Bei Bluthochdruck-Therapie: Harntreibendes Mittel Diuretikum erhöht Hautkrebsrisiko

Alfred Domke

Harntreibendes Medikament: Diuretikum erhöht das Risiko für weißen Hautkrebs

In wissenschaftlichen Untersuchungen hat sich gezeigt, dass Arzneimittel, die den Wirkstoff Hydrochlorothiazid (HCT) enthalten, anscheinend das Risiko für weißen Hautkrebsrisiko erhöhen können. Gesundheitsexperten warnen jedoch davor, solche Medikamente, die zur Senkung von Bluthochdruck eingesetzt werden, einfach abzusetzen.


Mit „Rote-Hand-Brief“ auf mögliches Langzeitrisiko hingewiesen

Wie die Deutsche Hochdruckliga e.V. DHL® – Deutsche Gesellschaft für Hypertonie und Prävention in einer aktuellen Mitteilung schreibt, haben die Zulassungsinhaber von Arzneimitteln, die den Wirkstoff Hydrochlorothiazid (HCT) enthalten, mit einem „Rote-Hand-Brief“ auf ein mögliches Langzeitrisiko hingewiesen. Wissenschaftliche Studien haben demnach gezeigt, dass solche Medikamente anscheinend das Risiko erhöhen können, an weißem Hautkrebs zu erkranken. Laut den Experten sollte das aber nicht zu Kurzschlussreaktionen führen. Ob mit oder ohne HCT: Bluthochdruck muss in jedem Fall behandelt werden.

Studien haben gezeigt, dass Arzneimittel, die den Wirkstoff Hydrochlorothiazid (HCT) enthalten, anscheinend das Hautkrebsrisiko erhöhen können. Dennoch sollten die Medikamente, die zur Behandlung von Bluthochdruck eingesetzt werden, nicht eigenmächtig abgesetzt werden. (Bild: Miriam Dörr/fotolia.com)

Gesundheitsdaten aus Skandinavien ausgewertet

Pharmazeutische Hersteller informieren Fachkreise mit Hilfe von sogenannten „Rote-Hand-Briefen“ über neu erkannte Arzneimittelrisiken.

Jetzt haben alle pharmazeutischen Hersteller des Diuretikums Hydrochlorothiazid (HCT) in Abstimmung mit der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) und dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) einen „Rote Hand-Brief“ herausgegeben, weil aktuelle Studiendaten darauf hinweisen, dass die Substanz, mutmaßlich auf Grund ihrer photosensibilisierenden Wirkung, anscheinend das Risiko für weißen Hautkrebs erhöht.

Auslöser für die Warnung sind zwei aktuelle skandinavische Langzeitstudien. Ausgewertet wurden Gesundheitsdaten aus Dänemark über einen längeren Zeitraum.

Die wissenschaftlichen Untersuchungen legen dringend einen Zusammenhang zwischen der Einnahme von HCT und der Entstehung von weißem Hautkrebs nahe, ohne dass letztlich ursächlich nachgewiesen wurde, ob der weiße Hautkrebs auch wirklich auf die Einnahme von HCT zurückzuführen ist.

In diesen Studien fehlen beispielsweise wichtige Informationen zum Ausmaß der Sonnenexposition und dem Hauttyp der Betroffenen.

Haut regelmäßig auf neue Hautveränderungen hin beobachten

Der „Rote-Hand-Brief“ empfiehlt Ärzten, Patienten, denen sie die Substanz verschrieben haben, auf dieses Risiko aufmerksam zu machen.

Bei Einnahme von HCT als Mono- oder Kombinationspräparat empfiehlt es sich, die Haut regelmäßig auf neue Hautveränderungen hin zu beobachten beziehungsweise auf mögliche Veränderungen vorbestehender Hautveränderungen zu achten.

Verdächtige Veränderungen sollten unbedingt mit dem Arzt besprochen werden. Es ist wichtig, dass Patienten ihre Blutdruckmedikation nicht eigenmächtig absetzen.

Ein Absetzen kann zu Folgen führen, die gefährlicher sind und schwerer zu behandeln sind als weißer Hautkrebs (zum Beispiel Schlaganfall oder Herzinfarkt).

Verunsicherte Patienten sollten gemeinsam mit ihrem Hausarzt den individuellen Nutzen gegen das individuelle Risiko abwägen und entscheiden, ob eine Therapieumstellung erfolgen soll.

Patienten, die HCT weiterhin als Blutdrucksenker einnehmen, sollten auf einen ausreichenden Hautschutz vor Sonnen- und UV Einstrahlung achten.

Bei Patienten, die bereits an weißem Hautkrebs erkrankt sind, sollte gemeinsam mit dem behandelnden Arzt der Einsatz von HCT sorgfältig abgewogen werden.

Ein Mittel der ersten Wahl bei der Behandlung von Bluthochdruck

Das Thiazid-Diuretikum HCT ist in Deutschland und weltweit zusammen mit Hemmern des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems (RAAS-Blocker) und Calcium-Antagonisten (Calciumkanal-Blocker) ein Mittel der ersten Wahl bei der Behandlung von Bluthochdruck.

Laut der DHL wird HCT relativ selten zur Monotherapie eingesetzt. Gut jedes fünfte verordnete Diuretikum enthält HCT als Wirkstoff.

Häufig ist HCT in Zweifach- oder Dreifach-Kombinationspräparaten zur Blutdrucksenkung enthalten, weil es die blutdrucksenkende Wirkung von anderen Wirkstoffen verstärkt.

Medikament keinesfalls eigenmächtig absetzen

„Weißer Hautkrebs ist eine Erkrankung, die, wenn sie früh erkannt wird, sehr risikoarm ist“, erklärt Prof. Dr. Bernhard K. Krämer, Mannheim, Vorstandsvorsitzender der DHL.

„Das Therapierisiko von HCT und insbesondere von Kombinationspräparaten, die HCT erhalten, stufen wir daher als relativ gering ein, möchten aber die Patienten auffordern, sich regelmäßig einem Hautkrebsscreening zu unterziehen“, so der Experte.

„Bei Patienten, die HCT als Monotherapie erhalten, kann eine Therapieumstellung erwogen werden, sei es auf ein anderes Thiazid-Diuretikum oder auf eine andere blutdrucksenkende Substanzklasse.“

Der Mediziner führt aus, dass die Patienten keinesfalls die Medikation aus Sorge vor weißem Hautkrebs eigenmächtig absetzen sollen.

Die Blutdruckmedikamente einfach wegzulassen, kann gravierende Folgen haben, unbehandelt kann Bluthochdruck zu Schlaganfällen, Herzinfarkten, Nierenversagen oder Demenz führen – und das oft weit früher, als dass sich ein weißer Hautkrebs entwickelt.

„Verunsicherte Patienten sollten daher mit ihrem Hausarzt reden und bei Bedarf auf andere Blutdruckmedikamente ausweichen“, erklärt der Experte. (ad)