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Depressionen: Kreatin könnte bei der Therapie helfen

Fabian Peters
Verfasst von Fabian Peters
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8. Juli 2026
in News
Eine Frau sitzt auf dem Boden und raucht eine Zigarette.
Kreatin könnte möglicherweise einen Beitrag zur Linderung depressiver Symptome leisten. (Bild: motortion/stock.adobe.com)
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Kreatin ist vor allem als Nahrungsergänzungsmittel zur Leistungssteigerung beim Sport bekannt, könnte laut einer neuen Studie jedoch auch einen Beitrag bei der Behandlung von Depressionen leisten. Allerdings sind die Forschungsergebnisse bisher zu widersprüchlich, um entsprechende Empfehlungen auszusprechen.

Forschende der University of Toronto und der University of Ottawa haben in einer Übersichtsarbeit die bisherigen Erkenntnisse zu der Wirkung von Kreatinmonohydrat gegen Depressionen untersucht und die Ergebnisse in dem Fachmagazin „Brain Medicine“ veröffentlicht.

Kreation für das Gehirn?

Kreatin gilt als das am besten erforschte Nahrungsergänzungsmittel und sein Nutzen zur Steigerung der körperlichen Leistungsfähigkeit ist vielfach belegt. So fördert Kreatin nachweisbar das Muskelwachstum und die Maximalkraft.

Bereits seit längerem wird zudem vermutet, dass die Energie, die Kreatin liefert, für das Gehirn ähnlich wichtig sein könnte wie für die Muskulatur. Denn das Gehirn ist ein energieintensives Organ, das im Verhältnis zu seiner Größe überproportional viel Energie verbraucht, erläutern die Forschenden.

Kreatin helfe den Zellen, Adenosintriphosphat (ATP) wieder aufzubauen, ein Molekül, das die Energieproduktion ermögliche, und früheren Studien haben bei Personen mit affektiven Störungen einen veränderten Kreatinstoffwechsel im Gehirn nachgewiesen, so die Fachleute weiter.

Zudem werde eine beeinträchtigte Energieproduktion als eine Ursache von Depressionen diskutiert und es gebe Hinweise, dass Kreatin auch die Signalwege beeinflussen könnte, die Dopamin und Serotonin regulieren, jene die Neurotransmitter, auf die auch die meisten Antidepressiva abzielen.

Kann Kreatin Depressionen lindern?

Ob die Kreatin-Einnahme einen Beitrag zur Behandlung von Depressionen leisten kann, überprüften die Forschenden daher nun anhand einer Auswertung von sechs früheren Untersuchungen, die auf fünf randomisierten klinischen Studien aus fünf Ländern (Südkorea, USA, Brasilien, Israel und Indien) basierten.

Vier dieser klinischen Studien untersuchten die Wirkung von Kreatin bei Personen mit schweren Depressionen, eine widmete sich der Wirkung bei Personen mit bipolarer Störung, erläutert das Team.

Von den insgesamt 238 Personen erhielten 126 Kreatin und 112 ein Placebo und das Durchschnittsalter lag bei 36 Jahren. Die meisten Teilnehmenden waren Frauen und an zwei Studien nahmen ausschließlich Frauen teil, erläutern die Forschenden.

Untersuchungen mit positiven Ergebnissen

In zwei Untersuchungen, die beide auf derselben Studie von Frauen mit schweren depressiven Störungen basierten, zeigte die Einnahme von fünf Gramm Kreatin pro Tag kombiniert mit dem Antidepressivum Escitalopram nach acht Wochen tatsächlich einen Nutzen, berichtet das Forschungsteam.

Im Vergleich zu der Einnahme eines Placebos sei eine signifikant stärkere Linderung der depressiven Symptome aufgetreten und mehr Frauen hätten eine Remission erreicht.

In einer weiteren Untersuchung habe die Kombination aus Kreatin und kognitiver Verhaltenstherapie im Vergleich zu Verhaltenstherapie und einem Placebo ebenfalls einen stärkeren Rückgang der depressiven Symptome bewirkt.

Kein Nutzen in anderen Untersuchungen

Allerdings seien in den verbleibenden drei Untersuchungen keine Vorteile durch die Einnahme von Kreatin (fünf oder zehn Gramm täglich) aufgetreten.

So zeigte Kreatin bei Personen, die bereits nicht auf Antidepressiva angesprochen hatten, keinerlei Nutzen und auch in einer Untersuchung, die verschiedene Dosierungen bei heranwachsenden Mädchen testete, war kein Vorteil gegenüber dem Placebo nachweisbar, berichtet das Team.

Nicht zuletzt hatte die Anwendung von Kreatin in einer Untersuchung an Personen mit bipolarer Störung und einer depressiven Episode ebenfalls keinen Behandlungsnutzen und bei zwei Teilnehmenden trat laut den Fachleuten sogar eine Hypomanie bzw. eine Manie auf.

Keine eindeutige Empfehlung möglich

So deuten die Studienergebnisse zwar insgesamt darauf hin, dass Kreatinmonohydrat zur Linderung depressiver Symptome beitragen kann, gleichzeitig wird jedoch deutlich, dass die Einnahme bei verschiedenen Beschwerdebildern sehr unterschiedliche Wirkung hat.

Zudem erlauben die Studienergebnisse noch kein endgültiges Urteil, so der Studienautor Bassam Jeryous Fares von der Universität Ottawa. „Zwei Studien wiesen in die eine Richtung, drei in die andere. Das ist nicht die Art von Evidenz, auf deren Grundlage man die klinische Praxis ändert“, ergänzt Fares.

Jedoch werde deutlich, dass nun weitere Untersuchungen angebracht sind, um den potenziellen Nutzen von Kreatin bei der Behandlung von Depressionen zu überprüfen. Die Übersichtsarbeit biete hier einen Ausgangspunkt für größere Studien und Untersuchungen mit längerer Laufzeit.

Vorerst bleibe Kreatin zwar eher ein vielversprechender Forschungsansatz als ein bewährtes Heilmittel, doch das Molekül, das für den Muskelaufbau bekannt ist, verdient mehr Aufmerksamkeit in der Hirnforschung, so das Fazit des Forschungsteams. (fp)

Autoren- und Quelleninformationen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Autor:
Fabian Peters
Quellen:
  • Bassam Jeryous Fares, Carl Zhou, Nicholas Fabiano, Stanley Wong: Creatine as a treatment for depression; in: Brain Medicine (veröffentlicht 30.06.2026), genomicpress.kglmeridian.com
  • Genomic Press: Creatine shows promise for depression, but the evidence is not yet settled (30.06.2026), eurekalert.org

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.

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