Ein Blick ins Grüne mindert das Bedürfnis für Zigaretten, Alkohol und Fast Food

Ein halb geöffnetes Fenster mit Blick auf die Natur.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

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Der Anblick von Natur hält uns von ungesundem Verhalten ab

Für viele Menschen gibt es nichts Schöneres, als die Natur zu betrachten. Selbst die meisten Naturmuffel schauen vom Büro oder von zu Hause aus lieber auf eine Naturlandschaft, als auf eine gegenüberliegende Häuserwand. Ein englisches Forschungsteam zeigte nun, dass der reine Anblick der Natur sogar eine heilende Wirkung hat und in uns das Verlangen nach Ungesundem wie Zigaretten, Alkohol, Fast Food und Süßigkeiten mindert.


Forschende der University of Plymouth untersuchten den Effekt eines regelmäßigen Anblicks von Grünflächen auf den Menschen. Dabei zeigte sich, dass Personen, die von zu Hause oder vom Arbeitsplatz aus auf eine Grünfläche blicken, mit niedrigerer Frequenz zu gesundheitsschädlichen Genussmitteln greifen und ein schwächeres Verlangen für diese zeigen. Die Studienergebnisse wurden kürzlich in dem Fachjournal „Health & Place“ vorgestellt.

Ein Ausblick ins Grüne beruhigt das Verlangen des Menschen nach ungesunden Genussmitteln. (Bild: struvictory/fotolia.com)

Die Natur strahlt eine passive Heilkraft aus

Eine frühere Studie zeigte bereits, dass Bewegung in der Natur bei Suchterkrankungen helfen kann. Darauf aufbauend zeigte das Forschungsteam um Leanne Martin nun, dass der reine Anblick von natürlichen Flächen, unabhängig von der Bewegung, eine passive Wirkung auf das Verlangen des Menschen ausübt. „Dass der Anblick von Natur mit dem Verlangen des Menschen assoziiert ist, fügt der bisherigen Forschung eine neue Dimension hinzu“, erläutert Martin.

Die erste Studie dieser Art

„Das ist die erste Studie, die diese Idee untersucht“, betont die Forschungsleiterin. Die Erkenntnisse könnten in Zukunft eine Reihe von Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit und die Umweltschutzprogramme haben, da sie auf die Notwendigkeit hinweisen, Grünflächen in Städten zu schützen und zu erweitern, um den Nutzen für die Öffentlichkeit zu maximieren.

Natur besänftigt das Verlangen

Die Teilnehmenden der Studie teilten umfassende Angaben darüber, wie viel Grünflächen in ihrer Umgebung sind und wie oft sie zu ungesundem Verhalten neigen. Das umfasste beispielsweise das Rauchen, das übermäßige Trinken von Alkohol und ungesunde Ernährung. Bei der Auswertung zeigte sich ein deutlicher Zusammenhang, zwischen dem Anteil der Grünflächen in der Umgebung und der Frequenz, mit der die Teilnehmenden zu ungesundem Verhalten neigten.

25 Prozent Grünflächen ums Haus

Bei Menschen, die aus ihrer Wohnung zu mehr als 25 Prozent auf Grünflächen blicken, minderte sich das Verlangen nach Ungesundem. Das Gleiche zeigte sich bei Menschen, die einen Zugang zu einem Garten haben. Dieser Effekt könnte einen direkten Einfluss auf die Gesundheit der Menschen haben, denn Rauchen, Alkohol und ungesunde Ernährung tragen zu den größten Gesundheitsproblemen unserer Zeit wie Krebs, Fettleibigkeit und Diabetes bei.

Ein vielversprechender erster Schritt

Die Forschenden weisen darauf hin, dass die Kausalität dieses Zusammenhangs weiter untersucht werden muss. „Zu zeigen, dass Grünflächen mit einem geringeren Verlangen verbunden sind, ist ein vielversprechender erster Schritt“, resümiert Psychologie-Professorin Dr. Sabine Pahl aus dem Studienteam. In zukünftigen Forschungen soll nun näher untersucht werden, ob und wie sich natürliche Flächen nutzen lassen, um Verlangen und Heißhungerattacken standzuhalten, damit Versuche, sich von einem schädlichen Konsum zu distanzieren, erfolgversprechender werden. (vb)

Autor:
Diplom-Redakteur (FH) Volker Blasek
Quellen:
  • University of Plymouth: Seeing greenery linked to less intense and frequent cravings (Abruf: 12.07.2019), plymouth.ac.uk
  • Martin, Leanne / Pahl, Sabine / White, Mathew P. / u.a.: Natural environments and craving: The mediating role of negative affect, Health & Place, Volume 58, 2019, sciencedirect.com