Arbeitslosigkeit und Armut erhöhen Risiko eines vorzeitigen Todes

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Sterblichkeit bei Arbeitslosen und Menschen in Armut am höchsten

Dass die Einkommenssituation Einfluss auf die Gesundheit haben kann, ist seit langem bekannt. In einer aktuellen Studie wurde nun deutlich, wie stark die Sterblichkeit in Deutschland von Bildung, Einkommen und Beschäftigungsstatus abhängt. Forschende des Max-Planck-Instituts haben erstmals belastbar berechnet, welchen Einfluss diese Faktoren auf das Sterberisiko haben.


Den neuen Studienergebnissen zufolge verdoppelt sich beispielsweise bei Arbeitslosigkeit das Sterberisiko. Der Einfluss von Bildung, Einkommen oder Beschäftigungsstatus auf die Sterblichkeit wurde von dem Forschungsteam des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung (MPIDR) im Rahmen der aktuellen Studie analysiert. Die Studienergebnisse wurden in dem Fachmagazin „BMJ open“ veröffentlicht.

Armut und Arbeitslosigkeit haben erheblichen Einfluss auf die Lebenserwartung. (Bild: Syda Productions/fotolia.com)

Daten von 27 Millionen Versicherten ausgewertet

Basis der aktuellen Studie waren die Daten von rund 27 Millionen Versicherten aus der Deutschen Rentenversicherung. „Zum ersten Mal stehen wir auf sicherer Datenbasis, wenn wir die einzelnen Faktoren und ihren Einfluss auf die Sterblichkeit in Deutschland bewerten“, betont Pavel Grigoriev in einer Pressemitteilung des MPIDR zu den Studienergebnissen. Bisher hätten ähnliche Untersuchungen für Deutschland nur mit wesentlich kleineren Datensätze gearbeitet.

Sterberisiko als vergleichbarer Indikator?

Um das Sterberisiko vergleichbar zu machen, rechneten die Forschenden den Einfluss des Alters heraus, so dass es zum Beispiel „keine Rolle spielte, dass Arbeitslose im Durchschnitt älter sind als Menschen mit Job, und schon daher häufiger sterben“, berichte das MPIDR. Die Altersstruktur aller Bevölkerungsgruppen sei statistisch so angeglichen worden, dass alle die gleiche Zusammensetzung hatten. Die festgestellten Unterschiede bei der Sterblichkeit seien daher nur noch auf die verbleibenden Faktoren wie Arbeitslosigkeit oder Einkommen zurückzuführen.

Verdoppeltes Sterberisiko bei Arbeitslosigkeit

Die Datenauswertung machte deutlich, dass sich bei Arbeitslosigkeit das Sterberisiko verdoppelt. Ein noch größer Einfluss ging von geringen Einkommen aus – insbesondere für Männer. Bei ihnen lag die Sterblichkeit in der Gruppe mit dem geringsten Einkommen um 150 Prozent höher, als in der Gruppe mit dem höchsten Einkommen. Der Einfluss der Bildung scheint hingegen weniger relevant. Schlechtere Bildung habe das Sterberisiko für Männer nur um etwa 30 Prozent, berichten die Forschenden.

Gravierender Einfluss des sozioökonomischen Status

Besonders deutlich werde der Einfluss des sozioökonomische Status (insbesondere Einkommen, Arbeitsstatus und Bildung) auf die Sterblichkeit an der am stärksten benachteiligte Gruppe der Männer im Osten, wo 14 Prozent zur untersten Einkommens- und Bildungsschicht zählen. „Diese Gruppe hat im Vergleich zur höchsten Einkommens- und Bildungsschicht ein mehr als achtmal so hohes Sterberisiko“, erläutert das Forschungsteam.

Diese Gruppe der am stärksten benachteiligten Männer ist in Westdeutschland kleiner (elf Prozent Bevölkerungsanteil) und unterliegt einem weniger hohen Sterberisiko (fünfmal höher als in der reichsten Einkommensschicht), berichten die Forschenden.. Bei den Frauen seien die Unterschiede vor allem beim Einkommen weniger stark ausgeprägt, während Arbeitslosigkeit und Bildung einen vergleichbar starken Einfluss hatten wie bei den Männern.

Kaum regionale Unterschied

Der Wohnort hat – trotz der Unterschiede bei den Männern in Ost- und Westdeutschland – nur einen geringen Einfluss auf das Sterberisiko. Wird der Einfluss „von Arbeitslosigkeit, Bildung, Einkommen und Nationalität herausgerechnet“, schwinde der Unterschied. So liege das erhöhte Sterberisiko vor allem daran, dass es im Osten einen höheren Anteil an Arbeitslosen, weniger Gebildeten und Menschen mit geringerem Einkommen gibt. Durch diese Faktoren werde die Sterblichkeit erhöht. „Andere in Ost und West unterschiedliche Faktoren, wie etwa die medizinische Infrastruktur, scheinen hingegen eine verschwindende Rolle zu spielen“, resümiert das Forschungsteam. (fp)

Autor:
Dipl. Geogr. Fabian Peters
Quellen:
  • Max-Planck-Instituts für demografische Forschung (MPIDR): Höchstes Sterberisiko für Arme und Arbeitslose (veröffentlicht 08.10.2019), MPIDR
  • Pavel Grigoriev, Rembrandt Scholz, Vladimir M. Shkolnikov: Socioeconomic differences in mortality among 27 million economically active Germans: a cross-sectional analysis of the German Pension Fund data; in: BMJ open; Volume 9, Issue 10, 2019, bmjopen.bmj.com

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.