Folgen für die Psyche: Nutzung digitaler Medien fördert ADHS

Alexander Stindt

Warum begünstigen digitale Medien ADHS?

Forscher untersuchten jetzt, wie sich mit digitalen Medien verbrachte Zeit auf die Wahrscheinlichkeit für die Entstehung einer sogenannten Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) auswirkt. Die festgestellten Ergebnisse könnten für einige Menschen durchaus überraschend oder sogar erschreckend sein.


Die Wissenschaftler der University of Southern California stellten bei ihrer aktuellen Untersuchung fest, dass es eine direkte Verbindung zwischen der vor den Bildschirmen von Computern oder Smartphones verbrachten Zeit und der Entstehung einer Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung bei Jugendlichen gibt. Die Mediziner publizierten die Ergebnisse ihrer Studie in dem englischsprachigen Fachblatt der American Medical Association „JAMA“.

Viele Menschen verwenden ihr Smartphone für die Nutzung digitaler Medienplattformen. Scheinbar steht eine solche Nutzung mit der Entstehung von ADHS in Verbindung. (Bild: Tanusha/fotolia.com)

Es wurden mehr als 2.500 Teilnehmende untersucht

Die aktuelle zweijährige Studie untersuchte eine Gruppe von mehr als 2.500 Schülern aus Los Angeles. Besonders die Aufmerksamkeit der Probanden wurde durch die Nutzung von digitalen Medien beeinträchtigt, erläutern die Experten. Die Aufmerksamkeit ließ während der gesamten Dauer des Experiments zunehmend immer weiter nach, um so mehr Zeit die Teilnehmer mit digitale Medienplattformen verbrachten. Obwohl die Nutzung digitaler Medien nicht definitiv ADHS verursacht, scheint die Nutzung Symptome zu induzieren, welche eine solche Diagnose oder pharmazeutische Behandlung rechtfertigen würden, sagen die Mediziner.

Beginnt ADHS in der Kindheit?

Es wurde lange Zeit angenommen, dass ADHS in den frühen Stadien der kindlichen Entwicklung beginnt. Aber die genauen Umstände, egal ob biologisch oder durch die Umwelt verursacht, werden unter den Fachleuten für psychische Gesundheit immer noch kontrovers diskutiert. Die aktuelle Studie konzentrierte sich jedoch auf neue Symptome, die zu Beginn der Studie noch nicht vorhanden waren, so dass ein Zusammenhang durchaus als wahrscheinlich angenommen werden kann, erklärt Studienautor Adam Leventhal von der University of Southern California.

Glücklicher ohne digitale Medien?

Andere Studien, welche das sogenannte digitale Engagement mit einbeziehen, hatten eine umgekehrte Beziehung zur Zufriedenheit nahegelegt. Wenn für Betroffene die Nutzung digitaler Medien ausfällt, fühlen sich diese Menschen häufig wesentlich glücklicher und zufriedener, sagen die Mediziner.

Gab es Einschränkungen bei der Studie?

Die Teilnehmenden waren Teenager im Alter von 15 und 16 Jahren, welche über einen Zeitraum von zwei Jahren medizinisch überwacht wurden. Die Testpersonen wurden im Laufe der Studie zu ihrer Häufigkeit von Online-Aktivitäten und dem Auftreten von 18 verschiedenen Symptomen für ADHS befragt. Die Experten räumten allerdings ein, dass die Probanden von Anfang an Symptome von ADHS aufwiesen, welche jedoch durch andere Faktoren verursacht wurden. Durch die Nutzung von digitalen Medien wurden diese Symptome allerdings noch weiter verschärft. (as)