Afrikanische Schweinepest bedroht Sibirischen Tiger

In Asien grassiert die Afrikanische Schweinepest. Indirekt gefährdet sie jetzt den Bestand des vom Aussterben bedrohten Sibirischen Tigers. Dessen Beute besteht zur Hälfte aus Wildschweinen. Stirbt jetzt seine Beute, fehlt es der größten Katze der Welt an Nahrung.


Konflikte mit Menschen

Wenn die natürliche Beute schwindet, könnten hungrige Tiger zudem in die Dörfer kommen, um Nutztiere zu reißen. Das wiederum würde dazu führen, dass die Viehhalter die bedrohten Beutegreifer töten, warnen Umweltschützer.

Um den Bengaltiger (im Bild) steht es noch besser als um seinen sibirischen Verwandten. Wenn die Afrikanische Schweinepest am Amur zum Massensterben von Wildschweinen führt, geht dem Sibirischen Tiger die Nahrung aus.

Schweinepest bremsen

Der World Wide Fund for Nature appelliert deswegen an die Regierungen in China und Russland, Maßnahmen einzuleiten, die die Ausbreitung der Seuche verhindern. In der russischen Provinz Primorje klären die Behörden die Jäger auf, tote Wildschweine zu melden.

Erhöhte Sicherheitsvorkehrungen

Der WWF fordert jetzt, dass Wildschweinjagd und Transport von Schweinefleisch aus China, wo die Krankheit umgeht, nach Russland nur unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen stattfinden dürfen.

Beutepool vergrößern

Der WWF arbeitet zudem daran, den Beutepool des Tigers zu vergrößern. Zusammen mit der russischen Forstverwaltung richtet er Winterfutterplätze für Hirsche ein, und in China werden Hirsche in menschlicher Obhut gezüchtet, und dann als „Tigerfutter“ in die Wildbahn entlassen.

Die Schweinepest erreicht das Tigerrevier

Bis Ende Oktober 2018 wurden 53 Fälle der Seuche in China bekannt, immerhin in 13 verschiedenen Provinzen. Das wäre für den Tiger noch nicht dramatisch, aber ein Fall war in Heilongjiang, und diese Region grenzt direkt an Primorje, wo die Tiger leben.

Rasante Ausbreitung

Eine geringe Anzahl von dokumentierten Fällen bedeutet zudem mitnichten Entwarnung. Der Erreger breitet sich rapide aus, über große Distanzen und selbst in entlegene Gebiete. Infizierte Wildschweine sind dafür nicht verantwortlich: Sie sind sesshaft und streuen die Epidemie nur in begrenztem Gebiet. Schuld sind vielmehr unkontrollierte Transporte von infiziertem Fleisch, Wurst, Futtermitteln und Schlachtabfall, aber auch Kleidung und LKWs, an denen das Virus haftet.

Auf Fleisch angewiesen

Ein ausgewachsener Sibirischer Tiger muss pro Tag zehn Kilogramm Fleisch zu sich nehmen, um seine Energie in dem kalten Klima aufzufüllen. Er frisst Rothirsche, Wildschweine, Sikahirsche, Rehe, Elche, sogar Luchse und Bären – bisweilen auch Rinder, Pferde oder Hunde.

Letzter Rückzug

Der Sibirische oder Amurtiger ist unter allen sechs noch lebenden Unterarten des Tigers die größte, eine Anpassung an seinen kalten Lebensraum. In der Vergangenheit lebte er vom Amur im Westen bis zum Japanischn Meer im Osten. Heute lebt er nur noch auf einem Gebiet von der Hälfte Deutschlands im Grenzgebiet zwischen dem äußersten Osten Russlands und Chinas. Es gibt weniger als 500 Tiere.

Zu wenig Nahrung

Holzeinschlag raubt ihm den Lebensraum, wesentlich für seinen Niedergang ist aber der Verlust an Beutetieren. Die Menschen im fernen Osten Russlands jagen für den Eigenbedarf, hinzu kommen Trophäenjäger, die die Kronenhirsche schießen.

Ausrottung für die Traditionelle Chinesische Medizin

Auch die Jagd für „Arzneien“ der TCM macht den letzten Tigern am Amur zu schaffen. Der Profit ist immens mit Tigerknochen, Tigerpenissen und Tigerfleisch, die im chinesischen Aberglauben eine große Rolle spielen. Korrupte sibirische Politiker spielen oft mit und lassen gegen Bezahlung die Wilderer die Tiger schlachten.

Holzeinschlag

Wilderei und illegaler Holzeinschlag reichen sich die Hände: Der Holzeinschlag verkleinert nicht nur den Lebensraum des Tigers, der die offenen Flächen meidet, er nimmt auch den Wildschweinen ihre Hauptnahrung, die Samen der Koreakiefer. Die Straßen für die Holzfäller werden zu Highways für die Wilderer.

Eine zusätzliche Bedrohung

Die Schweinepest kommt also nicht allein. Würde sie sich ausbreiten, käme sie als eine zusätzliche Gefahr zu den letzten, von allen Seiten bedrohten, Tigern Sibiriens. (Dr. Utz Anhalt)