zu empfehlen, wobei sich gerade ein heilsames Sitzbad im Wacholderwasser anbietet.

Sonstige Maßnahmen

Während der Behandlung der Samenleiterentzündung sollten Männer vorübergehend auf den Geschlechtsverkehr verzichten. Zum einen besteht die Gefahr, dass sich durch den Geschlechtsakt weitere Reizungen und Schmerzen im Genitalbereich ergeben. Zum anderen besteht im Zuge des Intimkontaktes auch die Gefahr einer Ansteckung und somit einer weiteren Ausbreitung einer bestehenden Infektion, was unbedingt vermieden werden muss.

Überhaupt ist Schonung während der Heilungsphase extrem wichtig, denn jede Bewegung könnte den Entzündungsherd durch unnötige Reizung weiter ausdehnen. Zusätzlich ist es ratsam, Hoden und Samenleiter so gut es geht hoch zu lagern (zum Beispiel auf einem kleinen Kissen), um die Genitalien vom Hängen abzuhalten und so durch Gewichtsentlastung eine Besserung der Beschwerden herbeizuführen. Die Hoden zu kühlen, um die Schmerzbeschwerden zu reduzieren, ist ebenfalls sinnvoll. Außerdem ist eine angemessene Kühlung auch deshalb wichtig, weil die Entzündungsprozesse im Hodenbereich die dortige Temperatur in die Höhe treiben. Das lokale Fieber ist eine große Gefahr für die Funktionalität und Vitalität der Spermien, welche durch die Entzündung ohnehin schon bedroht sind. Aus diesem Grund ist die wiederholte Anwendung von Kühlpacks empfehlenswert, auch wenn es sich eventuell etwas unangenehm anfühlt.

Mit Blick auf die Hygiene ist unbedingt darauf zu achten, dass kein neues Keimmilieu im Bereich der Genitalien gefördert wird. Männer sollten im Krankheitsfall darum regelmäßige aber auch schonende Intimpflege betreiben. Waschen Sie als Patienten Ihren Intimbereich also täglich, nutzen Sie dafür aber lieber reines Wasser und sanfte Reinigungsseifen, ohne aggressive Zusatzstoffe. (ma)