Aktuelle Studie: Neues Medikament kann Sterberisiko bei Diabetes-Erkrankungen reduzieren

Patient mit Diabetes misst Blutzucker

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Neues Arzneimittel senkt Sterberisiko bei Menschen mit Diabetes

Vor einiger Zeit stellten Gesundheitsexperten fest, dass Diabetes-Erkrankungen für wesentlich mehr Tote ursächlich sind, als bislang angenommen wurde. Wissenschaftler berichten nun über ein neues Medikament, dass das Risiko von Todesfällen bei Patienten mit Typ-2-Diabetes senkt.


Immer mehr Menschen mit Diabetes

Diabetes zählt zu den großen Volkskrankheiten in Deutschland. Gesundheitsexperten zufolge sind derzeit rund 7,6 Millionen Deutsche zuckerkrank. Jedes Jahr kommen etwa 300.000 Diabetiker hinzu. Schlecht oder gar unbehandelt hat die Erkrankung dramatische Folgen: Die Komplikationsrate für Herzinfarkt, Herzinsuffizienz (Herzschwäche) und Schlaganfall ist laut Fachleuten circa 2- bis 3-fach erhöht. Ein neues Medikament zur Diabetes-Therapie soll die Anzahl kardiovaskulärer Todesfälle reduzieren.

Patient mit Diabetes misst Blutzucker
Diabetes-Patienten sterben zwei- bis dreimal häufiger an Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall. Neu entwickelte Medikamente sollen die Anzahl solcher kardiovaskulärer Todesfälle reduzieren. (Bild: Printemps/fotolia.com)

Anzahl kardiovaskulärer Todesfälle reduzieren

Wie das Deutsche Zentrum für Diabetesforschung (DZD) in einer Mitteilung schreibt, sterben Diabetes-Patienten noch immer zwei- bis dreimal häufiger an kardiovaskulären Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall.

Doch neu entwickelte Medikamente zur Diabetes-Therapie sollen die Anzahl kardiovaskulärer Todesfälle reduzieren.

Wissenschaftler des Paul Langerhans Instituts Dresden (PLID) an der Medizinischen Fakultät der TU Dresden, Partner im Deutschen Zentrum für Diabetesforschung, haben gemeinsam mit internationalen Kollegen erstmals untersucht, ob Semaglutid in Tablettenform zu einer Reduktion von kardiovaskulären Ereignissen führt.

Dazu erfolgte eine internationale, randomisierte Doppelblindstudie mit insgesamt 3.183 Probanden, die parallel in 21 Ländern durchgeführt wurde.

Die Ergebnisse der PIONEER-6 genannten Studie wurden vor kurzem in der Fachzeitschrift „New England Journal of Medicine” (NJEM) veröffentlicht.

Wirkstoff auch als Tablette verfügbar

Laut dem DZD wurden in den vergangenen Jahren Medikamente entwickelt, sogenannte Inkretin-Analoga, die wie das Darmhormon GLP-1 zur Insulinausschüttung in den Betazellen der Bauchspeicheldrüse führen und gleichzeitig das Hungergefühl im Gehirn reduzieren.

Diese Arzneimittel müssen bislang aufgrund ihrer chemischen Struktur per subkutaner Injektion verabreicht werden und können somit nicht oral als Tablette eingenommen werden.

Einer dieser Wirkstoffe ist Semaglutid (Handelsname Ozempic).

Dieser ist seit Februar 2018 für Erwachsene mit Typ-2-Diabetes-mellitus zugelassen, bei denen Ernährungsumstellung und Bewegung einen erhöhten Blutzuckerspiegel nicht ausreichend senken, erklärt das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) auf seinem Patienteninformationsportal „www.gesundheitsinformation.de“.

Dem Institut zufolge wird Semaglutid mit einem Fertigpen einmal wöchentlich unabhängig von einer Mahlzeit unter die Haut gespritzt.

Wie das DZD erklärt, konnte für Semaglutid in Spritzenform bereits in einer großen internationalen Studie (SUSTAIN-6 Studie) nachgewiesen werden, dass es zu einer Reduktion von kardiovaskulären Ereignissen, vor allem Schlaganfällen, führt.

Seit kurzem ist es nun möglich, den GLP-1 Rezeptoragonisten Semaglutid durch eine Kombination mit einem Absorptionsverstärker als Tablette verfügbar zu machen.

Zulassung wird beantragt

In der PIONEER-6 Studie wurden an verschiedenen Zentren weltweit Menschen mit Typ-2-Diabetes untersucht.

Die Studienteilnehmer erhielten zusätzlich zur Standard-Diabetes Therapie entweder eine Tablette mit Semaglutid oder ein Placebo.

„Am Ende des Studienzeitraums zeigte sich, dass das orale Semaglutid formal zwar nicht zu einem Unterschied im primären Endpunkt, der sich aus Kardiovaskulärem Tod, nicht tödlichen Schlaganfall und nicht tödlichen Herzinfarkt zusammensetzt, führt“, erklärt Prof. Andreas Birkenfeld vom Universitätsstudienzentrum für Stoffwechselerkrankungen der Medizinischen Fakultät der TU Dresden.

„Jedoch konnte eine Reduktion des Risikos für kardiovaskulären Tod um 51% und die Reduktion des Todes aus jeglichem Grund um 49 % bei den Patienten, die orales Semaglutid einnahmen, festgestellt werden“, so der Studienmitautor.

„Zudem führte die Semaglutid Pille zu einer durchschnittlichen Gewichtsabnahme der Probanden um 4,2 kg und zu einer besseren Blutzuckereinstellung.“

Den Angaben zufolge werden die Ergebnisse nun in einer größeren, internationalen SOUL-Studie überprüft und ausgeweitet.

Die Zulassung der Semaglutid-Tablette für die Therapie des Typ-2-Diabetes wird aktuell von dem dänischen Unternehmen Novo Nordisk bei den zuständigen Behörden beantragt.

Das DZD weist darauf hin, dass die Studie von der Firma Novo Nordisk finanziert wurde. (ad)

Autor:
Alfred Domke
Quellen:

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.