Zwerchfellhochstand – Ursachen, Symptome und Behandlung

Marten Bischoff
Wenn sich das Zwerchfell nicht mehr an seinem angestammten Platz im Oberkörper befindet, sondern nach oben verlagert, so hat dies weitreichende Folgen. Insbesondere die Atmung wird durch einen derartigen Zwerchfellhochstand entschieden erschwert. Symptome wie Atembeschwerden und Atemnot lassen dann meist nicht lange auf sich warten. Zudem kann ein Zwerchfellhochstand auch Hinweis auf eine Reihe ernster Gesundheitsbeschwerden sein.


Definition

Das Zwerchfell (Diaphragma) bildet einen essenziellen Bestandteil der Atemmuskulatur. Es besteht maßgeblich aus einer Muskelplatte, die zwischen dem Brust- und Bauchraum direkt unterhalb der Lunge (Pulmo) liegt und von verschiedenen Sehnen in einer stabilen Position gehalten wird. Um die Atmung zu gewährleisten, sendet das Atemzentrum im Gehirn in regelmäßigen Intervallen Nervenimpulse an den Zwerchfellnerv (Nervus phreneticus) aus, welche dafür sorgen, dass sich die Zwerchfellmuskulatur anhebt und wieder absenkt. Durch diese kontinuierliche Bewegung werden die Lungenflügel von unten her zum Zusammenziehen und anschließendem Rückentfalten angeregt, sodass ein natürliches Ein- und Ausatmen von Luft erfolgt.

Wenn sich das Zwerchfell nach oben verlagert, so hat dies weitreichende Folgen. Neben Atembeschwerden können u. a. auch Druckgefühle im Oberbauch entstehen. (Bild: michaelheim/fotolia.com)

In unmittelbarer Umgebung zum Zwerchfell befinden sich neben der Lunge noch weitere Organe, die sich ihren Platz im Oberkörper mit den Atmungsorganen teilen. Hierzu gehören in erster Linie die Leber (Hepar), die Milz (Splen) und der Magen (Gaster). Das Herz (Cardia) liegt zwar nicht direkt neben dem Zwerchfell, lässt sich aber ebenfalls zu jenen Organen zählen, die den Platzbedarf im Oberkörper mitgestalten.

Ein Zwerchfellhochstand beeinträchtigt diese vorgesehene Platzverteilung im Oberkörper nun enorm. Zudem werden die für den Atemvorgang unerlässlichen Muskelbewegungen durch die Organverschiebung stark beeinträchtigt. Ausgangslage des Zwerchfellhochstands ist dabei eine Verdrängung der Zwerchfellkuppel in den Brustraum, wodurch der untere Lungenabschnitt eine anhaltende Stauchung erfährt. Unterschieden wird dabei zwischen drei Hauptformen von Zwerchfellhochstand, die je nach Art auch erste Hinweise auf zugrundeliegende Ursachen geben:

  • Linksseitiger Zwerchfellhochstand – Beim linksseitigen Zwerchfellhochstand ist nur die linke Hälfte der Zwerchfellkuppel von dem Hochstand betroffen. Er kann unter anderem durch raumfordernde Veränderungen der ebenfalls links gelegenen Verdauungsorgane Magen und Milz zustande kommen.
  • Rechtsseitiger Zwerchfellhochstand – Liegt ein rechtsseitiger Zwerchfellhochstand vor, ist die Zwerchfellkuppel nur auf der rechten Seite nach oben verschoben. Verantwortlich sind hier häufig Organvergrößerungen im Bereich der rechts gelegenen Leber.
  • Beidseitiger Zwerchfellhochstand – Im Falle eines beidseitigen Zwerchfellhochstands ist die gesamte Zwerchfellkuppel von dem Hochstand betroffen. Die Ursachen können hier sehr vielseitig sein und entweder das Zwerchfell selbst oder umliegende Organe bzw. umliegendes Gewebe betreffen.

Wenn sich Oberkörperorgane von ihrer angestammten Position weg verschieben, so hat dies fast immer mit einem vorherrschenden Platzmangel im Brustkorb zu tun. Am häufigsten kommen hier Organvergrößerungen, sogenannte Megalien, für einen Zwerchfellhochstand in Frage. Doch auch Verletzungen, Wirbelsäulenerkrankungen, Entzündungen und Gewebewucherungen sind als Ursache für den Hochstand des Zwerchfells nicht auszuschließen.

Zwerchfellhochstand durch Zwerchfellerkrankungen

Die bereits angesprochenen Organvergrößerungen können zuallererst natürlich das Zwerchfell selbst betreffen. Leidet ein Patient zum Beispiel an einer sogenannten Zwerchfellentzündung (Diaphragmitis), so können entzündungsbedingte Schwellungen die Zwerchfellkuppel vorübergehend vergrößern, wodurch die Kuppel in Folge auf die Lunge drückt. Als typische Ursachen für die – sehr seltene- Entzündung gelten unter anderem:

  • chronischer Husten,
  • Fadenwurminfektionen (Trichinose),
  • Verletzungen des Zwerchfells.

Auch ein Zwerchfellbruch (Hiatushernie) ist als Auslöser des Hochstands nicht zu unterschätzen. Ähnlich wie bei einem ernsten Knochenbruch, bei dem sich Bruchfragmente verletzungsbedingt verschieben, ist die angestammte Lage der Zwerchfellsegmente in diesem Szenario nicht mehr gewährleistet und es kommt ggf. zu einer Verschiebung der Zwerchfellkuppel nach oben.

Ebenfalls denkbar ist eine Zwerchfelllähmung (Zwerchfellparese) als Ursache des Zwerchfellhochstands. Die Signalleitung zwischen Atemzentrum und Zwerchfellnerv ist hierbei unterbrochen, wodurch das Zwerchfell seiner Funktion nicht mehr nachkommen kann. Neben fehlenden Muskelkontraktionen zur Aufrechterhaltung der Atmung hat dieser Umstand auch zur Folge, dass die Bauchorgane unterhalb des Zwerchfells mehr und mehr nach oben wandern. Grund hierfür ist die fehlende Muskelspannung des Diaphragmas, welches die Organe normalerweise nach unten drückt.

Achtung: Je nachdem, ob der Zwerchfellnerv ein- oder beidseitig gelähmt ist, kann es zu sehr schweren Komplikationen kommen! Während eine links- oder rechtsseitige Lähmung nämlich „nur“ Atemprobleme auslöst, die vom Patienten dank ausreichender Behandlung meist unbeschadet überstanden werden, kann eine beidseitige Zwerchfelllähmung lebensbedrohliche Atemstillstände provozieren.

Zwerchfellhochstand durch Leber- und Milzerkrankungen

Die Organe, die sich im Umfeld des Zwerchfells befinden, können bei entsprechenden Vergrößerungen ebenfalls einen Zwerchfellhochstand auslösen. Bei rechtsseitigen Zwerchfellhochständen kommt hier vor allem eine Lebervergrößerung (Hepatomegalie) in Betracht. Am häufigsten steht diese mit einer Fettleber in Verbindung, was aufzeigt, dass auch die individuellen Lebens- und Ernährungsgewohnheiten einer Person zur Entstehung eines Zwerchfellhochstands beitragen können. Des Weiteren ist auch eine Leberentzündung (Hepatitis) immer wieder als Auslöser einer Hepatomegalie auszumachen. Die Ursachen sind hier sehr vielseitig und reichen von Infektionskrankheiten wie Malaria über Verletzungen und Vergiftungserscheinungen bis hin zu Stoffwechsel- und Speicherkrankheiten.

Auf der linken Zwerchfellseite wird ein Hochstand dagegen meist durch eine Milzvergrößerung (Splenomegalie) ausgelöst. Hier kommen diverse Entzündungs- und Infektionskrankheiten der Milz sowie chronische Bluterkrankungen für das Gesundheitsproblem in Frage. Auch eine Leberzirrhose kann eine Splenomegalie verursachen, da diese aufgrund von organinternen Gefäßschäden einen Blutrückstau in die Milzvene bedingt.

Eine Milzvergrößerung (Splenomegalie) kann – ebenso wie eine Lebervergrößerung – auch zu Zwerchfellhochstand führen. (Bild: pixdesign123/fotolia.com)

Apropos Gefäße: Es gibt zahlreiche Herz- und Gefäßkrankheiten, die das Milzvolumen beeinflussen können. Angefangen bei Herzkrankheiten wie Rechtsherzinsuffizienz bis hin zu spezifischeren Erkrankungen wie Milzvenenthrombosen oder Leukämie kann eine Splenomegalie aufgrund von Durchblutungsstörungen auf vielseitigen Wegen zustande kommen. Auch Blutergüsse infolge eines unfallbedingten Milztraumas sind als Ursache nicht auszuschließen. Des Weiteren seien folgende Krankheiten als mögliche Auslöser der Milzvergrößerung erwähnt:

  • Abszesse, Zysten und Tumore im Bereich der Milz,
  • Echinokokkose,
  • Epstein-Barr-Infektion,
  • Kugelzellenanämie,
  • Morbus Gaucher,
  • Pfeiffersches Drüsenfieber,
  • Rheuma (Felty-Syndrom),
  • Sarkoidose.

Sonstige Ursachen für Zwerchfellhochstand

Erwähnt seien mit Blick auf Zwerchfellhochstand auch Organfehlbildungen. Darüber hinaus stellt natürlich auch eine Schwangerschaft eine Organvergrößerung, nämlich die der Gebärmutter dar. Sie führt gemeinhin zu einer Verschiebung zahlreicher Organe und kann dabei auch den Sitz des Zwerchfells beeinflussen.

Im Bereich des Magen-Darm-Traktes verursachen vor allem Verdauungsbeschwerden wie chronische Blähungen (Meteorismus) gerne einmal einen Zwerchfellhochstand. Die anhaltenden Gasansammlungen im Magen-Darm-Trakt bewirken eine dauerhafte Ausdehnung der Verdauungsorgane, sodass es leicht zu einer Vorwölbung des Zwerchfells kommen kann.

Symptome bei Zwerchfellhochstand

Symptome entstehen bei Zwerchfellhochstand maßgeblich durch die Beeinträchtigung der Lungenfunktion, was zu anhaltenden Atembeschwerden führen kann, wenn die Ursache nicht behoben wird. Außerdem kann es auch zu Missempfindungen sowie einer gestörten Magen-Darm-Funktionalität kommen. Insgesamt müssen Patienten, die an Zwerchfellhochstand leiden, mit folgenden Symptomen rechnen:

  • Atembeschwerden,
  • Atemnot,
  • Kurzatmigkeit,
  • Druckgefühl im Oberbauch.

Diagnose bei Zwerchfellhochstand

Erste Anzeichen für einen Zwerchfellhochstand können während der Diagnose im Zuge eines Patientengesprächs über bestehende Symptome und mögliche Vorerkrankungen aufgedeckt werden. Danach sind allerdings bildgebende Verfahren notwendig, um einen verlässlichen Befund zu erhalten und die Vorwölbung des Zwerchfells zu bestätigen. In Frage kommen hier zum Beispiel CT, Röntgen oder Ultraschall. Auch Labortests, etwa zur Feststellung von Infektionen, sind denkbar.

Um einen verlässlichen Befund für einen Zwerchfellhochstand zu erhalten sind unter Umständen auch Verfahren wie CT, Röntgen oder Ultraschall erforderlich. (Bild: skvalval/fotolia.com)

Therapie bei Zwerchfellhochstand

Erfreulicherweise lässt sich ein Zwerchfellhochstand heutzutage meist problemlos therapieren. Voraussetzung ist allerdings, dass die zugrundeliegende Ursache ermittelt wurde. Die Behandlung kann dann je nach Erkrankungsgrund folgende Schritte beinhalten:

medikamentöse Behandlung

Infektionen und Organentzündungen erfordern bei Zwerchfellhochstand selbstverständlich die Einnahme von Medikamenten. Antibiotika kommen dabei ebenso in Betracht wie entzündungshemmende Arzneimittel. Herz- und Gefäßerkrankungen erfordern ggf. die Einnahme von blutdrucksenkenden Mitteln oder Betablockern. Liegt ein Tumor vor, so sind Zytostatika und Chemotherapeutika mit großer Wahrscheinlichkeit unvermeidlich.

heilpflanzliche Mittel

Heilkräuter können bei vielen Ursachen und Beschwerden, die ein Zwerchfellhochstand verursachen, eine gute Hilfe sein. So helfen Kräutertees aus Fenchel oder Anis beispielsweise dabei, Blähungen zu lindern, indem sie den Magen-Darm-Trakt entlasten. Kräuteröle wie Kümmel- oder Pfefferminzöl haben denselben Effekt, wobei Pfefferminzöl gleichzeitig auch eine atemwegsstimulierende Wirkung hat.

Alltagsmaßnahmen

Um die Atmung während und nach der Therapie des Zwerchfellhochstands wieder zu verbessern, empfehlen sich therapeutische Atemübungen. Ein Besuch beim Physiotherapeuten ist hier insbesondere für Schwangere ratsam, denn die Vorwölbung der Zwerchfellkuppel kann bis zur Geburt zunehmende Atembeschwerden verursachen. Auf Tabak sollten Patienten mit Zwerchfellhochstand natürlich ebenfalls verzichten, da Zigarettenrauch zum einen die Atembeschwerden verschlimmert und zum anderen auch störende Nervenreize auf das Zwerchfell ausüben kann.

Sofern Übergewicht, eine Fettleber oder eine andere Lebererkrankung den Zwerchfellhochstand ausgelöst hat, ist eine Ernährungsumstellung sehr wichtig. Je weniger Druck durch überschüssiges Gewebe auf das Zwerchfell und die Leber ausgeübt wird, desto besser. Zudem verschlimmern manche Lebensmittel den Gesundheitszustand in solch einem Fall zusätzlich. Fettreiche Speisen sollten in diesem Zusammenhang nicht nur bei Adipositas gemieden werden. Denn entsprechende Lebensmittel setzen auch der Leber stark zu. Auch Röststoffe, wie sie in Kaffee und Grillfleisch enthalten sind, sollten der Leber im Krankheitsfall erspart bleiben. Gleiches gilt natürlich für Alkohol, dessen Abbau der Leber besonders stark zu schaffen macht. Der Fokus liegt bei entsprechenden Ursachen für den Zwerchfellhochstand daher auf einer ballaststoffreichen Ernährung mit viel frischem Obst und Gemüse. Gerade Artischocken und die Nutzung von Mariendistelextrakt sollen diesbezüglich besonders förderlich für die Lebergesundheit sein.

chirurgische Behandlung

Operative Maßnahmen sind im Falle eines Zwerchfellhochstands von Nöten, wenn Gewebewucherungen oder Wunden hinter der Erkrankung stecken. Abszesse und Zysten müssen hier ggf. innerhalb eines chirurgischen Eingriffs entleert werden. Innere Verletzungen können operativ versorgt, genäht oder geklammert werden. Bei Tumoren entscheiden Ärzte meist von Fall zu Fall, ob vor einer Operation zunächst mit geeigneten Medikamenten gearbeitet wird, um die Zellentartung zu verkleinern.

Sollten Organe oder das Zwerchfell an sich dauerhaft aus ihrer Position geraten sein, zielt eine Operation eher darauf ab, diese wieder in ihre Ausgangslage zu versetzen. Notoperationen, etwa bei drohender Atemnot, sind im schlimmsten Fall durchaus denkbar und können sogar eine chirurgische Lungenvolumenreduktion beinhalten.

Ursachen für Zwerchfellhochstand: Zwerchfellentzündung, Zwerchfellbruch, Zwerchfelllähmung, Hepatomegalie, Splenomegalie, Unfallverletzungen, Organfehlbildungen, Meteorismus, Schwangerschaft, Adipositas.(ma)
Fachliche Aufsicht: Barbara Schindewolf-Lensch (Ärztin)