Gesundheit: Anzahl der Tassen Kaffee pro Tag entscheidet über Gesundheitsgefahr

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Neue Studie zeigt, ab wie viel Tassen Kaffee gesundheitsschädlich ist

Für die meisten Menschen ist Kaffee am Morgen ein Muss. Schon der Gedanke an Kaffee macht viele munter. Doch wie viel Kaffee ist gesund? Ab welcher Menge schaden wir unserer Gesundheit? Ein neue Studie zeigte: „Ab 6 Tassen pro Tag sollte Schluss sein!“


Beliebter Muntermacher

Latte Macchiato, Cappuccino oder herkömmlicher Filterkaffee: Kaffee ist nicht nur bei den Deutschen einer der beliebtesten Muntermacher. Vor allem morgens wird das Heißgetränk konsumiert, um schneller in Schwung zu kommen. Kaffee galt zwar lange als gesundheitsschädigend, doch heute weiß man, dass das heiße Gebräu gesünder ist als oftmals angenommen wurde. Allerdings kommt es dabei stark auf die Menge an. Forscher aus Australien haben nun in einer wissenschaftlichen Untersuchung festgestellt, wie viel Kaffee pro Tag noch gesund ist.

Australische Forscher konnten in einer Studie zeigen, ab wie viel Tassen pro Tag Kaffee gesundheitsschädlich ist. (Bild: BillionPhotos.com/fotolia.com)

Vor- und Nachteile des Kaffeetrinkens

Über die Vor- und Nachteile des Kaffeetrinkens wird seit Jahrzehnten diskutiert.

In Studien hat sich gezeigt, dass Kaffee unter anderem gut fürs Herz ist und auch das Darmkrebs-Risiko reduzieren kann.

Allerdings kommt es auch auf die konsumierte Menge an. In neuen Untersuchungen von Forschern der University of South Australia wurde nun festgestellt, ab wie viel Tassen pro Tag Kaffee gesundheitsschädlich ist.

Die Ergebnisse der Wissenschaftler wurden im Fachmagazin „American Journal of Clinical Nutrition“ veröffentlicht.

Zusammenhang zwischen Kaffeekonsum und Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen die häufigste Todesursache weltweit. Sie zählen aber auch zu den am besten vermeidbaren Krankheiten.

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Die University of South Australia Forscher Dr. Ang Zhou und Professor Elina Hyppönen vom Australian Centre for Precision Health untersuchten nun den Zusammenhang zwischen langfristigem Kaffeekonsum und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Sie konnten dabei bestätigen, dass zu viel Koffein zu hohem Blutdruck führen kann, einem Vorläufer von Herzkrankheiten.

Den Studienautoren zufolge kann das Trinken von sechs oder mehr Kaffees pro Tag gesundheitsschädlich sein und das Risiko für Herzerkrankungen um bis zu 22 Prozent erhöhen.

Laut einer Mitteilung der Universität wurde von den Wissenschaftlern damit erstmals eine Obergrenze für den sicheren Kaffeekonsum und die kardiovaskuläre Gesundheit festgelegt.

Das am häufigsten konsumierte Stimulans der Welt

„Kaffee ist das am häufigsten konsumierte Stimulans der Welt – er weckt uns, steigert unsere Energie und hilft uns, uns zu konzentrieren. Aber die Leute fragen immer: „Wie viel Koffein ist zu viel?““, so Prof. Hyppönen.

„Die meisten Menschen würden zustimmen, dass sie sich nervös, gereizt oder sogar übel fühlen können, wenn sie viel Kaffee trinken. Das liegt daran, dass Koffein ihrem Körper hilft, schneller und härter zu arbeiten“, erklärt die Studienautorin.

„Wir wissen auch, dass das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit hohem Blutdruck steigt, eine bekannte Folge des übermäßigen Koffeinkonsums“, sagt Hyppönen.

„Um ein gesundes Herz und einen gesunden Blutdruck aufrechtzuerhalten, müssen die Menschen ihren Kaffee auf weniger als sechs Tassen pro Tag beschränken – basierend auf unseren Daten war sechs der Wendepunkt, an dem Koffein begann, das Herz-Kreislauf-Risiko negativ zu beeinflussen.“

Es geht ums Maßhalten

Um zu ihren Ergebnissen zu gelangen, nutzten die Forschenden Daten der britischen Biobank von 347.077 Teilnehmern im Alter von 37 bis 73 Jahren.

Dabei stellten sie auch bei Personen, die das für schnellere Koffein-Verarbeitung zuständige metabolisierende Gen CYP1A2 aufweisen, nach der sechsten Tasse negative Auswirkungen fest.

„Schätzungsweise drei Milliarden Tassen Kaffee werden täglich auf der ganzen Welt getrunken“, so Prof. Hyppönen.

„Es ist unerlässlich, die Grenzen dessen zu kennen, was gut für sie ist und was nicht“, meint die Wissenschaftlerin.„Wie bei vielen Dingen dreht sich alles um Maßhalten; bei Völlerei wird die Gesundheit dafür zahlen.“

Erhöht Kaffee den Blutdruck?

Studien belegen, dass regelmäßiges Trinken von Kaffee den Blutdruck nicht beeinflusst. Filterkaffee beeinflusst auch nicht den Cholesterinspiegel: Um diesen geringfügig zu erhöhen, müssten sie Kaffeebohnen oder Kaffeepulver kauen, und das in größeren Mengen. 2003 zog das Nationale Herz-, Lungen- und Blutinstitut der USA eine Warnung zurück, nach der Menschen mit hohem Blutdruck nur wenig Kaffee trinken sollten. Eine Studie an immerhin 150.000 Frauen ergab keinerlei Zusammenhang zwischen Kaffeekonsum und hohem Blutdruck.

Wirkt Kaffee entwässernd?

Ein weit verbreiteter Mythos ist die Annahme, dass Kaffee entwässernd wirkt. Dieser Gedanke ist entstanden, „da einige ältere Studiendaten falsch gelesen wurden“, betont Helga Strube von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Durch die zugeführte Wassermenge beeinflusse regelmäßiger und gleichmäßiger Kaffeekonsum selbstverständlich den Flüssigkeitshaushalt und er könne in der „Flüssigkeitsbilanz getrost mitgezählt werden“; wird Strube von der „dpa“ zitiert. Zwar fördere das Koffein die Harnausscheidung und die Natriumabgabe über die Nieren, doch bei moderatem Genuss von vier Tassen pro Tag werde dies durch den Körper wieder ausgeglichen. Voraussetzung sei allerdings, dass insgesamt genug getrunken wird, wobei als Faustregel mindestens 1,5 Liter anzusetzen seien.

Ein Glas Wasser zum Kaffee sei zwar nicht unbedingt erforderlich, bilde aber eine gute Tradition. Kaffee sollte – trotz der Anrechnung auf den Flüssigkeitshaushalt und anderer positiver gesundheitlicher Effekte – nach Einschätzung der DGE-Expertin als Genussmittel konsumiert werden und nicht als Durstlöscher. (ad)