Fast die Hälfte der Krebserkrankungen bei Kindern bleibt unerkannt

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Mangelhafte Diagnose von Krebsfällen bei Kindern?

Die Diagnose von Krebserkrankungen hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verbessert, trotzdem gibt es immer noch viele Fälle, in denen die Krankheit nicht rechtzeitig erkannt wird. Laut einer neuen globalen Studie wird Krebs bei fast der Hälfte der erkrankten Kinder nicht diagnostiziert und bleibt deswegen unbehandelt.


Die Wissenschaftler der international anerkannten Harvard University stellten bei ihrer aktuellen Untersuchung fest, dass Krebs bei Kindern weltweit häufig nicht erkannt und deswegen folglich auch nicht behandelt wird. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in dem englischsprachigen Fachblatt „Lancet Oncology“.

Wissenschaftler machten eine beunruhigende Entdeckung. Immer mehr Kinder und Jugendliche erkranken an Krebs und häufig wird die Krankheit überhaupt nicht diagnostiziert. (Bild: Frantab/fotolia.com)

In einigen Gegenden nehmen Krebserkrankungen bei Kindern stark zu

Die Forschungsarbeit legt nahe, dass die erfolgreiche Diagnose und Behandlung von Krebs vom Standort abhängt. Während in Westeuropa und Nordamerika im Jahr 2015 geschätzt nur drei Prozent der Fälle von Krebserkrankungen bei Kindern aufgetreten sind, stieg der Anteil in Südasien auf geschätzte 49 Prozent und in Westafrika sogar auf 57 Prozent. Dies bedeutet, dass viele der Kinder leider zu Hause unbehandelt sterben, sagen die Experten. Die Überlebensrate von Krebserkrankungen ist selbst bei diagnostizierten Fällen in diesen Ländern sehr gering, aber die Rate für Kinder sinkt auf null Prozent, wenn die Krankheit überhaupt nicht erkannt und behandelt wird. Kinder in vielen Ländern haben Schwierigkeiten beim Zugang zur Gesundheitsversorgung und selbst wenn sie von Ärzten untersucht werden, können ihre Symptome mit anderen Erkrankungen verwechselt werden.

Studie verwendete ein Computermodell

Mit der Hilfe eines Computermodells, welches Faktoren wie Statistiken zur Krebshäufigkeit und der Wahrscheinlichkeit, dass Kinder in einem bestimmten Land Zugang zur Gesundheitsversorgung inklusive Diagnose udn Behandlung haben, umfasste, haben die Forschenden dei weltweiten Krebserkankungen bei Kindern analysiert. So konnte das Team die Anzahl der diagnostizierten und nicht diagnostizierten Krebsfälle bei Kindern in 200 Ländern auf der ganzen Welt abschätzen. Die Daten von Krebsregistern aus 77 Ländern wurden dann als Vergleich herangezogen, sodass das Team das Modell anpassen konnte, um sicherzustellen, dass es gut funktionierte.

Kinder in Westafrika sind besonders stark betroffen

Das Modell legt nahe, dass es weltweit schätzungsweise 397.000 Fälle von Krebserkrankungenbei Kindern im Alter von bis zu 14 Jahren gab, wobei akute lymphatische Leukämie die häufigste Krebsart im Kindesalter ist. Es wurde jedoch nur bei etwa 224.000 Kindern eine Krebserkrankung diagnostiziert, bei 43 Prozent aller Fälle wurde die Krankheit leider nicht erkannt. Rund 92 Prozent aller neuen Fälle von Krebs bei Kindern im Kindesalter treten in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen auf, besonders in den Ländern Westafrikas. Dies sei hauptsächlich auf eine höhere Prävalenz bestimmter Krebsarten zurückzuführen, einschließlich des Burkitt-Lymphoms. Die Genetik könnte zwar eine Rolle spielen, Umweltfaktoren wie die Exposition gegenüber Malaria und das Epstein-Barr-Virus seien jedoch ebenfalls Risikofaktoren für bestimmte Krebsarten, erläutern die Experten.

Erweiterung der Gesundheitsversorgung hilft Kindern

In Zukunft werden schätzungsweise zwischen dem Jahr 2015 und 2030 weltweit etwa 6,7 Millionen Krebsfälle im Kindesalter auftreten, von denen 2,9 Millionen aber nicht diagnostiziert werden. Die gute Nachricht ist, dass die weltweite Erweiterung der Gesundheitsversorgung, zu der sich viele Länder bereits verpflichtet haben, Kindern den Zugang zum Gesundheitssystem erleichtern wird, berichten die Autoren der Studie. Wichtig sei, dass die Studie dazu beitragen könnte, weitverbreitete Missverständnisse aufzuheben. Es werde oft gesagt, dass Krebs in der Kindheit in Entwicklungsländern kaum vorhanden ist, weil in diesen Ländern nicht ausreichend Daten vorliegen. Die Ergebnisse der neuen Studie könnten helfen bessere Strategien zur Krebsbekämpfung zu entwickeln. Dafür sind allerdings Krebsregister von entscheidender Bedeutung. (as)