Brustkrebs-Verdacht: Ergänzende Ultraschall-Untersuchung kann mehr Tumore entdecken

Mammografie durch Ultraschall ergänzen: Bis zu 45 Prozent mehr Tumore entdecken

Die Mammografie zählt zu den wichtigsten Methoden zur Früherkennung von Brustkrebs. Laut Fachleuten konnten dadurch innerhalb eines Jahres über 17.000 Karzinome entdeckt werden. Experten berichten nun jedoch, dass bis zu 45 Prozent mehr Tumore diagnostiziert werden können, wenn zusätzlich zur Röntgenuntersuchung die Ultraschalldiagnostik eingesetzt wird.


Krebsart mit der höchsten Todesrate

Brustkrebs ist die Krebsart mit der höchsten Todesrate bei Frauen in Deutschland. Bundesweit sterben jährlich rund 17.000 daran und etwa 70.000 erkranken jedes Jahr neu. Der Deutschen Gesellschaft für Senologie (DGS) zufolge können heutzutage etwa 80 Prozent der erkrankten Frauen erfolgreich therapiert werden. Sehr viel hänge dabei von einer frühen Diagnose ab. Seit 2002 haben Frauen hierzulande die Möglichkeit, kostenlos am Mammographie-Screening teilzunehmen. Bei dieser speziellen Röntgenuntersuchung werden zahlreiche Krebserkrankungen der Brust frühzeitig erkannt. Wenn jedoch zusätzlich Ultraschall-Untersuchungen durchgeführt werden, können noch deutlich mehr Tumore diagnostiziert werden.

Mit der Röntgenuntersuchung der Brust können viele sogenannte Mammakarzinome oft nicht eindeutig identifiziert werden. Wenn jedoch die Ultraschalldiagnostik ergänzend eingesetzt wird, können bis zu 45 Prozent mehr Tumore erkannt werden. (Bild: Sven Bähren/fotolia.com)

Mammakarzinome bei Röntgenuntersuchung oft nicht eindeutig zu identifizieren

In Deutschland können Frauen von 50 bis 69 Jahren kostenlos am Brustkrebsvorsorge-Programm teilnehmen. Doch nur etwa jede Zweite geht zum Mammographie-Screening.

Oft haben Frauen Angst vor der Untersuchung. Zudem ist bekannt, dass die Untersuchung keine Garantie bietet.

Problematisch ist, dass mit der Röntgenuntersuchung der Brust – dem hierzulande häufigsten Diagnoseverfahren – ein Großteil der sogenannten Mammakarzinome häufig nicht eindeutig identifiziert werden kann.

Wenn jedoch die Ultraschalldiagnostik ergänzend eingesetzt wird, können bis zu 45 Prozent mehr invasive Karzinome erkannt werden, berichtet die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM).

Die Experten fordern deshalb, dass die Brustuntersuchung per Ultraschall schon bei Routineuntersuchungen zur Früherkennung von Krebs standardmäßig zum Einsatz kommen sollte.

Mehrwert der Sonografie zu wenig bekannt

„Der hohe Mehrwert der Sonografie zur Krebsfrüherkennung ist viel zu wenig bekannt“, meint DEGUM-Experte Professor Dr. med. B. Joachim Hackelöer, der unter anderem Professuren für Gynäkologie und Geburtshilfe an Universitäten in Hamburg und Marburg innehatte.

So habe etwa der Medizinische Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (MDS) den Nutzen dieser Untersuchung vor kurzem in einem Beurteilungsverfahren von mehreren Individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL-Leistungen) als unklar eingestuft.

Nach Ansicht von Hackelöer bestehe vor diesem Hintergrund ein dringender Aufklärungsbedarf.

Doch warum ist der Nutzen des Brustultraschalls eigentlich so groß? „Die weibliche Brust besteht aus einem Milchdrüsengewebe. Bindegewebe und Fett hüllen dieses Drüsengewebe ein“, erklärt Hackelöer.

„Durch die Ultraschalluntersuchung der Brust wird das Drüsen- und Bindegewebe mit hellen Echos dargestellt, Karzinome hingegen oft mit dunklen Echos.“

Den Angaben zufolge entsteht so ein Echokontrast, der die Diagnose wirksam ermöglicht. Im Gegensatz dazu weist die Röntgenuntersuchung der Brust – die sogenannte Mammografie – keinen so klaren Kontrast zwischen dem Tumor und dem übrigen Drüsen- und Bindegewebe auf.

Hier werden die Karzinome hell oder weiß abgebildet und können deswegen durch das übrige restliche Drüsen- und Bindegewebe maskiert oder verborgen werden. Besonders oft ist das bei Frauen mit dichtem Gewebe – also einem hohen Anteil an Milchdrüsengewebe – der Fall.

Frauen mit dichtem Brustgewebe

Nach Ansicht der DEGUM sollten diese Frauen deshalb dringend auch per Ultraschall untersucht werden – und das sind zahlreiche: Nach neuesten Daten hat annähernd die Hälfte der Frauen ab 50 Jahren ein dichtes Brustgewebe.

„Problematisch ist, dass derzeit im Deutschen Mammographie Screening-Programm die Brustdichte nicht systematisch erfasst und mitgeteilt wird. Frauen mit extrem dichtem Drüsengewebe haben jedoch ein höheres Risiko, an Brustkrebs zu erkranken“, sagt Professor Dr. med. Alexander Mundinger, Chefarzt der Brustzentrum-Sektion Bildgebende und minimal-invasive Mammadiagnostik der Niels-Stensen-Kliniken am Franziskus-Hospital Harderberg in Georgsmarienhütte.

Gleichzeitig sei das Risiko der Maskierung von Brustkrebs bei diesen Patientinnen am höchsten. „Aber auch ihnen wird zur Früherkennung von Brustkrebs hierzulande lediglich alle zwei Jahre eine Röntgenuntersuchung empfohlen und finanziert. Das muss sich dringend ändern.”

Damit zukünftig mehr Brustkrebstumore frühzeitiger entdeckt werden, fordern die DEGUM-Experten ein neues Konzept: „Wir benötigen in Deutschland dringend ein risikoadaptiertes, optimiertes Screening-Programm. Hier sollte die Mammografie zwingend durch die Ultraschall-Diagnostik der Brust ergänzt werden“, so Hackelöer.

„Zudem muss die Früherkennung sehr individualisiert durchgeführt werden.“ Ideal wäre es nach Ansicht der Fachleute, wenn die Ultraschall- und die Röntgenuntersuchung – je nach Dichtegrad der Brust – bei Frauen ab dem 40. Lebensjahr etwa einmal pro Jahr standardisiert angewendet würde.

Diese Untersuchungen sollten möglichst DEGUM-zertifizierte Gynäkologen und Radiologen durchführen. Nach Ansicht der Ultraschall-Experten sollte das DEGUM-Konzept bereits in die Screening-Ausbildung der angehenden Ärzte integriert werden – so könne eine hohe Qualität in der Sonografie am besten gewährleistet werden. (ad)