Die Autoimmunerkrankung Lupus erythematodes steht in Zusammenhang mit der Zusammensetzung der Darmflora und ein bestimmtes Bakterium könnte einen wichtigen Beitrag zur Behandlung leisten. So zeigte das Bakterium Faecalibacterium prausnitzii in einer aktuellen Studie vielversprechende Wirkung.
Forschend der University of Texas Health, San Antonio und der New York University Grossman School of Medicine haben das therapeutische Potenzial von Faecalibacterium prausnitzii bei systemische Lupus erythematodes untersucht. Die Ergebnisse sind in dem Fachmagazin „Nature Communications“ veröffentlicht.
Autoimmunerkrankung mit weitreichenden Folgen
Der systemische Lupus erythematodes ist eine Erkrankung, bei der das Immunsystem gesundes Körpergewebe und Organe angreift, was zu Entzündungen von Gelenken, Haut, Gehirn, Herz, Lunge und anderen Organen führt, erläutern die Forschenden.
Die Krankheit ist bisher nicht heilbar und die verfügbaren Behandlungen zielen laut den Fachleuten lediglich darauf ab, die Symptome zu lindern und Organschäden zu verhindern. Die Therapie umfasse zum Beispiel den Einsatz von Immunsuppressiva wie Steroiden.
Obwohl diese wirksam sind, können sie Nebenwirkungen wie Gewichtszunahme, Schwellungen und Herz-Kreislauf-Komplikationen verursachen sowie die Anfälligkeit für Infektionen erhöhen, wobei letztere eine der Hauptursachen für die Sterblichkeit bei Lupus darstellen, erläutert das Forschungsteam.
Zusammenhänge mit der Darmflora
Bei der Suche nach den Ursachen der Erkrankung und nach möglichen Behandlungsansätzen sei in den vergangenen Jahren auch das Darmmikrobiom zunehmend in den Fokus der Forschung gerückt und frühere Studien hätten bereits gezeigt, dass sich die Darmflora von Lupus-Betroffenen und gesunden Menschen unterscheide.
In diesen wurden verschiedene Bakterienstämme identifiziert, die mit dem Fortschreiten von Lupus in Verbindung stehen, erklärt das Forschungsteam.
Auch konnten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der University of Texas Health, San Antonio bereits nachweisen, dass das Bakterium Faecalibacterium prausnitzii in dem Darmmikrobiom von Lupus-Betroffenen in verringertem Maße vorkommt.
Bakterium mit Schlüsselfunktion
Das Bakterium verbessere unter gesunden Bedingungen die Fähigkeit von Darmmikroben, Ballaststoffe zu verdauen, und trage zur Verringerung von Entzündungen bei, indem es die kurzkettige Fettsäure Butyrat produziert.
Butyrat ist die Hauptenergiequelle für die Zellen der Dickdarmschleimhaut, welche die Barriere (die sogenannte Muzinschicht) zwischen dem Darm und dem restlichen Körper aufrechterhalten, erläutern die Forschenden.
Ist das Bakterium Faecalibacterium prausnitzii seltener vorhanden, werden Ballaststoffe nicht ausreichend verarbeitet und die Muzinschicht baut sich ab, so die Fachleute weiter.
Immunregulation teilweise wiederhergestellt
An Mäusen konnte das Forschungsteam nun nachweisen, dass die Wiederansiedlung der Bakterien die Immunregulation bei Lupus teilweise wiederherstellte und zudem positive Auswirkungen auf Nieren und Milz zeigte.
Die Zufuhr des Bakteriums habe die Krankheitsmarker in Tiermodellen deutlich reduziert, berichten die Forschenden.Zwar seien die genauen Wirkmechanismen des Bakteriums noch nicht vollständig geklärt, doch scheine das Bakterium die anderen Mikrobiota dazu zu bringen, weniger Muzin und mehr Ballaststoffe zu verdauen, was die Darmgesundheit fördere.
„Dies ist das erste Mal in der Lupus-Forschung, dass wir ein Bakterium identifiziert haben, dessen Vorkommen reduziert ist und dessen Wiederzuführung eine positive Wirkung zeigt“, so die Studienautorin Prof. Dr. Laurence Morel von der University of Texas Health, San Antonio.
Neue Ansätze zur Therapie
Diese Erkenntnis könnte auch neue Ansätze zur Lupus-Therapie eröffnen. „Wir waren begeistert, dass ein einziger probiotischer Stamm eine so große Wirkung erzielen kann“, betont der Studienautor Prof. Yong Ge von der University of Texas Health, San Antonio.
In den bislang verfügbaren Probiotika ist Faecalibacterium prausnitzii jedoch nicht enthalten und es besteht zudem das Problem, dass das Bakterium äußerst sauerstoffempfindlich ist und bei Kontakt mit Luft schnell seine Aktivität verliert, erläutern die Forschenden.
So erscheine eine probiotische Behandlungen mit Faecalibacterium prausnitzii zwar als vielversprechender Ansatz zur Lupus-Therapie, doch seien nun weitere Studien erforderlich, um dessen Rolle im Mikrobiom vollständig zu verstehen und den therapeutischen Nutzen zu bewerten. (fp)
Autoren- und Quelleninformationen
Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.
- Ni Zhao, Peiling Geng, Damian Jimenez, Abigail Castellanos Garcia, Natalie Six, Cassandra Isabelle LaPlante, Alejandro Gaher Perez, Gregg J. Silverman, Laurence Morel & Yong Ge: Multiomics-guided discovery of protective microbiome signatures in lupus-prone mice treated with Faecalibacterium prausnitzii; in: Nature Communications (veröffentlicht 13.04.2026), nature.com
- The University of Texas at San Antonio Health Science Center: UT Health San Antonio identifies the first potential probiotic treatment for lupus (veröffentlicht 25.06.2026), eurekalert.org
Wichtiger Hinweis:
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