Nichtalkoholische Fettlebererkrankungen beeinträchtigen die Darmbarriere und erhöhen die Anfälligkeit für schwere Lebensmittelinfektionen. Der Zusammenhang wird dabei offenbar über die Darmflora vermittelt.
Forschende der University of California, Irvine und der Duke University School of Medicine haben untersucht, inwiefern nichtalkoholische Fettlebererkrankungen das Risiko akuter gastrointestinaler Infektionen beeinflussen und welche Rolle die Darmflora dabei spielt. Die Ergebnisse sind in dem Fachmagazin „Gut Microbes“ veröffentlicht.
Fettlebererkrankungen weit verbreitet
Millionen Menschen weltweit leiden an einer nichtalkoholischen Fettlebererkrankungen (metabolische Dysfunktion-assoziierte steatotischen Lebererkrankung; MASLD), die langfristig das Risiko für Erkrankungen wie eine Leberzirrhose und Leberkrebs signifikant erhöht.
Auch haben Betroffene häufig Begleiterkrankungen wie Adipositas, Typ-2-Diabetes und Bluthochdruck und neuere Studien deuten zudem auf eine erhöhte Infektanfälligkeit bei Personen mit MASLD hin, berichtet das Forschungsteam.
Erhöhtes Infektionsrisiko
Inwiefern die Fettlebererkrankung tatsächlich die Anfälligkeit für Infektionen mit Vibrio vulnificus beeinflusst, einem Bakterium, das mit schweren Lebensmittelinfektionen infolge des Verzehrs von Meeresfrüchten in Verbindung gebracht wird, untersuchte das Team nun an Mäusen. Auch die zugrundeliegenden biologischen Mechanismen wurden dabei analysiert.
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Die Fachleute beobachteten bei den Tieren mit MASLD eine erhöhte Anfälligkeit für Vibrio-vulnificus-Infektionen, sowohl in Bezug auf das Infektionsrisiko als auch in Bezug auf den Verlauf. Mäuse mit MASLD entwickelten nach oraler Aufnahme des Erregers deutlich stärkere Leberschäden, Entzündungen und Fibrosen als gesunde Mäuse, erläutern die Forschenden.
Darmflora ein zentraler Faktor
„Unsere Ergebnisse zeigen, dass eine zugrunde liegende Lebererkrankung nicht nur das Infektionsrisiko erhöht, sondern die Reaktion des Körpers grundlegend verändert“, so der Studienautor Professor Dr. Saurabh Chatterjee von der University of California, Irvine. Die Darmflora habe sich dabei als zentraler Faktor für die schwerwiegenden Folgen herausgestellt.
Die Fettlebererkrankung führte bei den Tieren zu einem Ungleichgewicht der Darmflora, einer erhöhten Darmpermeabilität und veränderten Immunreaktionen. Sowohl schädliche Bakterien als auch Entzündungssignale konnten so leichter über die sogenannte Darm-Leber-Achse vom Darm zur Leber zu gelangen, berichtet das Team.
Infolgedessen zeigten die MASLD-Mäuse nach der Infektion mit Vibrio vulnificus deutlich schwerwiegendere Krankheitsverläufe mit erhöhten Markern für Leberschäden, verstärkten systemischen Entzündungen, erhöhten Konzentrationen eisenbezogener Proteine, die das Bakterienwachstum fördern, einer verstärkten Aktivierung proinflammatorischer Immunzellen sowie ein schnelleres Fortschreiten der Lebervernarbung und eine beginnende Zirrhose, so die Fachleute weiter.
Die Reduktion der Darmbakterien durch Antibiotika und eine anschließender Stuhltransplantation mit der Darmflora von gesunden Mäusen habe die Pathophysiologie zudem verringert. Dies bestätige, dass die Dysbiose der Darmflora für die erhöhte Anfälligkeit gegenüber Vibrio vulnificus verantwortlich ist.
Das Darmmikrobiom erscheint damit als ein modifizierbarer Faktor, der gezielt genutzt werden könnte, um den Schweregrad der Infektion zu verringern, betont der Studienautor Dr. Punnag Saha. „Therapien wie die Wiederherstellung des Mikrobioms könnten vielversprechend für den Schutz von Risikopatienten sein“, so Dr. Saha. (fp)
Autoren- und Quelleninformationen
Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.
- Punnag Saha, Subhajit Roy, Madhura More, Dipro Bose, Ayushi Trivedi, Bryan W. Brooks, Wing-Kin Syn, Anna Mae Diehl, Saurabh Chatterjee: Underlying MASLD-induced gut microbiome dysbiosis and intestinal inflammation are key to poor outcomes in vibriosis infections in a preclinical model; in: Gut Microbes (veröffentlicht 13.04.2026), tandfonline.com
- University of California - Irvine: Gut microbiome serves as key driver for bacterial infection outcomes for fatty liver disease (veröffentlicht 15.04.2026), eurekalert.org
Wichtiger Hinweis:
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