Cannabis, Brokkoli und Co: Natürliche Wundermittel gegen Krebs?

Hanfpflanzen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

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Hoffnungsträger gegen Krebs oft ohne wissenschaftliche Belege

Immer wieder wird darüber berichtet, dass neue Erkenntnisse zu Substanzen gewonnen wurden, die gegen Krebs helfen sollen. In vielen Fällen sind diese Stoffe in natürlichen Lebensmitteln wie Brokkoli oder auch in Cannabis zu finden. Doch häufig fehlen für die vermeintlichen Wundermittel ausreichende wissenschaftliche Belege.


Erst kürzlich berichteten Forscher aus den USA, dass sie einen Brokkoli-Inhaltsstoff gegen Krebs entdeckt haben. Und andere Wissenschaftler sorgten vor wenigen Tagen für internationales Aufsehen, da sie in einer Studie feststellten, dass Cannabis der Schlüssel zur Behandlung von Bauchspeicheldrüsenkrebs sein könnte. Für viele Betroffene sind solche Nachrichten ein Hoffnungsschimmer. Vielleicht ist ja endlich der Durchbruch im Kampf gegen Krebs gelungen und damit die Heilung in Reichweite – so der verständliche Gedanke. Doch was ist wirklich dran an solchen Meldungen über vermeintliche Hoffnungsträger gegen Krebserkrankungen?

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Immer wieder wird berichtet, dass natürliche Substanzen, wie beispielsweise Cannabis, gegen Krebs helfen sollen. Doch oft gibt es für die vermeintlichen Wundermittel keine ausreichenden wissenschaftlichen Belege. (Bild: sarra22/fotolia)

Auf der Suche nach wirksamen und möglichst nebenwirkungsarmen Therapien

„Ich habe gehört, es gibt da etwas Neues.“: So beginnen viele Anfragen an den Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ). Zu finden sind solche Neuigkeiten vor allem im Internet. Viele Krebspatienten und ihre Angehörigen durchforsten Medien und das Netz intensiv auf der Suche nach einer neuen, wirksamen und möglichst nebenwirkungsarmen Therapie.

„So verständlich das ist, oft müssen wir die Menschen leider enttäuschen. Denn zu vielen vermeintlichen Wundermitteln gibt es noch keine klinischen Studien, die Wirksamkeit und Unbedenklichkeit wissenschaftlich belegen“, so Dr. Susanne Weg-Remers, Leiterin des Krebsinformationsdienstes am Deutschen Krebsforschungszentrum in einer Mitteilung.

Bei Meldungen mit reißerischen Überschriften wie „Brokkoli killt Krebszellen“ oder „Cannabis heilt Krebs“ handelt es sich meist um allererste Hinweise auf einen möglichen medizinischen Nutzen gegen Krebs, die aus Tier- oder Zellkultur-Experimenten stammen oder aber um sehr frühe Stadien in der klinischen Entwicklung. Wirksamkeit, Sicherheit, Verträglichkeit und viele weitere relevante Fragestellungen sind noch nicht erforscht und geprüft. Der Krebsinformationsdienst des DKFZ erläutert die Problematik an drei Beispielen:

Beispiel Sulforaphan

Wie der Krebsinformationsdienst erklärt, ist der sekundäre Pflanzenstoff Sulforaphan in hoher Konzentration vor allem in Brokkoli enthalten. Im Internet wird er oft als vielversprechender Wirkstoff gegen Krebs und andere Erkrankungen angepriesen – inklusive zahlreicher Bezugsquellen. Doch was ist dran?

Laut den Experten weist das Ergebnis einiger epidemiologischer Studien darauf hin, dass das Senföl Sulforaphan beziehungsweise der Verzehr von sulforaphanhaltigen Gemüsesorten zur Vorbeugung von Krebs nützlich sein könnte. Doch Ergebnisse zur Behandlung von Krebs gibt es zurzeit praktisch nur aus Zellkultur- oder Tierversuchen. Allererste klinische Studien zur Behandlung von Prostatakrebs-Patienten ergaben nur begrenzt Hinweise auf eine Anti-Krebs-Wirkung.

Weitere Studien bei Personen mit Krebsvorstufen sowie zur Behandlung von Krebspatienten sind gerade angelaufen. Sulforaphan wird in den Leitlinien oder von Fachgesellschaften bisher weder zur Krebsprävention noch zur Therapie empfohlen.

Beispiel Cannabis

Dass auch mit Cannabis Krebs geheilt werden könne, ist ebenfalls an manchen Stellen im Internet zu lesen. „Das ist so nicht richtig“, sagt Weg-Remers. „Es stimmt zwar, dass der Einsatz von Cannabisarzneimitteln seit März 2017 unter bestimmten Voraussetzungen zur Behandlung von Krebspatienten zugelassen ist. Allerdings handelt es sich dabei um Therapien zur Linderung von Symptomen. Das heißt aber keineswegs, dass Cannabis das Krebswachstum bremsen kann.“

Zurzeit werden Untersuchungen zu Cannabis als Krebstherapie im eigentlichen Sinne insbesondere an Zellkulturen und in Tierversuchen durchgeführt, mit bisher widersprüchlichen Ergebnissen. Inhaltsstoffe von Cannabis können demnach im Experiment eine krebshemmende wie auch eine krebsfördernde Wirkung haben.

Ob sich die Ergebnisse überhaupt auf den Menschen übertragen lassen, ist zum jetzigen Zeitpunkt aber noch völlig offen. Beim Menschen gibt es bislang nur einige wenige Einzelfallberichte, in denen Cannabispräparaten eine mögliche Wirkung gegen Krebs zugeschrieben wurde.

Beispiel Dichloracetat (DCA)

Auch diese Substanz, das Salz der Dichloressigsäure, wird häufig als Wundermittel gegen Krebs gehandelt, obwohl Hinweise auf eine mögliche Wirkung von Dichloracetat gegen Krebs hauptsächlich aus der Grundlagenforschung stammen. Laut dem Krebsinformationsdienst muss noch in großen klinischen Studien untersucht werden, ob DCA auch zur Krebstherapie beim Menschen wirksam und sicher ist.

Trotz dieser noch nicht abgeschlossenen Forschung gibt es auch hierzulande Anbieter, die mit der Wirksamkeit werben und unter Umgehung arzneimittelrechtlicher Bestimmungen Dichloracetat als Chemikalie in Pulver- oder Kapselform anbieten. Patienten müssen wissen, dass sie solche Präparate nicht nur auf eigene Rechnung, sondern auch auf eigenes Risiko kaufen. Denn die internationale Krebsforschungsagentur (IARC) der Weltgesundheitsorganisation stuft Dichloracetat sogar als möglicherweise krebserregend (2b) ein.

Nicht auf eigene Faust
Ein weiteres Problem: Bei der Einnahme von ungeprüften Substanzen kann es zu schädlichen Nebenwirkungen und Wechselwirkungen kommen. „Zu Recht ist der Weg von einem potenziellen Wirkstoff im Labor bis zu einem zugelassenen Medikament ein langwieriger und hochkomplexer Prozess, bei dem in jeder Hinsicht auf Nummer sicher gegangen wird“, so Weg-Remers.

Häufig muss eine zunächst vielversprechende Substanz verworfen werden, weil sie sich im Laufe ihrer umfangreichen klinischen Prüfung als ungeeignet, unwirksam oder unsicher erweist. Dies ist ebenfalls zu bedenken, wenn Substanzen zur Krebstherapie angepriesen werden, die nicht als Medikament zugelassen sind.

Verlässliche Informationen zum aktuellen Stand der Forschung, zum Stellenwert der Substanzen für die Krebsbehandlung sowie zu Risiken, Neben- und Wechselwirkungen gibt es beim Krebsinformationsdienst. (ad)

Autor:
Alfred Domke
Quellen:

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.