Ausbreitung zahlreicher Erreger: So schmuddelig sind Flugzeugkabinen

Alfred Domke

Gefährliche Bakterien: Im Flugzeug lauern zahlreiche Krankheitserreger

Zwar berichteten Wissenschaftler vor kurzem, dass nicht eindeutig belegt werden kann, wie viele Viren und Bakterien in Flugzeugen übertragen werden, doch klar ist, dass in Fliegern zahlreiche Krankheitserreger zu finden sind. Vor allem Klapptische, Armlehnen, Sitzbezüge, Türgriffe und Toilettenspültasten sind oft stark damit verunreinigt, wie eine Studie nun zeigte.


Gesundheitsgefahren im Flugzeug

Flugreisen stellen oft eine Gefahr für die Gesundheit dar. Nicht nur weil beim Fliegen die Thrombose-Gefahr erhöht ist, sondern auch weil im Flugzeug viele Oberflächen häufig mit potenziell gefährlichen Mikroorganismen besiedelt sind, die Infektionskrankheiten auslösen könnten. Das hat sich nun in einer Studie von Forschern der Friedrich-Schiller-Universität Jena (FSU) gezeigt.

Wie sich in einer neuen Studie zeigte, sind in Flugzeugen viele Oberflächen häufig mit potenziell gefährlichen Mikroorganismen besiedelt, die Infektionskrankheiten auslösen könnten. (Bild: Michael Schütze/fotolia.com)

Potenzielle Quellen für die rasche Verbreitung von Infektionskrankheiten

Laut einer Mitteilung der FSU wurden im Jahr 2017 insgesamt 4,1 Milliarden Fluggäste befördert, eine Rekordzahl.

Den Experten zufolge sind das allein in der Zivilluftfahrt 4,1 Milliarden potenzielle Quellen für die rasche Verbreitung von Infektionskrankheiten, die in der Vergangenheit geografisch begrenzt waren.

„Materialoberflächen in Flugzeugkabinen sind ein einzigartiger Lebensraum für Mikroben“, sagte Prof. Dr. Klaus Jandt vom Otto-Schott-Institut für Materialforschung der Uni Jena.

„Kein anderes Verkehrsmittel überbrückt in kurzer Zeit so große Distanzen zwischen Ländern und Kontinenten und verbindet Regionen mit guten Gesundheitswesen mit Gebieten, in denen Seuchen oder gefährliche Infektionskrankheiten nicht selten sind“, so der Experte.

Oberflächen von verschiedenen Mikroorganismen besiedelt

Im Rahmen der Übersichtsarbeit, die im Fachmagazin „Travel Medicine und Infectious Disease“ veröffentlicht wurde, untersuchten die Jenaer Materialwissenschaftler anhand von nahezu 800 Originalarbeiten, welche wissenschaftlichen Erkenntnisse es über Mikroben auf Oberflächen in Flugzeugen gibt.

Es zeigte sich, dass die Oberflächen in Flugzeugen im Allgemeinen von verschiedenen Arten von Mikroorganismen besiedelt werden.

„Dabei gibt es infektiöse Hotspots wie Klapptische, Armlehnen, Sitzbezüge, Türgriffe und Toilettenspültasten“, erläuterte Prof. Jandt.

„Wir waren überrascht, wie relativ wenige zuverlässige Daten über die Anzahl von Mikroben auf Innenoberflächen von Verkehrsflugzeugmaterialien verfügbar sind, obwohl es im Internet dazu zahlreiche, zum Teil auch weniger seriöse Quellen gibt“, fügte der Experte an.

Manche Mikroben nutzen uns, manche schaden uns

„Nicht alle Mikroben sind für den Menschen gefährlich, viele nutzen uns sogar“, erklärte Prof. Dr. Mathias W. Pletz vom Universitätsklinikum Jena.

„Allerdings sind einige Mikroben, die sich in Flugzeugen finden, nicht harmlos“, so der Coautor der Studie.

Wie die Jenaer Forscher weiter berichten, hängt die Überlebensfähigkeit und die Übertragbarkeit der Mikroben auf den Menschen unter anderem von den Arten der Materialien und deren physikochemischen Oberflächeneigenschaften ab.

Oberflächliche Infektionsketten nachhaltig unterbrechen

Damit niemand mehr Sorge vor Mikroben auf den Oberflächen im Flugzeug haben muss, schlagen die Jenaer Forscher in ihrer Arbeit einen Maßnahmenkatalog vor.

Dazu gehören unter anderem das Schaffen eines Bewusstseins für dieses Thema bei Flugzeugbauern, Fluggesellschaften, dem Kabinenpersonal und den Passagieren.

Aber auch Hinweistafeln an den Hotspots, eine gründlichere und häufigere Reinigung der Hotspots sowie der Einsatz von neuen antimikrobiellen Materialkonzepten, an denen die Wissenschaftler in Jena zurzeit arbeiten.

Mit diesen Strategien könnte es bald gelingen, oberflächliche Infektionsketten in Flugzeugen nachhaltig zu unterbrechen, ist das FSU-Forschungsteam optimistisch. (ad)