Beliebter Nougataufstrich: Vergiften gefährliche Pestizide die Haselnüsse für Nutella?

Beim Anbau von Nutella-Nüssen wird offenbar giftiges Pestizid eingesetzt

Immer wieder gerät der Schokoladenaufstrich Nutella aufgrund des hohen Zucker- und Fettgehalts in die Kritik. Nun wurde auch noch bekannt, dass beim Anbau der Haselnüsse, die für die Creme benötigt werden, hochgiftige Pestizide zum Einsatz kommen.


Aufstrich gerät immer wieder in die Kritik

Früher wurde Nutella unter anderem mit dem Slogan „von Natur aus gesund“ beworben, doch Experten zufolge könne davon keine Rede sein. Die weltweit wohl bekannteste Nuss-Nougat-Creme ist wegen des hohen Anteils an Zucker und Fett bereits mehrfach als gesundheitsgefährdend bezeichnet worden. Und nun wurde laut Medienberichten auch noch bekannt, dass beim Anbau der Haselnüsse, die für den Aufstrich benötigt werden, offenbar hochgiftige Pestizide zum Einsatz kommen.

Für den Anbau von Haselnüssen, die für die Produktion von Nutella benötigt werden, wird offenbar ein hochgiftiges Pestizid verwendet. (Bild: Samo Trebizan/fotolia.com)

Zucker und Fett sind die Hauptbestandteile

Laut Fachleuten ist die Bezeichnung „Nuss-Nougat-Creme“ für Nutella eher irreführend, da die Hauptbestandteile Zucker und Fett sind.

Das zeigt sich auch am hohen Kaloriengehalt. In einem Glas sind 4520 Kilokalorien enthalten, wie auf dem Instagram-Account „caloriebrands“ berichtet wird.

Die ungesunden Inhaltsstoffe waren auch schon in der Vergangenheit Anlass für Kritik. Frankreichs ehemalige Umweltministerin Ségolène Royal hatte sogar zum Boykott von Nutella aufgerufen. „Man muss aufhören, Nutella zu essen“, erklärte die Politikerin.

Und die Kritik an dem Schokoladenaufstrich erhält immer wieder neue Nahrung: Nun wurde aufgedeckt, dass für den Anbau der benötigten Haselnüsse offenbar gefährliche Chemikalien eingesetzt werden.

In Europa verbotenes Pestizid

Der italienische Süßwarenhersteller Ferrero braucht für die Herstellung seiner Produkte Nutella, Hanuta und Co. riesige Mengen an Haselnüssen.

Medienberichten zufolge kommen diese zu großen Teilen aus der Türkei, dem führenden Exporteur für Haselnüsse, sowie aus Italien. Auch in Chile lässt das Unternehmen Haselnüsse anbauen.

Wie die ARD nun aufgedeckt hat, kommt in dem südamerikanischen Land ein hochgiftiges Pestizid zum Einsatz, das in Europa verboten ist: Paraquat.

Legaler Einsatz

Laut Recherchen des Pestizid-Aktions-Netzwerks (PAN) wird die giftige Chemikalie auf Haselnuss-Plantagen von Ferrero in Chile versprüht.

In dem Beitrag des „Weltspiegel“ sind leere Paraquat-Kanister am Straßenrand neben den Plantagen zu sehen.

In Chile darf das Totalherbizid legal eingesetzt werden. In Europa ist es seit rund zehn Jahren verboten. Gesundheitsexperten kann das Agrargift neben Krebs unter anderem auch Nierenversagen und Fortpflanzungsprobleme auslösen.

Der Weltspiegel, der Ferrero um eine Stellungnahme gebeten hatte, erhielt die Antwort: „Unsere eigenen chilenischen Plantagen verwenden seit Jahren kein Paraquat. (…) Die zwischen Ferrero und den chilenischen Lieferanten geschlossenen Verträge beinhalten die eindeutige Verpflichtung, weder Paraquat noch andere in der EU verbotenen Pflanzenschutzmittel einzusetzen.“

Auch Glyphosat wird versprüht

Ein ehemaliger Arbeiter einer lokalen Plantage hat jedoch etwas anderes zu berichten: „Man sprüht bis nahe an die Häuser heran. Mit Glyphosat und auch Paraquat“, so Lazaro Aburto laut ARD.

„Alles was die Agrarchemie-Industrie empfiehlt, setzen sie hier auch ein.“ Laut dem Präsidenten des Nussverbands sie dies in Chilie legal, solange Paraquat bei der Ankunft in Europa nicht mehr nachgewiesen wird.

„Der Exporteur Ferrero muss nur darauf achten, die europäischen Regeln für Pestizid-Rückstände einzuhalten, sobald der Hafen in Europa erreicht wird“, erklärte Nicolas di Cosme, Präsident von ChileNuts. „Dafür müssen sie sorgen.“

Ferrero teilte dem Weltspiegel mit, dass ihre Rohstoffe auf Pflanzengifte getestet werden: „Alle Haselnüsse werden (…) auf mögliche Kontaminanten wie Paraquat (…) analysiert. Bisher wurden keinerlei Rückstände gefunden.“

Folgen für die Menschen

Und welche Folge hat der Einsatz der Chemikalien für die Menschen in Chile?

„Wir haben viele Kinder mit großen Lernschwächen“, sagte Cesar Domarchi, Schuldirektor in San Clemente laut ARD. „Wir gehen davon aus, dass dies mit den Pestiziden zusammenhängt.“

Den Angaben zufolge wird diese Vermutung von Wissenschaftlern bestätigt. (ad)