Heilpflanzen-Wirkstoff tötet Krebszellen ab

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Traditionelle Heilpflanze gibt der Krebsforschung Aufschwung

Mutterkraut ist nicht nur eine beliebte Gartenpflanze, sie wird auch seit Jahrhunderten als Heilpflanze eingesetzt. So hat sich das Kraut beispielsweise bei Schwangerschaftsbeschwerden, Fieber, Migräneanfällen, Verdauungsstörungen und Hautproblemen bewährt. Außerdem soll die Pflanze Insekten fernhalten und sogar Parasiten aus dem Darm vertreiben. Doch im Mutterkraut schlummert noch mehr geheimes Wissen. Ein Forschungsteam entdeckte nun einen Wirkstoff in der Pflanzen, der Krebszellen abtötet.


Forschende der University of Birmingham haben krebshemmende Eigenschaften in der Heil- und Gartenpflanze Tanacetum parthenium entdeckt, die wir allgemein als Mutterkraut, Falsche Kamille, Zierkamille oder Fieberkraut kennen. Das Forschungsteam konnte eine Substanz namens Parthenolid aus den Blüten der Pflanze extrahieren, die im Labor Krebszellen einer chronisch lymphatischen Leukämie (CLL) abtötete. Die Forschungsergebnisse wurden in dem Fachjournal „MedChemComm“ vorgestellt.

Mutterkraut sieht nicht nur schön im Garten aus. Aus den Blütenblättern lässt sich ein Wirkstoff extrahieren, der Krebszellen abtötet. (Bild: babsi_w/fotolia.com)

Mutterkrautblüten ermöglichen Massenproduktion von Krebswirkstoffen

Der Wirkstoff Parthenolid ist in der Krebsforschung bereits seit einigen Jahren als krebshemmend klassifiziert. Aufgrund der extrem teuren Herstellung hat sich der Wirkstoff jedoch bislang nicht über die Grundlagenforschung hinaus entwickelt. Die direkte Extraktion aus den Blüten des Mutterkrauts könnte dies nun grundlegend ändern und der Forschung einen neuen Aufschwung verleihen, berichten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Birmingham.

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Neue Krebsmedikamente aus Mutterkraut

Dabei zeigte das Forschungsteam nicht nur, wie Parthenolid aus den Blüten gewonnen werden kann, sondern sie entwickelten auch eine Möglichkeit, aus dem Wirkstoff eine Reihe von Verbindungen herzustellen, die im Labor Krebszellen abtöteten. Diese Verbindungen können den Forschenden zufolge direkt als Wirkstoff in Medikamenten eingesetzt werden.

Wie funktioniert der Mutterkraut-Wirkstoff

Nach Angaben des Forschungsteam wirkt die Parthenolidverbindung, indem sie den Gehalt an reaktiven Sauerstoffspezies (ROS) in den Zellen erhöht. Diese instabilen Verbindungen sind allgemein als freie Radikale bekannt. Sie sind hochreaktiv und lösen in den Krebszellen oxidativen Stress aus, der zum Absterben der Zellen führt. Da Krebszellen ohnehin einen erhöhten Anteil dieser Radikale aufweisen, sind sie besonders Anfällig für die ROS.

Alternative zu gängigen Behandlungen

Geleitet wurde die Studie von Dr. Angelo Agathanggelou, der nach neuen Möglichkeiten suchte, Leukämie zu bekämpfen. „Es gibt zwar mehrere wirksame Behandlungen bei CLL, aber nach einiger Zeit wird die Krankheit bei einigen Patienten resistent“, erklärt der Experte. Sein Team und er wollten deshalb mehr über das Potenzial von Parthenoliden erfahren. Die Ergebnisse überraschten das Team. Die Wirkstoffe aus dem Mutterkraut könnten tatsächlich eine alternative Behandlungsmöglichkeit für CLL-Patienten bieten.

Vom Blumenbeet in die Klinik

„Diese Forschung ist wichtig, weil wir nicht nur einen Weg zur Herstellung von Parthenoliden gezeigt haben und sie so zugänglicher für weitere Untersuchungen machen konnten, sondern auch, weil wir die medikamentösen Eigenschaften zum Abtöten von Krebszellen verbesserten“, ergänzt Professor John Fossey aus dem Studienteam. Dies sei ein klarer Beweis dafür, dass Parthenolide nicht nur ins Blumenbeet, sondern auch in die Kliniken gehören.

Verwandte konnten nicht überzeugen

Die Pflanzen für die Studie lieferte der Botanische Garten von Winterbourne. Das Forschungsteam untersuchte, ob Verwandte aus der Pflanzenfamilie der Korbblütler (Asteraceae) ähnliche Ergebnisse erzielen können. „Nach Versuchen mit verwandten Pflanzenarten innerhalb der Familie der Asteraceae stellte sich bald heraus, dass nur Mutterkraut die optimalen Werte für Parthenolide lieferte“, resümiert Lee Hale, der Leiter des Botanischen Gartens. Gänseblümchen, Kamille, Sonnenhut und Co. seien für die Herstellung von Parthenoliden nicht geeignet. (vb)

Autor:
Diplom-Redakteur (FH) Volker Blasek
Quellen:
  • Stevenson, Brett / Fossey, John / Agathanggelou, Angelo / u.a.: Derivatisation of Parthenolide to Address Chemoresistant Chronic Lymphocytic Leukaemia, MedChemComm, 2019, chemrxiv.org
  • University of Birmingham: Hidden chemistry in flowers shown to kill cancer cells (Abruf: 01.08.2019), birmingham.ac.uk