Warum Kaffee den Stuhlgang fördert – das große Geschäft nach dem morgendlichen Kaffee

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Wie Kaffee den Darm beeinflusst

Wer regelmäßig Kaffee trinkt kennt den Effekt: Nach der morgendlichen Tasse Kaffee wird erstmal das stille Örtchen aufgesucht. Doch ist es wirklich der Kaffee, der unsere Verdauung in Bewegung bringt? Mit dieser Frage beschäftigte sich eine aktuelle Studie.


Ein Forschungsteam aus Texas untersuchte kürzlich, ob Kaffee tatsächlich eine Wirkung auf den Darm hat. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fanden gleich zwei verschiedene Wirkungsweisen von Kaffee auf den Darm. Zum einen beeinflusst Kaffee die Zusammensetzung der Darmflora und zum anderen regt er die Muskeln im Darm zur Kontraktion an. Die Studienergebnisse wurden kürzlich in dem Fachjournal „Gastroenterology“ vorgestellt.

Kaffee hat tatsächlich eine verdauungsfördernde Wirkung. Laut einer aktuellen Studie hat Kaffee unabhängig vom Koffeingehalt gleich zwei Effekte auf die Verdauung. (Bild: fabiomax/fotolia.com)

Kaffee wirkt gleich doppelt auf die Verdauung

Es ist zwar seit langem bekannt, dass Kaffee das Absetzten des Stuhlgangs fördert, der spezifischen Grund oder der dahinterliegende Mechanismus war bislang aber nicht geklärt. Eine texanische Forschungsgruppe konnte nun in Laborversuchen mit Ratten das Geheimnis teilweise lüften. Die Forschenden fütterten Ratten mit Kaffee und untersuchten die Reaktion auf den Darm. Zusätzlich brachten sie Darmbakterien mit Kaffee in Kontakt und dokumentierten die Ergebnisse. Wie sich zeigte, hat Kaffee gleich zwei Effekte auf den Darm. Dabei scheint der Koffeingehalt keine Rolle zu spielen.

Kaffee regt den Darm zur Kontraktion an

„Wenn Ratten drei Tage lang mit Kaffee gefüttert wurden, erhöhte sich die Kontraktionsfähigkeit der Muskeln im Dünndarm”, berichtet Studienautor Professor Xuan-Zheng Shi auf der Fachmesse Digestive Disease Week. Interessanterweise wurden diese Effekte unabhängig vom Koffeingehalt beobachtet. Entkoffeinierter Kaffee hatte ähnliche Auswirkungen wie koffeinhaltiger. Auch die Muskeln im unteren Darm und im Dickdarm zeigten nach drei Tagen Kaffeekonsum eine erhöhte Kontraktionsfähigkeit.

Kaffee als Therapie gegen Verstopfung?

In weiteren Laborversuchen bestätigte sich die Beobachtung. Die Forschenden brachten das Muskelgewebe des Darms direkt in Kontakt mit Kaffee, woraufhin das Gewebe zur Kontraktion animiert wurde. „Kaffeetrinken könnte vielleicht eine wirksame Behandlung für Verstopfung oder Darmverschluss sein, wenn der Darm nach einer Bauchoperation nicht mehr richtig funktioniert“, schlägt das Forschungsteam vor. Dies müsse aber erst in einer klinischen Studien geprüft werden.

Wie Kaffee unsere Darmflora beeinflusst

Das Team um Professor Xuan-Zheng Shi fand noch einen weiteren Effekt von Kaffee. Der Studie zufolge veränderte sich die Zusammensetzung der Darmbakterien im Kot der Ratten. Dies bestätigte sich auch, als die Forschenden Darmbakterien in Petrischalen mit Kaffee in Kontakt brachten. Das Wachstum von Mikroorganismen in Fäkalien mit Kaffeelösung sank insgesamt um drei Prozent. Nach Angaben des Forschungsteams ist derzeit allerdings unklar, ob Kaffee auch die „guten“ Darmbakterien unterdrückt oder nur die Enterobakterien, die für Krankheitsprozesse verantwortlich seien können. Dies müsse ebenfalls in weiteren Studien geklärt werden.

Wie gesund ist Kaffee?

Ist Kaffee gesund oder gesundheitsschädlich? Mit dieser Frage beschäftigten sich viele Studien in den letzten Jahren. So viel kann jedenfalls gesagt werden: Kaffee ist gesünder, als die meisten Menschen glauben. Die Anzahl der Tassen Kaffee pro Tag entscheidet über die Gesundheitsgefahr, erkannte eine weitere kürzlich erschiene Studie. Mehr als sechs Tassen pro Tag sollte man demnach besser nicht trinken. (vb)