Bestimmte Knieoperationen sind laut einer neuen Studie wirkungslos und können sogar schädlich sein. So kann eine partielle Meniskektomie die Beschwerden langfristig noch verstärken und die Kniefunktion beeinträchtigen.
Ein finnisches Forschungsteam hat die langfristigen Auswirkungen der gängigen Knieoperation bei degenerativen medialen Meniskusrissen im Vergleich zu einer Scheinoperation untersucht. Die ernüchternden Ergebnisse sind in dem „New England Journal of Medicine“ veröffentlicht.
Häufiger orthopädischer Eingriff
Bei Meniskusrissen ist die ambulante arthroskopische Entfernung des verletzten Knorpels ein gängiges Vorgehen. Diese sogenannte partielle Meniskektomie bildet weltweit einen der häufigsten orthopädischen Eingriffe, erläutern die Forschenden.
Zwar sei die Anzahl entsprechender Operationen in Finnland in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen, doch werde der Eingriff international weiterhin durchgeführt.
„Die Operation basiert auf der Annahme, dass Schmerzen an der Knieinnenseite durch einen Riss des Innenmeniskus verursacht werden, der operativ behandelt werden kann. Solche Annahmen, die auf biologischen Plausibilitäten beruhen, sind in der Medizin nach wie vor weit verbreitet“, erklärt die Studienautorin Dr. Raine Sihvonen vom Pihlajalinna Kelloportti Hospital.
Hinweise auf mögliche Nachteile
Allerdings gab es in den letzten Jahren zunehmend Bedenken hinsichtlich potenzieller Schäden durch die partielle Meniskektomie und der Eingriff wurde mit einem erhöhten Risiko für Gelenkersatzoperationen sowie potenziell höheren Komplikationsrisiken nach dem Eingriff in Verbindung gebracht, erklären die Fachleute.
„Mehrere randomisierte Studien haben bereits gezeigt, dass eine partielle Meniskektomie die Symptome oder die Funktion der Patienten weder kurz- (1–2 Jahre) noch mittelfristig (5 Jahre) verbessert. Trotzdem wird das Verfahren in vielen Ländern weiterhin häufig angewendet“, ergänzt die Studienautorin Dr. Roope Kalske vom Helsinki University Hospital.
Vergleich mit Scheinoperationen
In einer bislang einzigartigen Studien mit 146 Teilnehmenden überprüften die Forschenden nun die Auswirkungen der partielle Meniskektomie bei degenerativen medialen Meniskusrissen im Vergleich zu einer Scheinoperation.
Nach dem Eingriff erfolgten hierfür über einen Zeitraum von zehn Jahren regelmäßige Nachuntersuchungen. Dabei zeigte die partielle Meniskektomie im Vergleich zu der Scheinoperation keine Vorteile bei der Linderung der Symptome und bezüglich der Funktion des Kniegelenks, berichten die Forschenden.
Schlechtere Ergebnisse nach der OP
Tatsächlich seien in dem zehnjährigen Nachbeobachtungszeitraums nach der partiellen Meniskektomie im Vergleich zur Scheinoperation mehr Symptome, stärkere Funktionseinschränkungen, ein schnelleres Fortschreiten der Arthrose und eine höhere Wahrscheinlichkeit für eine weitere Knieoperation aufgetreten.
„Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass dies ein Beispiel für eine sogenannte medizinische Reversibilität sein könnte, bei der sich eine weit verbreitete Therapie als unwirksam oder sogar schädlich erweist“, fasst der Studienautor Prof. Dr. Teppo Järvinen von der University of Helsinki zusammen.
Auf partielle Meniskektomien verzichten
„Seit fast einem Jahrzehnt empfehlen zahlreiche unabhängige, nicht-orthopädische Organisationen, die klinische Leitlinien herausgeben, die Anwendung des Verfahrens einzustellen. Dennoch befürworten beispielsweise die American Academy of Orthopaedic Surgeons (AAOS) und die British Association for Surgery of the Knee (BASK) die Operation weiterhin. Dies verdeutlicht, wie schwierig es ist, ineffektive Therapien aufzugeben“, so Järvinen weiter.
Angesichts der neuen Studienergebnisse sollten partielle Meniskektomien fortan keine Anwendung mehr finden, da sie die Gesundheit der Patientinnen und Patienten eher gefährden, als zu helfen. (fp)
Autoren- und Quelleninformationen
Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.
- University of Helsinki: One of the world’s most common knee surgeries does not help and may even be harmful (veröffentlicht 29.04.2026), eurekalert.org
- Roope Kalske, Raine Sihvonen, Mika Paavola, Antti Malmivaara, Ari Itälä, Antti Joukainen, Juha Kalske, Heikki Nurmi, Pirjo Toivonen, Niko Sillanpää, Tommi Kiekara, Aleksandra Turkiewicz, Martin Englund, Simo Taimela, Teppo L.N. Järvinen: Arthroscopic Partial Meniscectomy for Degenerative Tear — 10-Year Outcomes; in: New England Journal of Medicine (veröffentlicht 29.04.2026), nejm.org
Wichtiger Hinweis:
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