Ernährung: Eine kohlenhydratearme Kost reduziert das Risiko für Diabetes – Ohne Abnehmen

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Reduziertes Risiko für Diabetes durch die richtige Ernährung

Forschende fanden jetzt heraus, dass eine kohlenhydratarme Ernährung Vorteile für Menschen mit einem Risiko für Typ-2-Diabetes haben kann, selbst wenn diese nicht an Gewicht abnehmen.


Bei der aktuellen Studie der Ohio State University wurde festgestellt, dass eine Ernährung, welche kaum Kohlenhydrate enthält, gesundheitliche Vorteile bei Menschen mit Typ-2-Diabetes bewirkt. Dafür ist es nicht nötig, dass die Betroffenen an Gewicht abnehmen. Die Ergebnisse der Studie wurden in dem englischsprachigen Fachblatt „Journal of Clinical Investigation Insight“ publiziert.

Menschen mit Diabetes haben Probleme mit ihrem Blutzucker. Diesen müssen sie ständig kontrollieren, um gefährliche Auswirkungen für die Gesundheit zu vermeiden. Forschende fanden jetzt heraus, dass eine kohlenhydratarme Ernährung hilft das Risiko für Diabetes zu reduzieren. (Bild: lieselfuchs/fotolia.com)

Was bewirkte die kohlenhydratarme Ernährung?

Bei der Studie wurde untersucht, was mit Menschen mit metabolischem Syndrom (Kombination aus Bluthochdruck, Übergewicht, Zucker- und Fettstoffwechselstörung), passiert, wenn sie eine kohlenhydratarme Ernährung einhalten, dabei aber nicht an Gewicht abnehmen. Die Forschenden stellten fest, dass mehr als die Hälfte der Menschen in der Studie die Kriterien für ein metabolisches Syndrom unmittelbar nach einer vierwöchigen kohlenhydratarmen Ernährung nicht mehr erfüllte. Allerdings umfasste die aktuelle Studie lediglich 16 Männer und Frauen.

Anzahl der Teilnehmenden war sehr gering

Das metabolische Syndrom umfasst eine Reihe von Faktoren, welche das Risiko für Herzkrankheiten und Schlaganfälle erhöhen. Hoher Blutdruck, hohe Blutzuckerwerte, überschüssiges Körperfett an der Taille und ungewöhnlich niedrige Werte von HDL-Cholesterin sowie hohe Triglyceridspiegel sind als einzelne Faktoren bereits nicht zu unterschätzende Gesundheitsrisiken. Im Zusammenspiel werden sie zu einer ernsten Gefahr.

Spielt der Gewichtsverlust bei einer kohlenhydratarmen Ernährung eine Rolle?

Nach dem Konsum einer kohlenhydratarmen Ernährung wurde bei mehr als der Hälfte der Teilnehmenden (fünf Männer und vier Frauen) festgestellt, dass sich ihr Stoffwechselsyndrom umkehrte, obwohl sie eine Ernährung einnahmen, die absichtlich genug Kalorien enthielten, um ihr Gewicht stabil zu halten. Frühere Studien hatten bereits gezeigt, dass eine kohlenhydratarme Ernährung für Menschen mit metabolischem Syndrom und Diabetes von Vorteil sein kann, aber es gab Diskussionen darüber, ob dies eine Folge der Ernährung oder ein Ergebnis des Gewichtsverlusts ist. Es besteht kein Zweifel, dass Menschen mit metabolischem Syndrom und Typ-2-Diabetes von einer kohlenhydratarmen Ernährung profitieren, aber normalerweise verlieren sie durch diese Ernährung an Gewicht. Einer der vorherrschenden Gedanken ist, dass der Gewichtsverlust die gesundheitlichen Vorteile vorantreibt. Dies war hier eindeutig nicht der Fall, berichten die Autoren der Studie.

Teilnehmende sollten nicht abnehmen

Die Ansicht der Autoren ist, dass die Einschränkung der Aufnahme von Kohlenhydraten auch ohne Gewichtsverlust eine Vielzahl von Stoffwechselproblemen verbessert. Offensichtlich ist die Qualität der Ernährung von großer Bedeutung. Über einen Zeitraum von etwa vier Monaten aß jeder Teilnehmende drei Monate lang kontrollierte Formen von Ernährung: Kohlenhydratreich, moderat kohlenhydratreduziert und kohlenhydratarm. Zwischen jeder unterschiedlichen Form der Ernährung wurde jeweils eine Pause von zwei Wochen eingelegt. Die Reihenfolge, in der die Teilnehmenden die verschiedenen Formen der Ernährung zu sich nahmen, wurde nach dem Zufallsprinzip festgelegt. Es wurde außerdem sichergestellt, dass die Teilnehmenden nicht an Gewicht abnahmen, indem ihnen vorbereitete Mahlzeiten mit einer Menge an Kalorien zur Verfügung gestellt wurden, die ihrem normalen Energieverbrauch entsprach.

Postive Auswirkungen einer kohlenhydratarmen Ernährung

Der Verzehr einer kohlenhydratarmen Ernährung führte zu einer Vielzahl von positiven Auswirkungen, insbesondere niedrigerer Triglyceride und verbesserter Cholesterinwerte. Trotz der Tatsache, dass die kohlenhydratarme Ernährung 2,5-mal mehr gesättigtes Fett enthielt als die kohlenhydratreiche Ernährung, verringerte sie das gesättigte Fett im Blut und war mit einer Zunahme der Größe der Cholesterinpartikel im Blut verbunden, was das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen reduziert, sagen die Autoren. Es gab auch Hinweise auf eine erhöhte Fettverbrennungseffizienz nach einer kohlenhydratarmen Ernährung und eine Verbesserung der Blutzuckerwerte. Es wurden allerdings keine statistisch signifikanten Verbesserungen des Blutdrucks oder der Insulinresistenz beobachtet.

Gewichtsverlust könnte die Ergebnisse noch weiter verbessern

Selbst eine bescheidene Einschränkung bei Kohlenhydraten reicht aus, um das metabolische Syndrom bei einigen Menschen umzukehren, andere Personen müssen den Konsum von Kohlenhydraten aber noch mehr einschränken, erläutern die Forschenden. Aufgrund des Studiendesigns wurde der Taillenumfang als Ursache für das metabolische Syndrom nicht berücksichtigt. Wäre es zusätzlich Ziel gewesen, an Gewicht abzunehmen, wären nach der kohlenhydratarmen Ernährung wahrscheinlich weitaus mehr Personen als krankheitsfrei eingestuft worden, so die Einschätzung der Forschenden. Diese Studie befasse sich allerdings nicht mit den potenziellen langfristigen Vorteilen und Herausforderungen einer kohlenhydratarmen Ernährung, weshalb nun Langzeitdiätstudien an Menschen mit metabolischem Syndrom erforderlich seien. (as)

Autor:
Alexander Stindt
Quellen:
  • Parker N. Hyde / Teryn N. Sapper / Christopher D. Crabtree u.a.: Dietary carbohydrate restriction improves metabolic syndrome independent of weight loss, Journal of Clinical Investigation Insight, https://doi.org/10.1172/jci.insight.128308 (Abruf: 22.06.2019)

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.