Ernährung ist Medizin

Sebastian Bertram

Chinesische Medizin spricht gesunder Ernährung hohe Bedeutung zu

Wenig Fleisch und mindestens ein Apfel am Tag – viele Deutsche verbinden das mit gesunder Ernährungsweise. Aus Sicht der Chinesischen Medizin bedeutet gesunde Ernährung aber viel mehr als die Konzentration auf eine obst- und gemüsereiche Kost. Welche Bedeutung für Wohlbefinden und Gesundheit ihr die alternative Medizin beimisst, zeigt, dass Ernährungslehre neben Akupunktur, chinesischer Arzneitherapie, Tunia Massagen sowie Qi Gong eine der fünf Säulen chinesischer Medizin darstellt.

TCM Pflanze löst Herzstörungen aus. Bild: Stockwerk-Fotodesign-fotolia

Als ein Grundsatz gilt das Verwenden regionaler Nahrungsmittel, im Idealfall aus biologischem Anbau. „Gesunde Ernährung heißt auch immer, Nahrungsmittel entsprechend der Jahreszeiten und persönlicher gesundheitlicher Verfassung auszuwählen“, erklärt Dr. Christian Schmincke, Experte für Chinesische Medizin und Leiter der Klinik am Steigerwald. „Darüber hinaus gilt, auf frische Zubereitung zu achten und Mahlzeiten vollständig zu garen ohne sie dabei zu zerkochen.“ Aus Sicht der Chinesischen Medizin nimmt man von Rohkost, wie Salaten und rohem Obst besser Abstand, da dies den Organismus oft zu sehr kühlt und überfordert. Das Gleiche gilt für Vollkornprodukte.

Da alle Lebensmittel unterschiedlich auf den Organismus wirken, kann jeder durch gezielte Aufnahme wieder eine Harmonisierung im Körper erreichen. Kommt es durch Krankheit zu einem Ungleichgewicht, gelten daher Lebensmittel als milde Therapeutika. Häufig begünstigen die falschen Nahrungsmittel aber auch Krankheiten. So weisen Experten auf mögliche Schleimbildung beim Verzehr von tierischem Eiweiß hin und raten je nach Indikation auch vom Käse- oder Milch-Genuss ab. Betroffene von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa berichten von Erfolgen bei der Behandlung ihrer Krankheit durch gemüsebetonte Kost. „Auch Patienten mit Neurodermitis sollten auf bestimmte Nahrungsmittel verzichten“, so Dr. Schmincke. Viele Neurodermitis-Betroffene erfahren eine Linderung ihrer Beschwerden, indem sie Alkohol, Käse sowie Zucker meiden.

Chinesische Medizin: Menschen in ihrer Gesamtheit sehen

„Die Chinesische Medizin blickt auf eine dreitausendjährige Geschichte zurück. Um sie als wertvolle Ergänzung zur westlichen Medizin zu nutzen, bedarf es immer einer Adaption an europäische Patienten. Mit ihrem tiefgreifenden Ansatz, Menschen in ihrer Gesamtheit zu sehen, eröffnen sich dann auch hierzulande neue, vielversprechende Therapiewege“, weiß Dr. Schmincke. Insbesondere wenn schulmedizinische Maßnahmen nicht mehr greifen, suchen Patienten mit chronischen Schmerzen, chronisch entzündlichen oder neurologische Erkrankungen Hilfe in der chinesischen Medizin. Den Erfolg dieses Konzepts zeigt eine Dokumentationsstudie der Klinik am Steigerwald: Mehr als jeder zweite Patient profitiert deutlich vom stationären Klinikaufenthalt und umfassender Behandlung mit chinesischer Medizin, gesunde Ernährung eingeschlossen. (sb)