Arbeiten trotz rheumatischer Erkrankung: So lassen sich Rheuma und Beruf vereinbaren

Beruf nicht aufgeben: Trotz Rheuma weiter arbeiten

In Deutschland leiden rund 1,5 Millionen Menschen an entzündlich-rheumatischen Erkrankungen. Viele der Betroffenen geben in den Jahren nach der Diagnose ihren Arbeitsplatz auf. Doch das müsste oft nicht sein. Gesundheitsexperten erklären, wie sich Rheuma und Beruf vereinbaren lassen.


Viele Rheumapatienten geben ihren Arbeitsplatz auf

Laut der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie e.V. (DGRh) leiden rund 1,5 Millionen Menschen in Deutschland an entzündlich-rheumatischen Erkrankungen. Mit einem Erkrankungsgipfel zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr treffen sie meist Menschen im erwerbsfähigen Alter – mit zum Teil schwerwiegenden Folgen, erklären die Experten in einer Mitteilung. In den ersten drei Jahren nach der Diagnose gibt jeder fünfte Rheumapatient seinen Arbeitsplatz auf. Die DGRh ruft daher zu einem offenen Umgang mit der Erkrankung auf: Wenn Arbeitnehmer und Arbeitgeber gemeinsam nach Lösungen suchen, sei eine dauerhafte Einbindung der Betroffenen in den Beruf meist möglich.

Zahlreiche Rheumapatienten geben in den Jahren nach der Diagnose ihren Arbeitsplatz auf. Doch das müsste oft nicht sein. Experten erklären, wie sich Rheuma und Beruf vereinbaren lassen. (Bild: Wrangler/fotolia.com)

Erwerbsfähigkeit erhalten

Wie die Experten erklären, gibt es verschiedenste Rheuma-Formen – gemeinsam ist ihnen, dass das Immunsystem körpereigene Strukturen angreift und so chronische Entzündungen auslöst.

Bei der häufigsten und bekanntesten Form, dem Gelenkrheuma, sind hauptsächlich die Gelenkinnenhäute von dem schmerzhaften Entzündungsprozess betroffen.

„Unbehandelt verläuft eine rheumatoide Arthritis oft in Schüben und führt letztlich zur Deformation und zum Funktionsverlust der betroffenen Gelenke“, sagt DGRh-Präsident Professor Dr. med. Hanns-Martin Lorenz.

Schmerzen, Abgeschlagenheit und fortschreitende Bewegungseinschränkungen machen es dann häufig unmöglich, die Arbeit in vollem Umfang weiter auszuüben.

Um die Erwerbsfähigkeit zu erhalten, ist es entscheidend, den Entzündungsprozess möglichst früh und konsequent zu blockieren.

Was Betroffenen helfen kann

Laut Gesundheitsexperten werden bei Rheuma meist Medikamente eingesetzt, die neben der Schmerzlinderung die wichtige Funktion haben, dauerhafte Schäden an den Gelenken zu verhindern oder zumindest zu verlangsamen.

Manchmal helfen gegen die Schmerzen bei Rheuma auch Naturheilverfahren, wie die Radonwärmetherapie in warmen Heilstollen.

Zudem hat sich in wissenschaftlichen Untersuchungen gezeigt, dass Training an der Spielkonsole, eine entzündungshemmende Diät und Müsli Arthritis-Beschwerden lindern können.

Therapeutische Möglichkeiten haben sich verbessert

„In den vergangenen Jahren haben sich die therapeutischen Möglichkeiten deutlich verbessert“, so Professor Lorenz, Leiter der Sektion Rheumatologie am Universitätsklinikum Heidelberg und medizinisch-wissenschaftlicher Leiter des ACURA-Rheumazentrums Baden Baden.

Bei frühzeitiger Diagnose und konsequenter anti-entzündlicher Therapie ließen sich die Symptome oft beherrschen und Folgeschäden wie dauerhafte Bewegungseinschränkungen vermeiden.

Trotz dieser Fortschritte sind rheumakranke Arbeitnehmer häufig darauf angewiesen, dass am Arbeitsplatz Rücksicht auf ihre Erkrankung genommen wird.

„Oft hilft es schon, wenn die Arbeitszeit flexibilisiert wird“, erläutert Professor Lorenz. An Tagen mit ausgeprägter Morgensteifigkeit der Gelenke könnten die Betroffenen beispielsweise später mit der Arbeit beginnen, Arzttermine könnten flexibler wahrgenommen werden.

Gesetzliche Förderung

Zudem sei es hilfreich, den Arbeitsplatz ergonomisch zu gestalten und an die Bedürfnisse dieser Mitarbeiter anzupassen. In größeren Betrieben sei auch ein Wechsel des Arbeitsbereiches hin zu körperlich weniger belastenden Tätigkeiten denkbar.

Den Experten zufolge steht für viele dieser Maßnahmen – bis hin zu Umschulungen und behindertengerechten Umbauten – eine gesetzliche Förderung zur Verfügung.

„Hier ist vor allem der Arbeitgeber gefragt, der die Hilfen in enger Absprache mit dem Mitarbeiter und dem behandelnden Arzt beantragen muss“.

Im Idealfall steht am Ende eine „Win-Win-Situation“: Der Betrieb behält eine motivierte Fachkraft und der Arbeitnehmer hat die Chance, seinen Beruf weiterhin erfolgreich und selbstbestimmt auszuüben. (ad)